Mit Engelszungen: Bürger, bunkert Sandsäcke!

Schwäbisches Tagblatt
.Die Feuerwehr sei vollauf damit beschäftigt, die eigene Stabsstelle hochzufahren und die Mannschaft zu alarmieren. 90 bis 120 Vorwarnungen kommen im Land pro Jahr für Baden-Württemberg vom Deutschen Wetterdienst. Zehnmal hat die Wehr heuer ihren Führungsstab hochgefahren. „Dreimal haben wir ihn gebraucht, siebenmal haben wir einen Kaffee getrunken und sind gegangen.“
Die Bürger könnten sich selbst informieren, sagt Herrmann. „Wir können nicht von Haus zu Haus laufen und sagen: Draußen regnet es.“ Es gebe Warn-Apps für Smartphones wie „Nina“ vom Deutschen Wetterdienst und neuerdings auch „MoWas“, das Mobile Warnsystem der Bundesregierung. Und zum Fenster rausschauen, ob es regnet, könnten die Bürger selbst.
Die Feuerwehr hat sämtliche Gefahrenstellen katalogisiert. An einigen neuralgischen Punkten wie in Betzingen lagern Sandsäcke, ebenso bei den Freiwilligen Abteilungen. Und mit einem speziellen Fahrzeug kann die Wehr bis zu 3000 Sandsäcke pro Stunde füllen – wenn genug Sand da ist. Das Problem ist dann die Logistik – denn auf einen Lastwagen passen nur 500 bis 600. Herrmann rät der Bürgerschaft, selbst Sandsäcke zu bunkern. Die gibt es bei der Wehr und im Baumarkt. Den Füllstoff könne man aus dem Sandkasten des Nachwuchses nehmen, wenn man die Spielstätte neu fülle. Ein Sandsack koste gerade 50 Cent.
Beim Hochwasser am 24. Juni gingen in wenigen Minuten hunderte Anrufe auf der Leiststelle ein. Und beim Hagelsturm im Juli 2013 gab es im Stadtgebiet insgesamt 2500 Einsatzstellen. Da müssen die Helfer Prioritäten setzen: Erst werden Menschen gerettet – wenn etwa, wie in Pfullingen, Menschen im überfluteten Auto eingeschlossen sind. Dann werden Versorgungsstellen, etwa für Strom, abgesichert. Und dann erst werden Keller ausgepumpt – wobei diese natürlich nicht besenrein geputzt werden.
„Wir können keinen Regen zurückhalten. Der kommt runter“, sagt der Kommandant. Er rät zur Selbsthilfe: Beispielsweise ebenerdige Lichtschächte, die in den Keller führen, mit Mauern versehen. Solche Tipps gibt es in einer Hochwasserschutzfibel, die auf der Homepage des Bundesverkehrsministeriums verfügbar ist. Und im Schadensfall müsse man auch Verhaltensregeln beachten. Etwa: Nicht in einen überfluteten Kellerraum gehen. Sonst geht womöglich die Tür wegen des Wasserzuflusses nicht mehr auf – im Killertal bei Hechingen ist deshalb beim Jahrhunderthochwasser im Juni 2008 jemand ertrunken.
Die Stadt Reutlingen habe im Nordraum viel für den Hochwasserschutz getan, lobt der Kommandant. Wie berichtet, wurden Regenüberlaufbecken angelegt und Engstellen bei Gewässern erweitert. Aber im Süden, im Osten und in der Innenstadt gebe es noch einigen Handlungsbedarf, etwa die Echaz entlang von der Lindachbrücke bis nach Betzingen. Doch bis die geplanten Schutzvorkehrungen finanziert und umgesetzt seien, werde es sicher noch zehn Jahre dauern.