Nachfolge ohne Haken

Leinfelden-Echterdingen.  Die Nachfolge gehört in Familienunternehmen meist zu den spannenden Phasen der Firmengeschichte. Manchmal verläuft sie aber auch völlig unkompliziert, wie das Beispiel der Verlagsgruppe Weinbrenner zeigt.

Wahre Dramen spielen sich mitunter ab, wenn in deutschen Familienunternehmen die nächste Generation Verantwortung übernehmen soll. Bei der Verlagsgruppe Weinbrenner in Leinfelden-Echterdingen läuft das anders. "Die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Wir ergänzen uns gut", sagt Karl-Heinz Weinbrenner, der gemeinsam mit seiner Tochter Claudia Weinbrenner-Seibt das Unternehmen leitet.

Den Grundstein zu der Verlagsgruppe legte sein Vater Karl 1917 durch die Übernahme des Informationsblattes für den Holzhandel. Das Unternehmen ist Marktführer bei Zeitschriften für die Themen Forst und Holz ist, bietet Fachliteratur und Magazine unter anderem für Innenarchitektur, Design sowie Bürowirtschaft und hat eine Dienstleistungstochter, die unter anderem Workshops und Fach-Reisen organisiert.

"Sehr stolz" war Weinbrenner als seine Tochter 1998 ins Unternehmen eintrat, nachdem sie zuvor Erfahrungen bei einem anderen Verlag gesammelt hatte. Seit 2003 ist die Diplomkauffrau geschäftsführende Gesellschafterin. Ihr Vater habe ihr den Eintritt leicht gemacht. "Bringe Impulse herein und kümmere Dich um die Bereiche, die Dir Freude machen, lautete seine Botschaft an mich", erzählt sie.

Für Karl-Heinz Weinbrenner war das selbstverständlich. Er hat nach seinen Worten häufig Nachfolgen gesehen, die nicht funktioniert haben. "Viele Unternehmer sind Patriarchen. Dabei ist Teamarbeit das A und O", erklärt er. Von Anfang an stellte er seine Tochter in der Branche vor und nahm sie zu Messen mit. "Mir war wichtig, dass sie die Kundenstruktur kennt und persönliche Kontakt knüpft. Diese Herausforderung meistert man nur, wenn man sein Wissen weitergibt."

Als er seiner 28-jährigen Tochter die Festrede zum 125jährigen Firmenjubiläum vor der versammelten deutsche Holz- und Forstbranche überließ, vertraute er ihr und warf sie zugleich ins eiskalte Wasser. "Besser konnte sie in die Branche nicht eingeführt werden", erklärt Weinbrenner. Seiner Tochter verschaffte er damit gehöriges Herzklopfen. "Doch ich habe Jahre später immer noch sehr positive Reaktionen auf die Rede bekommen", erzählt sie.

Schon nach der Schule war ihr klar, dass sie in die Fußstapfen des Vaters treten will. Daher bereitete sie sich gezielt auf den Einstieg ins Unternehmen vor. Als Chef und Chefin harmonierten sie gut. Das liegt nach ihrer Einschätzung daran, dass beide auf einer Wellenlänge liegen. "Eisernen Willen, Selbstdisziplin, Kampfgeist, Engagement und mit dem Herzen bei der Sache zu sein, diese Wesenszüge habe ich wohl von meinem Vater geerbt", sagt sie und schmunzelt.

Die beiden haben getrennte Aufgabengebiete. Der Grundsatz der Zusammenarbeit lautet: "Jeder informiert den anderen. Keiner trifft eine Entscheidung alleine." Das war auch beim tiefsten Einschnitt in der Firmengeschichte der Fall: dem Verkauf der Druckerei im Jahr 2005. Im wirtschaftlichen Abschwung waren große Aufträge verloren gegangen. Angesichts des harten Wettbewerbs schrieb die Druckerei Verluste und drohte das gesamte Unternehmen zu gefährden, als Claudia Weinbrenner-Seibt, die fürs Kaufmännische zuständig ist, den Anstoß zu der Diskussion gab. Der Entschluss, die Druckerei zu verkaufen, sei für Firma und die Beschäftigten das Beste gewesen, sagt Weinbrenner. "In den Verhandlungen haben wir großen Wert darauf gelegt, dass wir eine gute Lösung für die betroffenen Mitarbeiter finden." "Das gilt umso mehr, weil uns unsere Mitarbeiter wichtig sind", erklärt Claudia Weinbrenner-Seibt. "Wir legen großen Wert auf Kommunikation und Transparenz, setzen auf Teamarbeit und bauen auf loyale und zufriedene Mitarbeiter."

Arbeitsplätze gingen dabei nicht verloren, sagt Weinbrenner, für den es dennoch "die schwerste Entscheidung als Unternehmer" war. Schon als 14-Jähriger, kurz nach dem Tod seines Vaters, faszinierte ihn die Technik des Druckens und des Bleisatzes. Damals keimte der Entschluss, später in die Firma einzutreten. In seiner Jugend hätte er sich jedoch auch vorstellen können, Sänger zu werden. Das Talent dazu und die Liebe zu Opern, teilte er mit seinem Vater. Heute singt er ab und zu im Auto - "oder wenn es ihm gut geht", merkt seine Tochter an.

Sein ganzes Leben schon setzt sich Weinbrenner Ziele. Dabei ging und geht es stets darum, das Unternehmen weiter zu entwickeln. Eine Krankheit im vergangenen Jahr veränderte seinen Blickwinkel. "Das oberste Ziel ist nun, alles dafür zu tun, gesund zu bleiben und trotzdem der Firmengruppe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen."

Eine Veranlassung, sich zurückzuziehen, sieht er nicht, solange ihm die Arbeit noch so viel Spaß macht: "Ich liebe den Job, etwas Neues zu machen, aktiv zu sein." Seine Tochter hat nichts dagegen: "Ich bin froh, wenn ich auf seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann."


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