Erfolgreich: Michael Pluta
Märklin-Insolvenzverwalter wirbt für Sanierungsplan
Göppingen. Als Lokomotive des Modellbahnbauers Märklin ist Insolvenzverwalter Michael Pluta derzeit kaum zu bremsen. Bei Gläubigern, Fans und Investoren wirbt der Ulmer Anwalt um einen Akt der Solidarität.
Die Stimmung war ernst, aber nicht hoffnungslos. Die Hauptgläubiger von Märklin hatten sich am Freitag um 10 Uhr in den Büroräumen von Michael Pluta in der Albstraße in Stuttgart-Degerloch zusammen gefunden, um über das Schicksal des Göppinger Traditions-Unternehmens zu sprechen. Vertreter der Landesbank Baden-Württemberg und der Göppinger Kreissparkasse waren gekommen und auch die der IG Metall, des Pensionssicherungsvereins und eines Kreditversicherers. Sie stellen mehr als die Hälfte aller Forderungen.
„Mit Volldampf in die Zukunft“, wie es der Märklin-Sonderwagen zur Krise signalisiert, ging es wohl nicht, eher um das Licht am Ende des Tunnels. Der 58-jährige Pluta, selbst ein Fan der Marke, stellte sein Sanierungskonzept vor. Das hatte die Belegschaft des Modellbahnherstellers bereits schmerzhaft zu spüren bekommen. Für 127 Mitarbeiter in Göppingen, 180 im ungarischen Györ und rund 60 in Nürnberg, wo das Werk geschlossen wird, ist der Zug abgefahren. Und auch für die verbliebenen 524 Beschäftigten am Göppinger Stammsitz ist die Liste der Grausamkeiten lang: Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden auf die Hälfte gekürzt, die vereinbarte Tariferhöhung von 2,1 Prozent inklusive einer Einmalzahlung wird ausgesetzt, zudem gilt künftig statt der 35- die 37-Stunden-Woche. Die Personalkosten sollen um 10 Mio. Euro sinken. Unrentable Märklin-Produkte fallen weg.
Pluta will den Verlust von 21 Mio. Euro im Jahr 2008 noch im laufenden Jahr auf annähernd 0 Euro reduzieren – bei einem Umsatz von 121 Mio. Euro. Für nächstes Jahr hat Pluta einen Gewinn von 2,5 Mio. Euro anvisiert.
Das sind Zahlen, die die Gläubiger gerne vernommen haben, sehen sie darin doch die Chance, wieder an einen Teil ihres verlorenen Geldes zu kommen. Und das ist eine Menge: Nach Angaben von Joachim Geßler vom Büro Pluta gab es vergangenes Jahr „fast so viele Bankverbindlichkeiten wie Umsatz.“ Der lag 2008 bei 121 Mio. Euro. „Das Sanierungskonzept wurde wohlwollend von den Ausschussmitgliedern zur Kenntnis genommen“, erklärte Pluta gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Eile sei nicht geboten. „Der Gläubigerausschuss teilt die Meinung, dass wir den Investorenprozess nicht unnötig beschleunigen müssen, weil wir im Plan sind und der Markt nach wie vor positiv auf Märklin reagiert.“
Im Auftrag der Gläubiger muss Pluta auf vielen Hochzeiten tanzen. Die Suche nach Investoren, die 100 Mio. Euro zusätzlich zum Kaufpreis aufbringen können, ist schwierig. Von Finanzinvestoren wolle er die Finger lassen, versicherte Pluta gestern den Gläubigern. Das Engagement von Kingsbridge Capital und Goldman Sachs scheint Pluta noch in unguter Erinnerung. Sie hatten Märklin 2006 von den zerstrittenen Familiengesellschaftern übernommen. Drei Jahre später war Märklin pleite. Um so hartnäckiger wird jetzt ein Investor mit Herzblut gesucht.
Inzwischen erwägt Pluta sogar, das Unternehmen in eine Publikumsgesellschaft mit vielen kleinen Teilhabern zu verwandeln und die geschätzten 70 000 Märklin Fans ins Boot zu nehmen. „Das ist nur eine von vielen Varianten, die wir betrachten“, sagt Pluta, der eine Kombination von einer Publikumsgesellschaft mit einem Investor nicht ausschließt. Der Aufwand hält sich in Grenzen: „Der Vorschlag, der an uns heran getragen wurde, beinhaltet nicht nur die Idee, sondern auch das Management des gesamten Verwaltungsaufwandes.“ An Interessenten mangelt es Pluta offenbar nicht: „Wir bekommen derzeit immer noch neue Investorenanfragen.“
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Autor: Joa Schmid | 03.04.2009
Dem Märklin-Sanierungskonzept fallen am Stammsitz in Göppingen 127 Arbeitsplätze zum Opfer. Foto: dpa
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