Märklin-Sanierungsplan

Fast 400 Mitarbeiter müssen gehen

Göppingen.  Stunde der Wahrheit für die 1417 Märklin-Mitarbeiter: Fast 400 Beschäftigte in Göppingen, Györ und Nürnberg sollen ihren Job verlieren, damit der Modellbahnbauer wieder in die Gewinnspur kommen kann.

Die Überraschung war deutlich zu hören, als der künftige Interimsgeschäftsführer Kurt Seitzinger am Dienstag bei der Betriebsversammlung im Saal der Göppinger Stadthalle auf die Kündigung von 397 Mitarbeitern bei Märklin zu sprechen kam. Die rund 350 anwesenden Beschäftigten quittierten die Hiobsbotschaft mit einem lauten Raunen, das viel verriet von der Anspannung, Angst und Unsicherheit der vergangenen Wochen. Anfang Februar hatte der führende Modelleisenbahnhersteller Insolvenz anmelden müssen. Die Zahl der Menschen, die ihren Job verlieren sollen, um Märklin wieder in die Gewinnspur zu führen, fällt höher aus, als die meisten befürchteten.

Allein am Stammsitz in Göppingen müssen 166 von 651 Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz räumen. Wie angekündigt, wird das Werk in Nürnberg geschlossen. Dort haben bisher 58 Mitarbeiter Modellbahnen der Marken Trix und LGB hergestellt. Sieben von ihnen können dauerhaft in Göppingen weiter beschäftigt werden, weiteren zehn wird am Stammsitz ein befristeter Arbeitsvertrag angeboten. Im ungarischen Györ soll die Belegschaft um 180 auf 520 Mitarbeiter schrumpfen. Vor allem Leiharbeiter oder befristet Beschäftigte verlieren dort ihren Job.

Insolvenzverwalter Pluta will den betroffenen Beschäftigten an den deutschen Standorten anbieten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Bei 80 Prozent ihres bisherigen Nettogehalts könnten sie sich dort mindestens ein halbes Jahre weiter qualifizieren. Zudem kündigte Pluta an, unrentable Produkte im Märklin-Angebot zu streichen. Alle drei Marken – Märklin, Trix und LGB – blieben allerdings erhalten.

Schon im laufenden Jahr will die Firma dank Stellenabbau und Produktionseinschränkung wieder schwarze Zahlen schreiben. Märklin hatte 2008 bei einem Umsatz von 121 Millionen Euro einen Verlust von 21 Millionen Euro eingefahren. Pluta gab sich bei der Betriebsversammlung zuversichtlich: „Unter der Voraussetzung, dass alle Maßnahmen aus dem Sanierungskonzept durchgesetzt werden und dass sich die Wirtschaftsbedingungen nicht noch weiter verschlechtern, planen wir 2010 einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro.“

Jetzt stehen Verhandlungen mit dem Betriebsrat an. Dessen Göppinger Vorsitzender Dieter Weißhaar und sein Vize Jan Kosak wollen das Beste für die von der Entlassung bedrohten Mitarbeiter herausholen, sagen sie. Die Zeit drängt: Am 1. April soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Auch Renate Gmoser von der Göppinger IG Metall stellt sich auf harte Verhandlungen ein, wenn es um die von Pluta geplante Wiedereinführung der 40-Stundenwoche und ein Aussetzen vereinbarter Tariferhöhungen geht. Trotzdem sieht Gmoser in dem Sanierungskonzept „einen Schritt in die richtige Richtung, so schmerzlich er ist“. Die Mitarbeiter hoffen auf einen potenten Investor.

Pluta ist optimistisch. Er will Märklin bis August verkaufen. Bisher hätten sich 110 Interessenten gemeldet. Lediglich sieben bis zwölf davon erfüllten die Mindestvoraussetzungen, sagte Pluta am Abend im Wirtschaftspresseclub in Stuttgart. Der Anwalt will mit allen weiter verhandeln, die nachweisen können, dass sie zusätzlich zum Kaufpreis 100 Millionen finanzieren können. „Ich möchte so verkaufen, dass in zwei drei Jahren nicht wieder ein Verwalter kommen muss.“


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