Märklin sagt Insolvenz Ade

Göppingen.  Die " Weihnachtsbotschaft" des Insolvenzverwalters Michael Pluta für Märklin ist 33 Millionen Euro schwer. Diese Ausschüttung sieht der Insolvenzplan vor, dem die 1350 Gläubiger gestern zugestimmt haben.

Den Makel der Insolvenz hat Märklin gestern endgültig abgelegt. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,8 Prozent brachten die 1350 Gläubiger des Modellbahnherstellers den Insolvenzplan auf den Weg. Zwei ehemalige Mitarbeiter unter den Gläubigern haben ihren Unmut über ihre Entlassung mit ihrer Gegenstimme dokumentiert. Die als sicher geltende Zustimmung der Finanzbehörden und der Stadt Göppingen vorausgesetzt, werden die Gläubiger (das sind hauptsächlich die Banken) zum Jahreswechsel Gesellschafter des Modellbahnherstellers. Die Alternative - eine Zerschlagung - ist vom Tisch.

"Das ist ein sehr bewegender Moment", meint dazu Geschäftsführer Kurt Seitzinger, dessen Nachfolger Stefan Löbich schon in den Startlöchern steht, um Märklin wieder zu alter Blüte zu verhelfen. Neue Vertriebs-, Fertigungs- und Produktkonzepte stehen auf der Agenda des ehemaligen Würth-Managers. Die frühere Märklin & Cie GmbH soll rechtlich erhalten bleiben. Über ihr thront eine Märklin Holding mit einem dreiköpfigen Beirat, dessen Vorsitz Kurt Seitzinger übernehmen soll und in dem neben Insolvenzverwalter Michael Pluta auch ein Vertreter der Gläubiger sitzen wird.

Die "frohe Weihnachtsbotschaft für Märklin", so Pluta, beschert den Gläubigern, denen Märklin 93 Mio.EUR schuldet, eine Sofortausschüttung von 33 Mio. EUR. Der größte Teil davon geht an die Banken. Die Göppinger Kreissparkasse, die BW-Bank und die Investmentbank Goldman Sachs, die zusammen Forderungen von 60 Mio.EUR haben, bekommen 27 Mio. EUR, das entspricht einer Quote von 45 Prozent. Die Restschuld von 34 Mio. EUR bleibt in der Bilanz.

In der dritten Gruppe sind die "unbesicherten" Gläubiger zu finden, deren Gesamtforderungen von 24,8 Mio. EUR mit einer Ausschüttung von insgesamt 2,5 Mio. EUR bedient werden, was einer Quote von 10 Prozent entspricht. Rund 3 Mio. EUR entfallen auf die Sozialplankosten für die 2009 und 2010 entlassenen Mitarbeiter. Die unbesicherten Gläubiger verzichten auf 90 Prozent ihrer Forderungen und haben über Besserungsscheine eine Option auf weiteres Geld, wenn Märklin später an einen privaten Investor verkauft werden sollte.

Seit das Traditionsunternehmen im März 2009 unter der Regie des Finanzinvestors Kingsbridge pleite gegangen war, ist der "Unternehmer mit Herzblut" zwar nicht gefunden worden, wie Pluta einräumt. Der jetzige Plan bringe aber mehr als ein Verkauf an Schnäppchenjäger, die nur 35 Mio. EUR. statt der geforderten 60 Mio. EUR angeboten hätten. "Allein das Fertigwarenlager ist 35 Mio. EUR wert", sagt dazu Kurt Seitzinger.

Geld für die Ausschüttung ist genug vorhanden. 40 Mio. EUR hat Märklin laut Pluta auf dem Konto - Geld, das die Firma in der Insolvenz verdient hat. Tatsächlich lag der Gewinn vor Steuern und Zinsen 2009 bei 12 Mio. EUR, dieses Jahr rechnet Pluta mit 9 Mio.EUR. Der Abbau des Fertigwarenlagers und eine Rückführung von Außenständen bescherten Märklin weitere 20 Mio. EUR.


Kommentare (1)

22.12.2010 13:05 Uhr |   Armin

Lastesel Märklin?

Die Option einer Zerschlagung der Gebr. Märklin & Cie. GmbH gibt es ausschließlich dann, wenn sich die Gesellschaft kapitalistisch formieren würde. Ohne diesen Nachweis kommt das ohnehin insolvente Unternehmen seinen dadurch vermeintlichen Gläubigern also überaus weit entgegen. Dass der Betrieb künftig eine solche Last schultern kann, steht zwar außer Frage. Indes legt der Insolenzverwalter und zugleiche Rechtsanwalt Pluta kaum Rechtskunde an den Tag, ohne jegliche Not den dortigen Arbeitnehmern diese Bürde aufzuerlegen.

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Autor: JOA SCHMID | 22.12.2010

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