Der Libero will ein Teamplayer sein

Schwäbisch Hall.  Hans Bühler wollte eigentlich noch mehr von der Welt sehen. Aber dann verdingte er sich früher als erwartet im Familienbetrieb. Der Chef der global agierenden Optima Group hat seither Spaß am Job.

Hans Bühler (55) ist "einfach hängen geblieben", als er 1980 in den Familienbetrieb eingestiegen ist. Damals, in einer Zeit des großen Aufbruchs und florierender Geschäfte in den USA, sei als Führungskraft "ein Libero" benötigt worden. Bis heute hat der geschäftsführende Gesellschafter der Schwäbisch Haller Optima Packaging Group GmbH die Entscheidung nicht bereut. "Das ist mein Traumjob", sagt Bühler krawattenlos und ganz entspannt in seinem Büro. Dass er eines fernen Tages dieses Chefzimmer verlassen könnte, kommt ihm nicht in den Sinn: "Ich habe keine Veranlassung aufzuhören." Einen Nachfolger aus der eigenen Familie - Bühler ist Vater von vier Kindern im Alter von 12 bis 23 Jahren - gebe es noch nicht.

Der Sondermaschinenspezialist ist 1922 hervorgegangen aus einer Spätzlesmanufaktur. Otto Bühler, der Großvater, hat sich verabschiedet von industriell produzierten Teigwaren, für die er offenbar keine positive Perspektive erkennen konnte. Der schlaue Schwabe sattelte um auf das Abfüllen von Pulver, sei es Kaffee oder Medikament. Was seinerzeit genau geschah, wird erst jetzt erforscht. "Das lässt mir keine Ruhe", sagt Hans Bühler, "ich will das wissen." Der erste Erfolg der Recherche gibt allerdings gleich neue Rätsel auf: Kürzlich wurde eine Patentanmeldung aus dem Jahr 1921 für eine Abfüllwaage entdeckt.

Der Gründer, ein Kaufmann aus Owen, gab sich bei der Namensgebung nicht gerade bescheiden. Optima heißt das Beste, "er hat halt das große Latinum gehabt", meint der Enkel dazu. Dem Maßstab des Großvaters ist er gleichwohl mehr denn je verpflichtet. Sein Konzern tummelt sich in vier Bereichen und hat es dabei nicht nur mit einer Vielzahl an Wettbewerbern weltweit zu tun. Auch in der Region Heilbronn-Franken sind so viele Hersteller ansässig, dass sich 37 Unternehmen 2007 zum Verein "Packaging valley" zusammengeschlossen haben, mit Bühler als Vize-Vorsitzendem. Das Netzwerk, das im Raum Schwäbisch Hall/Crailsheim rund 7000 Mitarbeiter beschäftigt, will gemeinsam auf die "weltweit einzigartige Konzentration und Kompetenz" aufmerksam machen.

"Im Preis sind wir relativ weit oben, deshalb müssen wir viel Leistung bieten", erklärt Bühler. Ein entscheidendes Kriterium für einen Auftrag sei die Genauigkeit der Anlagen: Gebe es beim Abfüllen wenig Ausschuss, spare der Kunde.

Bis zu 50 Füllmaschinen entstehen in der Haller Werkshalle gleichzeitig. Gerade wartet eines der typischen Produkte auf den Abtransport - mit dem Edelstahlkonstrukt lassen sich 1000 Kaffeekapseln pro Minute füllen. Von der Bestellung bis zur Fertigstellung vergingen etwa neun Monate. Kosten: etwa 1 Mio. EUR."Dafür kriegt man ein paar schöne Einfamilienhäusle", sagt Hans Bühler lächelnd, "Einzelfertigung ist halt teuer."

In Deutschland kann sich der Unternehmer keinen Haushalt denken, in dem es kein Produkt gibt, das mit seiner Maschine nicht in Berührung gekommen ist - Tee, Toilettenpapier, Waffelteig, Waschmittel, Wattepads, Windeln, Olivenöl, Ketchup, Lippenstifte, Fleischbrühe, Müsli, Nasenspray. Optima bedient die Sparten Lebensmittel, Chemie, Kosmetik und Filtration. Für die Pharmabranche werden Anlagen zur sterilen Abfüllung ebenso entwickelt wie Gefriertrocknungssysteme.

Zumeist handelt es sich um Apparaturen, die nach den Vorstellungen der Abnehmer konstruiert worden sind. Sie können dosieren, wiegen, aufblasen, einfüllen, verschließen. An einem Auftrag arbeiten bis zu 60 Mitarbeiter, vom Konstrukteur bis zum Monteur. 25 Prozent der Teile werden zumeist in kleiner Stückzahl im eigenen Haus hergestellt, der Rest, Stecker, Schalter, Kugellager, Getriebe, wird zugekauft. Für ein neues Spektrum hat Optima den Markt selbst analysiert und festgestellt, dass für die Diagnostik noch größere, leistungsfähigere Einrichtungen für Labors fehlen. Die Prototypen sind bereits verkauft. "Wir scheinen ins Schwarze getroffen zu haben", stellt Bühler erfreut fest.

Kein Kundenwunsch darf unerfüllt bleiben, lautet eine Optima-Devise. Wenn doch eine Absage erteilt werden muss, liegt es kaum an einem ungelösten Technikproblem. Hinderlich seien dann eher die zu knappe Lieferzeit oder der nicht akzeptierte Preis, erklärt der Unternehmer.

Als Chef verschanzt er sich nicht pfeiferauchend in seinem Separée. Hans Bühler pocht auf Erfolg. Stillstand ist für ihn Rückschritt. Er sei jedoch nicht der große Bestimmer, "ich muss Teamplayer sein", sagt der Vizepräsident der IHK Heilbronn-Franken. Er halte sich an eine goldene Regel seiner Großmutter: "Viele Leute wissen viel." Ein Einzelner dagegen treffe zu viele Fehlentscheidungen, "weil er seine Augen und Ohren nicht überall haben kann." Ohne die Erfahrung der gesamten Belegschaft hätte sich Optima nicht so schnell und gut entwickeln können, glaubt der Kaufmann, der sich etwas Basiswissen als Techniker angeeignet hat und deshalb "ein paar Löcher bohren" könne, "aber nichts Kompliziertes".

Zuhause ist Hans Bühler ein ambitionierter Mechaniker, wenn er an einem seiner über 20 Motorräder herumschraubt. Eine mehrtägige Spritztour in die Alpen mit seiner BMW bleibe jedoch eine Illusion, "dafür reicht die Zeit nicht". Bei Singstunden und Auftritten mit "Peters Popchor" fehlt Bühler mit seinem Bass dagegen ungern.


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