1500 Trauergäste nehmen Abschied

Blaubeuren.  Mit einer schlichten, aber bewegenden Trauerfeier haben gestern Familie, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit Abschied genommen von Adolf Merckle. Rund 1500 Trauergäste waren nach Blaubeuren gekommen.

Betroffen wirkten die 600 Trauergäste in der evangelischen Stadtkirche Blaubeuren und die rund 900 Mitarbeiter und Bürger, die das Geschehen in der Stadthalle an der Großleinwand verfolgten. Als bei der Trauerfeier für den Unternehmer Adolf Merckle, der sich vor einer Woche das Leben genommen hat, dessen jüngster Sohn Tobias ans Rednerpult trat und die Schriftlesung aus dem biblischen Buch der Offenbarung („Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein“) vortrug, waren die Menschen berührt. Ebenso bei dem von Schwiegertochter Anne, der Ehefrau von Phillip Merckle, gelesenen Gebet „Im Angesicht des Todes“.

In der Stadtkirche war der mit weißen und gelben Blumen geschmückte Sarg aufgebahrt, daneben ein Foto von Adolf Merckle und zehn Kerzen. Um den Medienansturm zu kanalisieren und die Trauerfamilie nicht den Kameras auszusetzen, waren Aufnahmen während des Gottesdienstes untersagt. Fotografen und Kameraleute hatten zuvor 15 Minuten lang Gelegenheit gehabt, die Szene festzuhalten. Die Medienvertreter hielten sich an die Vorgaben, wie der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold und Polizei-Pressesprecher Wolfgang Jürgens nach der Feier zufrieden feststellten. Die Stadt, die 40 Feuerwehrleute aufbot, und die Polizei, die ähnlich stark vertreten war, hatten alles für einen ungestörten Ablauf der Feier getan. Ein Verkehrschaos in der Blautopfstadt blieb aus.

Den Trauergottesdienst für den Blaubeurer Ehrenbürger, Bundesverdienstkreuzträger und Ehrensenator hielt der mit der Familie befreundete Dr. Gerhard Maier. Der frühere württembergische Landesbischof ist Mitglied im Kuratorium von Tobias Merckles Stiftung „Seehaus“, eine Einrichtung die jugendliche Straftäter im offenen Vollzug betreut.

Maier zeichnete in seiner Predigt das Leben Adolf Merckles nach. Der „Vollblutunternehmer“, der die Berge und den Wald liebte, habe viele Arbeitsplätze geschaffen, ein gutes Arbeitsklima gefördert und soziale und gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen. „Was einen solchen willensstarken und Gott sich verantwortlich fühlenden Mann dazu brachte, sich selbst das Leben zu nehmen, werden wir Menschen niemals bis ins Tiefste erkennen“, predigte Maier. „Die Entwicklung der letzten Monate, die internationale und nationale Finanzkrise und die Notlage der Firmen waren bedrückende Faktoren.“ Dass er keine Hilfe entdeckt habe und auf hämische Kommentare gestoßen sei, müsse Adolf Merckle „im Innersten verwundet“ haben, meinte Gerhard Maier. Heute würde Merckle wohl einiges anders machen. Auch ihm sei nicht alles gelungen, sagte Maier. Im zweiten Teil seiner Predigt sprach er der Familie Merckle Kraft und Trost zu.

Ruth Merckle, ihre vier Kinder und drei Schwiegerkinder stellten sich nach dem Gottesdienst am Sarg auf und nahmen Beileidsbekundungen entgegen.


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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 04.01.2010

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