Actavis will mit Ratiopharm an Börse
Ulm. Die Deutsche Bank und Actavis planen nach der Übernahme von Ratiopharm einen Börsengang. Ulm soll Hauptsitz des neuen Konzerns werden.
Das Wettbieten um den Ulmer Arzneimittelhersteller Ratiopharm geht munter weiter. Als dritter und letzter Anbieter stellte gestern der isländische Generika-Konzern Actavis, der die finanzielle Rückendeckung durch die Deutsche Bank hat, in Ulm vor einem erweiterten Führungskreis seine Pläne vor.
Dabei toppte der Konzern die Pläne seiner Konkurrenten: des israelischen Generika-Weltmarktführers Teva und des weltgrößten forschenden Pharmakonzerns Pfizer (USA). Teva hatte angekündigt, im Falle eines Zuschlags solle Ratiopharm in Ulm zur Drehscheibe seines Europageschäfts werden. Der US-Konzern Pfizer, der erst 2007 ins Geschäft mit Nachahmerpräparaten eingestiegen ist, will Ulm zum Hauptstandort seiner Generika-sparte machen. Actavis kündigte nun gestern an, Ulm solle das weltweite Hauptquartier eines fusionierten Unternehmens werden.
Da Actavis hoch verschuldet ist, benötigt es bei der Übernahme jedoch die Hilfe der Deutschen Bank, ihrem größten Kreditgeber. Wie die Nachrichtenagentur Dow Jones unter Verweis auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, will die Deutsche Bank ein weitgehend schuldenfreies Unternehmen schaffen und dieses in fünf Jahren an die Börse bringen. Dazu wolle die Deutsche Bank ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln. Wie hoch der Anteil des deutschen Bankenprimus an einem Gemeinschaftunternehmen Actavis/Ratiopharm sei, stehe noch nicht fest.
Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte das nicht kommentieren. Bei einem solchen Vorgehen müsste das Bankhaus erhebliche Abschreibungen vornehmen, weil der Kredit höher sei als der Unternehmenswert, berichtete Dow-Jones.
Im weiteren Verlauf des Bieterprozesses wird nun Ratiopharm testierte Zahlen für das Jahr 2009 vorlegen. Bis Mitte des Monats sollen die drei Interessenten dann ihre finalen Angebote vorlegen, die bisher in der Größenordnung von 3 Mrd. EUR liegen. Die Entscheidung, wer letztlich den Zuschlag erhalten wird, trifft Hans-Joachim Ziems, Chefsanierer der Ratiopharm-Muttergesellschaft VEM Vermögensverwaltung, noch im März. Dabei ist klar: Der Verkaufserlös fällt so hoch aus, dass Noch-Ratiopharm-Besitzer Ludwig Merckle die Schulden der VEM tilgen kann.
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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 09.03.2010
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