Sieben Investoren zeigen Interesse

Pluta: Gute Chancen für Fortbestand von Märklin

Göppingen.  Die Pleite als Chance: Insolvenzverwalter Michael Pluta erläuterte gestern bei der Gläubigerversammlung in der Göppinger Stadthalle sein Konzept. Tatsächlich interessieren sich sieben Investoren für Märklin.

Der Willkommensgruß von Insolvenzverwalter Michael Pluta war ernst gemeint. Auch wenn am Montag nur 64 von 609 Märklin-Gläubigern in die Göppinger Stadthalle gekommen waren und das Aufgebot an privaten Sicherheitskräften sowie Print-, Radio- und Fernseh- Journalisten es von der Anzahl her locker mit ihnen aufnehmen konnte. Die Schwergewichte wie die Vertreter der Banken, der IG Metall, des Pensionssicherungsvereins und eines Kreditversicherers waren jedenfalls da - und die meisten teilten die Zuversicht des Ulmer Rechtsanwalts, dessen Bestätigung als Insolvenzverwalter reine Formsache war. Auch die Wahl der sieben Mitglieder des Gläubigerausschusses ging reibungslos über die Bühne.

Pluta sieht gute Chancen für ein Überleben des Traditionsunternehmens, das unter der Regie des Finanzinvestors Kingsbridge innerhalb von drei Jahren 110 Millionen Euro Schulden angehäuft und Anfang Februar Insolvenz beantragt hatte. Tatsächlich haben sich inzwischen sieben Investoren gemeldet, die ernsthaft an einer Märklin-Übernahme interessiert sind, berichtete Pluta. Bis August will er die Firma verkauft haben. "Wir sind allerdings nicht unter Zeitdruck", sagte der Anwalt, der die Feier des 150-jährigen Firmen-Jubiläums anlässlich der Märklin-Tage im Herbst in keinem Fall gefährdet sieht.

Ein Schnäppchen hat Pluta nicht zu bieten: Der gesuchte "Käufer mit Herzblut, der sich mit der Marke und mit der Produktion auskennt", soll ein Finanzierungsvolumen von rund 100 Millionen Euro schultern können. "Wir suchen keinen, der nur drei Jahre bleiben will und Unsicherheit in das Unternehmen bringt", erteilte Pluta einem neuerlichen Engagement von Finanzinvestoren eine klare Absage. Skeptisch beurteilt er die Initiative von Märklin-Fans, die Firma gemeinsam zu übernehmen. Sie riskierten 25 Prozent ihrer Einlagen, wenn sie mit dem Angebot nicht zum Zuge kämen, sagte Pluta. Doch auch mit ihnen werde verhandelt, wenn sie die Voraussetzungen erfüllten. "Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg", erklärte Pluta, der für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro und ein Ende der jahrelangen Verluste anpeilt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahren waren beim gleichen Umsatz Verluste von mindestens 21 Millionen Euro aufgelaufen - die genaue Zahl ist noch nicht bekannt.

Für die Fortführung des Traditionsunternehmens hat Pluta nach eigenen Angaben eine Planrechnung und ein Organigramm erstellt. "In wöchentlichen Geschäftsleitersitzungen werden Soll-Ist-Vergleiche besprochen. Wir sind derzeit im Plan", erläuterte der Insolvenzverwalter. Auf Staatshilfe will Pluta verzichten. Die Probleme möchte der Insolvenzverwalter "lieber mit Bordmitteln lösen". "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber es ist noch lange bis zum Ziel."

Während die Schwergewichte unter den Gläubigern große Hoffnungen in das Sanierungsprojekt stecken, sind die Klein-Gläubiger offenbar weit weniger zuversichtlich. "Ich krieg meine paar Tausend Euro sowieso nicht mehr, da gehts doch nur um die Millionen", schimpfte einer in einer Pause der nichtöffentlichen Versammlung. "Wir haben doch nichts zu bestimmen", machte ein Zulieferer seinem Unmut Luft, dessen drittgrößter Kunde Märklin ist. Trotzdem hofft er, dass die Firma wieder auf die Füße komme. "Mit unseren Promille-Forderungen ändern wir sowieso nichts", lautete ein weiterer Kommentar. Ein Mann wurde deutlicher: "Die Versammlung kannst du vergessen, die Zeit hätten wir uns sparen können." Slavojtza Vasic, die 35 Jahre in der Qualitätskontrolle bei Märklin gearbeitet hatte, sah es nicht ganz so negativ. "Ich wünsche, dass es weiter geht." Das wünscht sich Renate Gmoser von der IG Metall auch: "Wenn das Weihnachtsgeschäft gut läuft und rechtzeitig produziert und verkauft werden kann, sehe ich für Märklin gute Chancen."


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: Joa Schmid | 26.05.2009

Traditionsunternehmen Märklin

Zurück ins Kinderzimmer: Märklin stellt Weichen neu

Göppingen Vor einem Jahr schaffte Märklin den Sprung aus der Insolvenz. Nun will die Firma auch die Auslandsmärkte wieder für die Modelleisenbahn-Tradition begeistern. Und die kleinen Loks sollen nicht nur im Hobbykeller fahren, sondern auch wieder im Kinderzimmer.... mehr

Märklin baut sein Werk in Ungarn aus

Göppingen/Györ Der Göppinger Modelleisenbahnhersteller Märklin setzt auf seinen Produktionsstandort in Ungarn. Dort sei in Györ eine Erweiterung des bestehenden Werks in Betrieb genommen worden, teilte das Unternehmen mit.... mehr

Märklin sagt Insolvenz Ade

Göppingen Die " Weihnachtsbotschaft" des Insolvenzverwalters Michael Pluta für Märklin ist 33 Millionen Euro schwer. Diese Ausschüttung sieht der Insolvenzplan vor, dem die 1350 Gläubiger gestern zugestimmt haben.... mehr

Pluta: Fünf interessante Investoren für Märklin

Göppingen Für den insolventen Göppinger Modellbahnhersteller Märklin gibt es fünf potenzielle Käufer. Anfang Oktober könnte nach Angaben des Insolvenzverwalters entschieden werden, wer den Zugriff erhält.... mehr

Weniger Märklin-Mitarbeiter müssen gehen

Göppingen Am Stammsitz des insolventen Göppinger Modellbahnherstellers Märklin müssen doch weniger Mitarbeiter als bislang geplant gehen.... mehr

Märklin womöglich bald Publikumsgesellschaft

Göppingen Der Insolvenzverwalter des Göppinger Modellbahnherstellers Märklin erwägt die Umwandlung des Unternehmens in eine Publikumsgesellschaft.... mehr

Fast 400 Mitarbeiter müssen gehen

Göppingen Stunde der Wahrheit für die 1417 Märklin-Mitarbeiter: Fast 400 Beschäftigte in Göppingen, Györ und Nürnberg sollen ihren Job verlieren, damit der Modellbahnbauer wieder in die Gewinnspur kommen kann.... mehr