Autos aus Tradition

Fellbach.  Ein Traditionsunternehmen in der vierten Generation von seinem Vater zu übernehmen, ist schwer. Wenn das auch noch in der Wirtschaftskrise sein muss, steigt die Anforderung. Steffen Hahn hat es geschafft.

Manche Jungs können es einfach nicht lassen. Technik hat Steffen Hahn schon immer fasziniert. "Als ich früher nach Hause kam, flog der Schulranzen ins Eck und ich hab erst mal geschraubt." Flugzeuge, Helikopter - und natürlich Autos baute der Schulbub zusammen. Motoren wurden auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Heute heißt das Schrauben bei ihm Modellbau und ist ein Hobby - für das der Geschäftsführende Gesellschafter des Fellbacher Unternehmens Hahn Automobile allerdings kaum mehr Zeit findet. 23 Autohäuser mit mehr als 1000 Mitarbeiter müssen durch die Auf und Abs der Wirtschaft geführt werden.

In den vergangenen Krisenjahren hatte Hahn noch weniger Freizeit, dafür aber einen "intensiven Kontakt mit Banken". Nur mit viel Einsatz, externer Beratungshilfe, Kreativität und Einschnitten für die Mitarbeiter konnte der fünfzehntgrößte Autohändler Deutschlands das Tal der Tränen durchfahren. Als Familienunternehmen komme es im schlimmsten Fall zur Privatinsolvenz, das belaste. "Ich habe aber nie daran gezweifelt, dass wir es schaffen werden", sagt Hahn heute, da fast alles wieder beim Alten ist. "Das Gute daran ist: Wenn man das überlebt hat, was soll einem dann noch Angst machen?"

Die "Faszination Auto" spürt der Unternehmen nach wie vor. Für seine halbstündige morgendliche Anfahrt wechselt er immer mal wieder die Modelle und freut sich daran. Trotz Umweltdiskussionen, nachlassender Begeisterung der Jugendlichen in Großstädten und fehlender Parkplätze macht er keine allgemeine Verteufelung des Autos aus. "Es wird künftig andere Antriebskonzepte geben, aber auf dem flachen Land braucht man Autos." Für die Zukunft mache er sich deshalb keine Sorgen, Autohäuser werde es auch in Zukunft geben. Viel liege an einem selbst.

Schon früh sei es für ihn ein "selbstverständliches Ziel" gewesen, einmal in das Familienunternehmen einzusteigen. "Ich habe Benzin im Blut", sagt der akkurat wirkende Schwabe mit seiner rahmenlosen Brille, der sich nicht mehr erinnern kann, ob er ein älteres Porsche-Modell zum Abitur oder erst zum Abschluss des Studiums geschenkt bekommen hat.

Hahn absolvierte zunächst eine Ausbildung bei einer Bank, um dann Automobilwirtschaft in Geislingen zu studieren. "Das brachte viele gute Kontakte." Ein Praxissemester führte ihn zu Audi. "Ein Wellness-Studium in Florida kam für mich nicht in Frage", sagt Hahn schmunzelnd.

Das dürfte auch an der Liebe zum Schwaben-Land liegen. "Mal zwei Wochen ins Ausland zu gehen, ist okay, aber dann bin ich wieder sehr gerne hier." Jagen ist für Hahn eine Erfüllung, im Grünen zu sein, wichtig. "Ich brauche meinen Garten und bin sehr gerne draußen." Auch den Familien-Weinberg mag er sehr; dieser wird auf Qualität statt Menge geschnitten.

Hahn Automobile gibt es seit dem Jahr 1919. Sein in zahlreichen Verbänden engagierter und ausgezeichneter Vater Otto Hahn gründete viele Niederlassungen für Audi, VW und Porsche.

Konnte er loslassen, als sein Sohn im Oktober 2007 das Unternehmen in der vierten Generation übernahm? "Loslassen war weniger das Problem, eher das Vertrauen aufzubringen, das ich alles richtig mache."

Dennoch stürzte sich Steffen Hahn in den Umbau und vollzog den Generationenwechsel auch organisatorisch. Der Fremdgeschäftsführer wurde abgesetzt. Er selbst übernahm mit dem altgedienten und erfahrenem Geschäftsführer Frank Brecht die Führung.

