Tschernobyl als Schlüsselerlebnis

Neckarsulm.  Ralf Hofmann ist ein erfolgreicher Überzeugungstäter. Die atomare Katastrophe in Tschernobyl prägte ihn. Unternehmer wurde er, weil er an die Sonne als saubere und sichere Energiequelle glaubt.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl hat das Leben von Ralf Hofmann nachhaltig beeinflusst. Damals, vor 25 Jahren, war er im zweiten Semester der Elektrotechnik an der Fachhochschule Heilbronn. "Sofort nach dem Unfall in Russland waren für mich alle Kerntechnik-Vorlesungen gestorben", sagt er.

Mit einer solch lebensgefährlichen Technologie wollte er nichts zu tun haben. Ganz im Gegenteil, sein Ziel war es, für eine saubere und sichere Umwelt zu arbeiten. Mit Energie musste sein Job aber schon zu tun haben. Schließlich hatte er sich aus voller Überzeugung für den Schwerpunkt Leistungselektronik in seinem Ingenieurstudium entschieden. Dabei geht es um effiziente Steuerung und Wandlung elektrischer Energie.

Genau damit beschäftigt sich Hofmann seit Ende seines Studiums 1990. Zuerst arbeitete er als Entwicklungsingenieur bei der Kaco Unternehmensgruppe in Heilbronn. Kaco steht für Kupfer-Asbest-Companie. Dichtungen sind das Hauptprodukt der Firma. Ein anderer, deutlich kleinerer Bereich, war die Gerätetechnik. In dem entwickelte Hofmann anfangs Wechselrichter, später leitete er den Bereich. Wechselrichter werden an jeder Solaranlage gebraucht: Sie wandeln Gleich- in netzkonformen Wechselstrom um. Weitere vier Jahre leitete der Ingenieur das Profitcenter Gerätetechnik. Dann, 1996, übernahm der amerikanische Mischkonzern Danaher Kaco und wollte den Geschäftsbereich Gerätetechnik schließen.

"Die Manager aus Übersee glaubten nicht an regenerative Energien," erinnert sich Hofmann. Er dagegen schon. Er kaufte den Bereich für den symbolischen Betrag von einem Euro und gründete Kaco New Energy in Neckarsulm. So wurde er Unternehmer aus Überzeugung, weil er auf die Kraft der Sonne setzt. Und es hat sich gelohnt: Im ersten Geschäftsjahr, 1999, setzte die junge Firma mit zehn Mitarbeitern eine Million D-Mark um. Vergangenes Jahr erwirtschafteten 750 Mitarbeiter einen Umsatz von 460 Mio. EUR.

Und wieder ist es eine atomare Katastrophe, die Hofmanns Leben stark beeinflussen könnte: "Fukushima hat die Menschen in aller Welt zum Nachdenken gebracht." Und jeder, der vernünftig denkt, wird nach seiner Meinung fortan auf eine saubere Energieerzeugung pochen.

Die Politik müsse Einfluss auf die Energieerzeugung nehmen, ist der 49-Jährige überzeugt. Energie sei der Lebensnerv jeder Industrienation, und Aufgabe der Politiker sei es, für eine saubere und bezahlbare Stromversorgung zu sorgen. "Ja, unser Geschäft ist abhängig von der Politik, doch damit können wir ganz gut leben, zumal die Sonne ein Brennstoff ist, der nichts kostet und mit dem völlig umweltneutral Strom erzeugt werden kann." Diese Argumente könne kein Politiker in keinem Land dieser Welt über kurz oder lang ignorieren, sagt Hofmann, der bei seinem Kampf für Sonnenenergie auch ungewöhnliche Wege beschreitet. So empfahl er beispielsweise vor der Landtagswahl seinen Mitarbeitern in einem Brief, die Grünen zu wählen.

Auf Nachhaltigkeit legt er auch bei der Konstruktion der Produkte Wert. Hofmann geht von einer Lebensdauer der mit Elektrik und Elektronik vollgepackten Kästchen von 20 Jahren aus. Danach werden sie nicht weggeworfen, sondern Verschleißteile ersetzt: "Wenn wir mit einem klimaschonenden Gerät die Umwelt belasten würden, wäre das Unsinn." Diese Konsequenz gilt auch für den Produktionsprozess: Kaco New Energy hat eine saubere Klimabilanz. Im Herbst 2010 attestierte das Steinbeis-Transferzentrum in Stuttgart dem Unternehmen für seine drei ersten Werke eine CO2-freie Produktion.

Hofmanns eigene Energie kennt keine Grenzen. Vor etwa einem Jahr ist Kaco New Energy selbst in die Elektromobilität eingestiegen und entwickelt einen Antriebsstrang für Elektroautos. Dieses Engagement bezeichnet er als eine "Investition in die nahe Zukunft". Bis dahin bleiben Wechselrichter und deren Zubehör das Hauptgeschäft - und das boomt gewaltig.

Von seinem Erfolg gibt Hofmann auch etwas ab. Sein Unternehmen hat früher mehrere soziale Projekte gefördert, nun konzentriert es sich vorrangig auf die Heilbronner Kinderklinikstiftung "Große Hilfe für kleine Helden", die chronisch oder unheilbar kranke Kinder und ihre Familien unterstützt - im vergangenen Jahr mit 200 000 EUR. "Eigentum verpflichtet", begründet Hofmann dieses Engagement.

Auch gegenüber seinen Beschäftigten sieht er sich in der Pflicht: "Wer nachhaltig Erfolg haben will, braucht Mitarbeiter, die gemeinsam ein Ziel verfolgen", sagt Hofmann. Mensch, Gesellschaft und Umfeld stehen für ihn im Zentrum aller unternehmerischen Entscheidungen. Sich selbst bezeichnet Hofmann als Überzeugungstäter. Seine Konsequenz geht soweit, dass schon seine achtjährige Tochter weiß, wie ein Wechselrichter funktioniert - als Lehre aus Tschernobyl und Fukushima.


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