Mit Charme, Pädagogik und Regeln
Münsingen.
Die Jungen brauchen Gruppen, „müssen schwitzen“. Die Mädchen wollen „eher reden, mögen spontane Aktionen“. Beides geht im Münsinger Jugendhaus, das am Samstag zum Tag der offenen Tür einlädt.
Die Einladungen haben sie selbst gestaltet, und auch das Austragen übernehmen die Jugendhaus-Jugendlichen selbst. Eigeninitiative ist gefragt im Münsinger Jugendhaus. Das gilt auch für das Instandhalten und Renovieren der Räume. Und da packen die Mädchen und Jungen durchaus gerne und mit Geschick an, erzählt Agnes Zurek, die seit knapp zwei Jahren das Jugendhaus leitet. Und wenn’s mal nicht so klappt, dann sind die Mädchen und Jungen eben um eine Erfahrung reicher. Jedenfalls haben sie im letzten halben Jahr viel Farbe in die Räume gebracht, am Anfang des Jahres geholfen, die alten Fenster gegen neue auszutauschen.
Wer selbst arbeitet, möchte nicht, dass das Ergebnis beschädigt wird. Die Zeit der Zerstörungen ist vorbei, so Sven Graul vom Jugendmigrationsdienst der BruderhausDiakonie, der für den Betrieb im Jugendhaus verantwortlich ist. Überhaupt habe sich in den letzten zwei Jahren viel geändert. Mit Agens Zurek hat eine pädagogische Fachkraft das Heft in die Hand genommen, die auch mal mit charmantem Augenaufschlag die Jungen zum Arbeiten bringt. Statt Verboten gibt es Regeln – nicht rauchen, nicht trinken gehört dazu. Klar, dass die Jugendlichen, ist das Haus geschlossen, sich trotzdem im Badstuhl treffen, da auch gelegentlich trinken, so Graul. Doch ihm ist es lieber „sie tun es da“, als irgendwo in der Stadt“.
Zwischen 100 und 120 Jugendliche im Alter von zwölf bis 20 besuchen relativ regelmäßig das Jugendhaus. Das ist 20 Stunden in der Woche geöffnet, in Absprache mit den Jugendlichen am Wochenende geschlossen, so Agnes Zurek, „da haben sie sowieso meist etwas vor“. Unter der Woche treffen sich die Jugendlichen, überwiegend mit Migrationshintergrund, im offenen Betrieb, zum Spielen, Reden, am Computer etwas erledigen. Außerdem gibt es zurzeit zwei feste Gruppen. Die Breakdancer und die Kickboxer, beides reine Jungentreffs. Die Kickboxer werden vom kasachischen Vizemeister Alexej Jaschenko trainiert, nehmen erfolgreich an Wettkämpfen teil. Und auch die Breakdancer haben Auftritte, werden für Feste gebucht. Für Graul nicht erstaunlich, dass sich bei den sportlichen Aktivitäten nur Jungen finden. Er ist der Meinung „Jungen müssen schwitzen“.
Die Mädchen, so Agnes Zurek, wollen eher reden, sind für spontane Aktion zu haben wie Collagen anfertigen, gemeinsam Kochen oder wie jetzt Plätzchen backen. Die soll es dann am Tag der offenen Tür geben. Außerdem Getränke, Musik, Tischkickerturnier und natürlich Vorführungen der beiden Gruppen. Gewünscht wurde der Tag der offenen Tür übrigens vom Gemeinderat; die Stadt unterstützt das Jugendhaus im Jahr mit 39 Euro. Und ins Konzept dort hat es auch gut gepasst:. „Wir wollten sowieso zu Weihnachten was für die Eltern machen“, erläutert Graul. Jetzt kann sich jeder Interessierte ein Bild von der Arbeit im Badstuhl machen.
Info Das Jugendhaus ist am Samstag, 4. Dezember, von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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30.11.2010
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