"Profitcenter halte ich für nicht mehr zeitgemäß, ich bin eher ein Mensch, der zentral denkt und steuern will", beschreibt Hahn sein Führungs-Credo. "Ich habe mit meinem Vater darüber gesprochen, er hat uns machen lassen." Die ersten zwei, drei Jahre sind zwar zäh gewesen, von Anfang an war aber der neue Wind zu spüren.

Er will im Unternehmen nichts von oben durchdrücken, die Dinge sollen eher wachsen. Beim Führungsstil sind Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt wichtig. "Wenn jemand etwas verpennt, quertreibt oder keinen Bock hat und miese Stimmung verbreitet, trennen wir uns allerdings von ihm", sagt Hahn. "Das klingt zwar knallhart, hat sich aber bewährt. Wir mögen uns im Unternehmen und sind motiviert bis in den Verkaufsraum, das spüren auch unsere Kunden."

Zu seinem Führungsstil sagt Hahn: "Ich schreie eigentlich nicht herum. Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich schon mal schlechte Laune haben, aber dabei bleibe ich immer fair."


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: THOMAS VEITINGER | 28.05.2011

Familienunternehmen im Südwesten: Die Macher

Roman Gorovoy, Chef von Elektrostar, Reichenbach HONORARFREI

Der junge Chef aus Moskau

Reichenbach/Fils Drei Generationen lang war Electrostar in Familienbesitz. In schwieriger Lage suchte das schwäbische Unternehmen einen Investor. Ein Russe sprang ein. Nun managt dessen Sohn das Unternehmen - mit Erfolg.... mehr

Ein Mann mit zwei Gesichtern

Stuttgart Eine Halle mit wenig Sauerstoff, eine Fahrt in schwindelerregende Höhen: Thomas Schäberle ist ein seriöser, rationaler Gefahrgut-Spediteur. Aber nicht nur. Manchmal hat er Spaß an Unerwartetem.... mehr

"Stillstand ist Rückschritt"

Göppingen Mut, Fleiß, die Fähigkeit, Mitarbeiter zu begeistern, gehören für Franz Rieger zu den Tugenden eines Unternehmers. "Vor allem aber muss man seine Ideen verwirklichen", sagt der Göppinger Möbelhändler.... mehr

Ein Buchstabe, der viel verändert

Stuttgart Man hat sie noch nicht schief angeschaut. Dabei ist der Ruf des Bankers ramponiert. Volker Gerstenmaier und Mario Caroli leiten nicht nur eine Bank, sie gehört ihnen sogar - wenn auch nur ein bisschen.... mehr

Auf dem Boden der Tatsachen

Stuttgart Bodenständigkeit kann wichtig sein. Schon gar bei einem Boden-Lack-Hersteller. Doch Stephan Klumpp muss das Unternehmen auch verändern. Und er ist anders, als sein Vater, Opa, Uropa.... mehr

Nachfolge ohne Haken

Leinfelden-Echterdingen Die Nachfolge gehört in Familienunternehmen meist zu den spannenden Phasen der Firmengeschichte. Manchmal verläuft sie aber auch völlig unkompliziert, wie das Beispiel der Verlagsgruppe Weinbrenner zeigt.... mehr

"Kompetenz im Schrott"

Essingen Der Schrottplatz ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Oliver Scholz leitet ein milliardenschweres Unternehmen auf der Ostalb - und geht völlig locker mit allem um, was heute Schrott ist.... mehr

Ein Mann mit vielen Etiketten

Waldenbuch Manche Familienunternehmer haben eine kerzengerade Biographie. Alfred Ritter zählt nicht dazu. Jeder kennt die berühmte Schokolade, die er macht. Doch der Mann hat noch ganz andere Seiten.... mehr

Langsam, aber sicher bis zum Ural

Weikersheim-Neubronn Ulrich und Hans-Friedrich Wolfarth sind fest verankert im idyllischen Taubertal, die dort hergestellten Bauelemente vertreiben sie bis an den Ural. Gemeinsam leiten und leben die Brüder ihr Unternehmen Wolfa.... mehr

Hart aber herzlich

Bietigheim Klaus Fuchs ist seinen Produkten aus Stahl tief verbunden und sieht in dem Werkstoff auch nichts Kaltes und Emotionsloses. Dennoch ist der Chef von Bessey abgehärtet - die Branche verlangt es.... mehr