"Hemdsärmlig passt zu uns"

Assamstadt.  Akkus und Ladegeräte sind das Geschäft der Ansmann AG. Der Chef, Edgar Ansmann, hat schon bei der Gründung das Potenzial dieses Markts gesehen. Dennoch war die Selbstständigkeit ein gewagter Schritt.

Unternehmer sagen gerne, dass "der Mitarbeiter das zentrale Thema ist" oder dass "Partnerschaft nicht beim Geldbeutel aufhört". Wie viel tatsächlich hinter solchen Aussagen steckt, steht oft auf einem anderen Blatt. Nicht so bei Edgar Ansmann, dessen Geschäft mobile Energie ist: Der bodenständige Unternehmer aus Assamstadt lebt das, wovon er spricht.

"Es gibt keinen Grund, zu lügen", sagt er, wenn er die Erfolgsfaktoren der Ansmann AG erklärt. Die sind auf einer Tafel in der Cafeteria festgehalten. Von Gewinn ist da die Rede. Das sei nichts schäbiges oder verwerfliches, sagt Ansmann, sondern die Grundlage eines Unternehmens. Gewinn ist für ihn auch nichts, das der 63-Jährige für sich allein in Anspruch nimmt: Seine Mitarbeiter haben die Möglichkeit in Form von Aktien am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben.

Auf der Erfolgsfaktoren-Tafel geht es unter anderem um Arbeitsplätze. Die hat Ansmann auch im Krisenjahr 2009, als der Umsatz um 12,4 Prozent einbrach, erhalten. Doch er erwartet von seinen 210 Mitarbeitern entsprechenden Einsatz. Etwa, "dass die Leute nicht um Punkt 16 Uhr den Löffel fallen lassen und nach Hause gehen." An oberster Stelle auf der Tafel stehen Ehrlichkeit und Offenheit. "Meine Bürotür ist immer offen", sagt der praktizierende Katholik und wird sehr ernst. "Wenn jemand lügt, gibt es richtig Ärger." Denn: "Ein Problem wird damit nicht gelöst, sondern nur größer."

Ist das Prinzip der Offenheit auch der Grund dafür, dass Ansmann mit auffällig vielen seiner Mitarbeiter per Du ist? Nein, der Grund dafür ist in der Verbundenheit zum 2100-Seelen-Ort Assamstadt zu suchen. Hier, in der Nähe von Bad Mergentheim, wurde Edgar Ansmann als jüngstes von drei Kindern in eine Landwirtschaftsfamilie hineingeboren. In Assamstadt besuchte er die Volksschule.

Nach einer Lehre zum Büromaschinenmechaniker holte er die Fachhochschulreife nach und ging auf die Ingenieurschule. Nach zwei Jahren bei einer Firma in Stuttgart war es genug: "Ich wollte zurück in mein geliebtes Assamstadt." 40 Prozent seiner Mitarbeiter kommen aus dem Dorf, schätzt er, und sagt: "Es wäre unnatürlich, wenn der Nachbarsjunge auf einmal Sie sagen würde."

Die Verbundenheit zu Assamstadt zeigt sich an vielen Stellen: Die Kneipp-Anlage, die Ansmann auf dem Firmengelände für seine Mitarbeiter gebaut hat, steht wie selbstverständlich auch den Assamstädtern zur Verfügung. Doch bei allem Engagement macht der Unternehmer keinen Hehl daraus, dass er stets auch das wirtschaftliche Interesse im Auge behält: Das Sponsoring des 1. FC Kaiserlautern hat er aufgegeben, obwohl der Verein wegen der "Hemdsärmligkeit" so gut zur Ansmann AG passe - "es hat sich nicht rentiert."

Bei der Geothermieanlage im Firmenhauptgebäude geht es ihm neben dem Umweltschutz um die Ersparnis. Bei Tischkicker, Billardtisch und Kneippanlage für die Mitarbeiter hat er deren Wohlergehen, aber auch ihre Motivation im Blick: "Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, bringen sich auch anders ein."

Ansmann war selbst einmal ein Mitarbeiter, der sich wohl gefühlt hat. Nachdem er in führenden Positionen im Kundendienst, im Marketing, in der Entwicklung und im Vertrieb bei verschiedenen Firmen tätig war, wurde er 1988 Geschäftsführer einer neuen Tochterfirma. "Ich habe darin eigentlich meine Lebensaufgabe gesehen", sagt Ansmann. Doch es kam anders: Die Mutterfirma kam in eine finanzielle Schieflage und musste die Tochter abstoßen - an die Konkurrenz. "Da ist für mich eine Welt zusammen gebrochen", erzählt Ansmann. Seine Konsequenz: Die Kündigung und der Entschluss, sich selbstständig zu machen. Die Entscheidung hat er keineswegs überstürzt getroffen - immerhin wollten auch weiterhin die vier Töchter versorgt sein: Ansmann führte viele Gespräche und zog sich für eine Woche zur Besinnung in ein Benediktiner-Kloster zurück. Dazu kam, dasss sein Arbeitgeber im Bereich mobiler Energie tätig war und Ansmann überzeugt war, dass dieser Markt nur wachsen kann.

Los ging es dann 1991 in der heimischen Garage, dann in den Garagen der Nachbarn. 1999 wurden das erste Büro und Lagerräume gebaut. "Ich war so stolz, dass ich gleich einen Tag der offenen Tür veranstaltete habe", erinnert sich Ansmann. Er dachte, die Gebäude würden bis an sein Lebensende reichen. Dem war nicht so: Mittlerweile erstreckt sich die Firma auf eine Fläche von 7500 Quadratmetern.

Und was ist für Ansmann nachhaltiges Unternehmertum? "Die Nachfolge gut vorzubereiten und damit Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen", sagt er aus aktuellem Anlass: Mitte 2011 plant Ansmann in den Ruhestand zu gehen und sich um die bis dahin voraussichtlich fünf Enkel zu kümmern.


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