Immer auf der Suche
Geislingen. Thomas Preuhs begann in einer Scheune. Der Tüftler ist vor allem mit Sonnenkollektoren und Software erfolgreich. Aber auch Roller für Groß und Klein baut der Schwabe, der sich selbst als Geburtshelfer sieht.
Sich in Rollkragenpulli und Birkenstock-Sandalen vor dem Kernkraftwerk Brokdorf anketten, das ist nicht sein Ding. Thomas Preuhs trägt lieber Jackett, gründet Unternehmen und leitet seine Holding. Sein Geld verdient er vor allem mit Sonnenkollektoren und dazu passender Software. Der Geschäftsführer der "TOP Thomas Preuhs GmbH" will idealistisch sein - und gleichzeitig die Regeln der Wirtschaft beachten. "Das ist wichtig, sonst bleibt man mit seiner Erfindung in seiner Garage sitzen", sagt der 47-Jährige.
Der Maschinenbautechniker begann zwar nicht in einer Garage, wie viele bekannte Unternehmer vor ihm in den USA, aber dafür in einer Scheune in Geislingen-Binsdorf im Zollernalbkreis. Dort bastelte er an seinen Erfindungen herum. Aus einer Scheune wurden viele Scheunen und schließlich die erste Halle. Aus der Halle zog Preuhs in eine leere Knopffabrik. Heute ist der attraktive Mann mit seinen blauen Augen wieder in Binsdorf. Diesmal aber auf der Wiese in einem repräsentativen, großzügigen Neubau, der so konzipiert ist, dass er keine Energie von außen braucht. Alles wird selbst erzeugt.
Das "100 000-Dächer-Programm" der Bundesregierung, mit dem Solar-Anlagen bezuschusst wurden, hatte die Schwaben vor allem wegen der Fördergelder "voll gepackt", erinnert er sich. "Viele waren früher weit weg vom Thema Photovoltaik und Nachhaltigkeit. Jetzt, nachdem sie eine Solaranlage auf dem Dach haben, denken sie anders." Bei Preuhs selbst war es ähnlich. "Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich die gleich Entwicklung gemacht."
Kapital ist also wichtig. Doch bei der Frage von Wichtigkeit von Geld für sein Leben bildet sich über Preuhs Nase eine kleine steile Falte. Entsteht sie aus Ärger oder irritiert ihn die Frage nach Geld ganz allgemein? "Als ich meine erste Firma gegründet habe, wurde jeder Cent umgedreht." Und noch heute lächeln die Mitarbeiter, wenn er durch das Gebäude läuft und das Licht in leeren Räumen ausmacht. Geld ist zunächst zur Reinvestion da. Preuhs: "Ich möchte bescheiden leben, eine Yacht hab ich nicht."
Doch unwichtig ist Geld auch nicht. Denn da gibt es seine Ideen, die zu finanzieren und Akzente, die zu setzen sind. Etwa den Mikro-Ski. "Das Ding zwischen Ski und Snowboard will wahrscheinlich niemand", sieht Preuhs selbst ein. Anders als seine Scooter: Tretroller für Klein und Groß. Und dann natürlich die Photovoltaik-Anlagen, von denen im vergangenen Jahr die 1000. installiert wurde.
Aber auch Systeme zur Überwachung von Kollektoren werden verkauft. Ein Parabolrinnenkollektor, der auch auf kleineren Flächen wirtschaftlich arbeiten soll, wird seit Jahren entwickelt. Viel Geld steckt drin, in diesem Jahr soll er die Marktreife erreichen.
Von der ABS-Bremse für Inline-Skates hört man dagegen nichts mehr. "Ich bin von unsteter Natur", sagt Preuhs über sich selbst. "Wenn es Routine gibt, wirds mir langweilig, dann muss ich mir was Neues suchen." Die Holding soll vor allem Synergien schaffen und übernimmt Einkauf, Logistik und Buchhaltung. Damit hat der Schwabe den Rücken frei für seine Ideen. Etwa für den Hartschalenkoffer, der einen ausklappbaren Roller hat, mit dem Reisende über die Flughafenflure flitzen können.
Bei einem Rundgang durch sein Unternehmen redet er leise, um seine Mitarbeiter nicht zu stören. "Ich habe noch nie gebrüllt. Und wenn bei mir einer schreit, dann gehe ich zu ihm hin und sage, dass er erst dann wieder laut werden darf, wenn es sein Chef einmal geworden ist." Seine Frau, die mit ihrem eigenen Unternehmen unterm Firmendach mitarbeitet, halte ihn für keinen besonders guten Chef, weil er zu gutmütig sei.
Doch Preuhs ist kein Leisetreter. Eher ein Geburtshelfer, der weiß, wann er zupacken muss. Er ist in vielen Vereinen Mitglied und war einmal Vorstand im Musikverein, in dem er bis heute Posaune spielt. Leute zu motivieren, ja, zu begeistern, und zu leiten, falle ihm leicht. In dem Unternehmen arbeiten viele Freunde, für die er tagsüber ein Chef und abends ein Kumpel sein will. "Ich kann von allem etwas", sagt er dann doch selbstbewusst. Sein Unternehmens-Credo braucht auch Risikobereitschaft und Mut: "Ich schaffe zunächst Ressourcen, der Erfolg kommt von selbst. Man kann es negativ allerdings auch Spieler nennen." So werden erst zehn Maschinen gebaut und dann erst verkauft. Erst wird erfunden, dann geschaut, ob es funktioniert. Wenn nicht, wird es verworfen. Ressourcen seien schließlich genug da. Wie in der Natur die Sonne. Preuhs: "Auch wenn sich das hochtrabend anhört, aber ich will den Planeten besser machen."
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Autor: THOMAS VEITINGER | 05.03.2011
Thomas Preuhs an seinem Lieblingsplatz: bei den Sonnenkollektoren. Ressourcen seien genug da, man müsse nur das Richtige daraus machen. Foto: Matthias Kessler
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