"Dein erstes Projekt vergisst du nie"

Die Blockade gegen die Windkraft im Land hat Frank Hummels Unternehmergeist nicht bremsen können. Der Sowitec-Gründer aus Sonnenbühl verlegte sein Engagement erfolgreich nach Südamerika.

Sonnenbühl. Beim Blick durchs Fenster seines Büros sieht Frank Hummel die Götter. Helios und Eos heißen sie und jeder hat drei Flügel, die sich meist flink drehen. Es sind 45 Meter hohe Windtürme, die Namen aus der griechischen Mythologie tragen. Aiolos versteckt sich hinter einem Waldstück.

Zu diesen drei Windmühlen hat Hummel ein durchaus emotionales Verhältnis. "Dein erstes Projekt wirst du nie vergessen", sagt der 49-Jährige, ein braun gebrannter, schlanker Mann in Jeans und kurzärmeligem Hemd. Es war im Jahr 1995, als er den damals größten Windpark Baden-Württembergs auf die Beine stellte. Gegen heftigen Widerstand.

Die Rotoren auf dem Himmelberg sind Kinderspielzeug gegenüber dem, was Hummel heute plant. Seine Firma Sowitec in Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) gehört zu den zehn größten Projektentwicklern in der deutschen Windkraftbranche, in Lateinamerika ist sie die Nummer 1. Die Belegschaft der Firma ist seit 2005 von 15 auf 150 Mitarbeiter gewachsen.

Das war die Folge einer strategischen Entscheidung. Vor sechs Jahren entschloss sich Hummel, seine Hauptaktivität ins Ausland zu verlegen. Weil in Süddeutschland wenig lief in Sachen Windkraft, in Baden-Württemberg "extrem wenig". Hummel scheiterte mehrfach mit Vorhaben auf der Schwäbischen Alb: "Das war eine Komplettblockade, Verhinderungspolitik."

Frankreich war die erste Etappe der Expansion, danach kamen Brasilien, Uruguay, Argentinien, Chile, Peru. Hummel ging hier einen anderen Weg als die Konkurrenz: "Wir haben die Küste gemieden, wir gingen ins Inland." Auf Hochebenen fand er gute Windverhältnisse, acht bis neun Meter pro Sekunde im Jahresdurchschnitt, das ist besser als in vielen Küstenregionen.

Sowitec plant gigantische Projekte. In der brasilianischen Region Bahia sollen 300 Windkraftanlagen entstehen mit einer Leistung von 650 Megawatt. Insgesamt plant Sowitec in Lateinamerika Anlagen mit einer Gesamtleistung von 50 000 Megawatt und einem Investitionsvolumen von 100 Mrd. EUR.

Südamerika ist anders. "Die größte Herausforderung ist die Landsicherung", sagt Hummel, "es gibt keine Flurkarten. Wir müssen erst herausfinden, wem das Land gehört. Und dann müssen wir es selbst vermessen." Hummel hat dafür eigene Topografen eingestellt: "Da wirst du zum Landvermesser." Die Suche nach Standorten und Investoren, das Vermessen, die Ausschreibungsverfahren, das Planen von Hochspannungsleitungen - das alles nimmt erheblich Zeit in Anspruch. Deshalb steckt Sowitec in Südamerika noch immer in der Planungsphase.

Für den Firmengründer hat sich persönlich viel verändert. Auf die Götter-Türme am Himmelberg ist er selbst noch gestiegen, um Pannen zu beheben. "Jetzt bin ich zu 50 Prozent unterwegs, um in Rio, Sao Paulo, Mexico City, Madrid, Rom, Hamburg, Berlin und London mit Investoren zu verhandeln."

Das zähe Geschäft ist ihm vertraut, seit er 1990 als Ingenieur für Luft- und Raumfahrt bei der damaligen Energie-Versorgung Schwaben (die in der ENBW aufging) damit beschäftigt war, alternative Energieerzeugung zu testen. Als Schüler des Stuttgarter Windenergie-Papstes Heiner Dörner machte er sich mit Feuereifer daran. Hummel baute bei Laichingen ein Testfeld, um neuartige Rotoren zu erproben, überprüfte Standorte in Baden-Württemberg auf ihre Eignung. Die besten Messergebnisse lieferte der Himmelberg. Er drängte die EVS, dort einen Windpark zu erstellen. Als der Konzern ablehnte, machte er sich selbstständig.

Seit dem Regierungswechsel in Stuttgart und der Energiewende in Berlin findet Hummel "ganz andere" Voraussetzungen vor. "Wir haben uns entschieden, wieder hier im Land aktiv zu werden. Wir wollen das Feld nicht norddeutschen Planern überlassen." In den nächsten sieben bis acht Jahren, glaubt er, können 500 Anlagen in Baden-Württemberg entstehen.

Hummel stützt sich auf ein junges, engagiertes Team, in dem jeder jeden duzt, auch den Chef. Unter den Beschäftigten sind viele Praktikanten und Diplomanden, manche kommen aus Südamerika und Russland. Die Belegschaft macht viel gemeinsam: Sie unternimmt Ausflüge zum James-Blunt-Konzert oder zum Hochseilgarten. In den Pausen spielen die Mitarbeiter Tischtennis oder Boccia.

Bis vor vier Jahren hat sich der sportliche Firmenchef geweigert, eine Krawatte zu tragen. Jetzt reist er häufiger im Anzug zu den Terminen. In Südeuropa legen die Investoren Wert auf Formen: "Da machst du das Spiel mit."


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