"Kompetenz im Schrott"

Essingen.  Der Schrottplatz ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Oliver Scholz leitet ein milliardenschweres Unternehmen auf der Ostalb - und geht völlig locker mit allem um, was heute Schrott ist.

Wenn amerikanische Krimis auf einem Schrottplatz spielen, ist die Leiche meist nicht weit. "So ist nun mal das Klischee", sagt Oliver Scholz. Den Chef der Scholz AG stört das aber nicht. "In Filmen sind Schrotthändler meist Haudegen. Damit muss man leben." Das Unternehmen aus Essingen auf der Ostalb bekennt sich mit dem Leitspruch "Kompetenz im Schrott" sogar zu dem oft abwertend gemeinten Begriff - und das als eines der weltgrößten Metallrecycler der Welt. Schließlich sei die gesellschaftliche Anerkennung von Wiederverwertung gestiegen. Schott blickt von seinem Schreibtisch aus durch große Glasfenster auf alle Arten getrennten Altmaterials im Hof.

Andere Unternehmen beschreiben ihre Arbeit lieber mit Urban Mining - und meinen die Rohstoffgewinnung in städtischen Räumen, die immer wichtiger wird. Schrott ist bei der Stahlherstellung wichtig. Etwa jede zweite Tonne Stahl wird mittlerweile daraus geschmolzen. Rohstoffe belasten Unternehmenskassen. Deshalb - und durch Zukäufe anderer Unternehmen - hat sich der Umsatz der Aktiengesellschaft in wenigen Jahren verfünffacht und die Scholz Gruppe auf Platz 5 der Unternehmen mit den höchsten Zuwächsen in Deutschland gebraucht.

Doch Scholz ist auch auf die CO2-Vermeidung stolz. 12,2 Mio. Tonnen sollen durch die Wiederverwertung pro Jahr eingespart werden. Der Energieaufwand zur Neuherstellung sei zwei Drittel kleiner. Umweltschutz ist eben auch Heimatschutz. "Ich komme überall in der ganzen Welt herum", sagt der 41-Jährige, "aber ich freue mich immer wieder, zurückzukommen."

Hier in Deutschland gebe es vier Jahreszeiten - anders, als in den USA: "Ich verstehe Amerikaner nicht, die nach Phoenix ziehen, wo es eigentlich nur eine Jahreszeit gibt." An Aalen störe ihn der eine oder andere Regenmonat, die weite Entfernung zum Meer und Skigebieten und der lange Weg zum Flughafen. Dafür sei die Stadt sicher und schön. "Ich bin bodenständig und schätze hier auch die bodenständigen Mitarbeiter."

Offensichtlich auch ihren Humor: Während Scholz von sich und seinem Unternehmen erzählt, lachen und scherzen im Vorzimmer des Vorstandschefs lautstark zwei Frauen. Scholz selbst wirkt seriös, ruhig, freundlich. Gestik und Mimik setzt er sparsam ein - von Haudegen keine Spur.

Boden- und mittelständig sei auch seine Branche. Das bringe Vorteile für ein inhabergeführtes Unternehmen, erklärt der BWL-Absolvent der Berufsakademie Heidenheim. "Wir können schnell Entscheidungen treffen und sind flexibel, nichts muss langwierig durch Komitees." Nachteile seien manchmal Maßnahmen, die aus dem Bauch heraus getroffen werden. "Die Entscheidungsfindung ändert sich gerade, ich mache manches anders als mein Vater und Großvater", sagt Scholz, der das Unternehmen in der fünften Generation leitet.

In Sachsen verdiente sich der heute 41-Jährige erste Sporen bei der Restrukturierung aufgekaufter Unternehmen, die er wieder fit macht. "Das hat mir gut getan. Ich bekam immer mehr Verantwortung, das war ideal für mich. Heute denke ich, das war mein Baby."

"Die Familie ist aber mein erster Lernfaktor, sie hat mich geprägt." Von seinem Vater und Großvater habe er viel gelernt. Als das Unternehmen 1949 von Schlesien nach Aalen umzog und wieder aufgebaut werden musste, sei viel Kraft nötig gewesen, aber man habe sich aufgerappelt, das imponiert ihm heute. "Natürlich erfüllen mein 72-jähriger Vater und ich auch das Vater-Sohn-Klischee." Oliver Scholz Hobby ist sein Beruf - "und die Familie". Der "100 Prozent aktive" Vater sei pedantisch in vielen Dingen und versuche unangenehme Sachen ihm zu überlassen: "Oliver, mach das mal."

Bei den Mitarbeitergesprächen versuche er dann direkt zu sein, Verständnis zu zeigen und fair zu bleiben.10 bis 15 Wochenenden im Jahr ist er auf Geschäftsreise, aber die 25 Tage Urlaub seien ihm wichtig. "Auch mein Dad war oft weg." Aber ein Schlaraffenland gebe es eben nicht, "die Konkurrenten halten einen fit."

Um die Verbindung zu den Mitarbeitern nicht zu verlieren, besucht Scholz immer wieder Abteilungen seines Unternehmens. Schon als Kind habe er sich viel auf dem Schrottplatz herumgetrieben. "Ich kann alle Fahrzeuge bedienen, wenn auch die Baggerfahrer lachen, weil ich es nicht so schnell kann." Möglicherweise wird es auch Oliver Scholz Kinder einmal so gehen. Die zwei Söhne tollen bereits gerne auf dem Schrottplatz herum.


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