Märklin mit neuem Schwung

Nürnberg.  Nach überstandener Insolvenz steht Märklin vor einem Neuanfang. Geschäftsführer Stefan Löbich hat einen Berg von Aufgaben vor sich: Er will den Vertrieb ausbauen, Service und Kundennähe verbessern.

Märklin-Chef Stefan Löbich sitzt in einem schmucklosen Messebüro in Nürnberg und fröstelt. Seit November 2010 steht der ehemalige Würth-Manager als Geschäftsführer an der Spitze der Gebr. Märklin & Cie. GmbH, und tritt für den traditionsreichen Modellbahnbauer zum ersten Mal auf der Spielwarenmesse auf.

In der Halle 4a, in der sich die kleine Branche präsentiert, ist es kalt. Auch wirtschaftlich weht den Modellbahnbauern ein eisiger Wind ins Gesicht. Lange vorbei sind ihre Blütezeiten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Schlagzeilen über Insolvenzen, ob bei Roco, Faller, LGB oder Märklin. Den Unternehmen fällt es schwer, ihre alternde Kundschaft zu verjüngen und sich gegen den Bedeutungsverlust der Branche zu stemmen.

Bei Märklin stutzte der Ulmer Insolvenzverwalter Michael Pluta die Struktur des Traditionsunternehmens auf wirtschaftlich sinnvolle Größe: von vier Standorten wurden zwei geschlossen, aus 13 Bereichen wurden fünf, 400 Mitarbeiter mussten gehen.

Nach einer Dauersanierung im vergangenen Jahrzehnt und viel Unruhe im Unternehmen sieht Löbich es als eine seiner vordringlichsten Aufgaben an, das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen. In den 21 Monaten in Insolvenz hatten Pluta und in seinem Auftrag der 70jährige Kurt Seizinger in erster Linie Finanzen und Kosten auf Vordermann gebracht. Nun soll Löbich das erarbeitete Konzept umsetzen und den Vertrieb neu ausrichten. Den Schwerpunkt will der 46-Jährige auf den Fachhandel setzen. Denn die Märklin-Produkte sind erklärungsbedürftig. Doch nimmt die Zahl der Modellbahnfachhändler stetig ab.

Zur Boomphase der Branche waren es nach Angaben von Experten mehr als 3000, vor zehn Jahren noch zwischen 1500 und 2000, heute sind es nur noch 800. Löbich plant daher, eigene Märklin-Läden in Metropolen zu eröffnen. Aber nur dort, wo das Unternehmen keinem Händler Konkurrenz macht, betont er.

Großen Wert legt er auf mehr Kundennähe. Daher sind auf der Messe Märklin-Mitarbeiter vieler Abteilungen zugegen, "um die Sprache des Marktes zu hören". Danach werde das Unternehmen prüfen, welche Wünsche der Händler und Sammler zu realisieren sind.

Überdies liegt ein neues Servicekonzept in der Schublade. Märklin will damit die Ersatzteilversorgung für ältere Modelle verbessern. Mit dieser waren viele Sammler unzufrieden, ebenso damit, wie unzuverlässig sich das Unternehmen bei der Lieferterminen von Neuheiten zeigte. Auch das will Löbich verändern. Einen weiteren Kritikpunkt treuer Märklin-Fans wird er aber so schnell nicht ausräumen können. In den vergangenen Jahren hat Märklin sie mit mehr als 500 Neuheiten pro Jahr überhäuft, in diesem Jahr sind es rund 300. Sammler, die nach Vollständigkeit streben, überfordert dies finanziell.

Doch das Traditionsunternehmen steckt in einer Zwickmühle. In früheren Zeiten lag der Umsatzanteil der Neuheiten bei 15 Prozent, heute beträgt er 80 Prozent. Je mehr Märklin die Zahl der Neuheiten verringern würde, desto größer ist die Gefahr, Umsatz einzubüßen. Wie seine Vorgänger - Löbich ist der fünfte Märklin-Chef in fünf Jahren - will er junge Kunden für die Marke begeistern. Das soll auch mit der Produktreihe "My World" gelingen, deren Fahrzeuge robust und die Gleise leicht verlegbar sind.

Für seine schwierige Aufgabe bei Märklin hat Löbich im Würth-Konzern gutes Rüstzeug erworben. "Mein Lebenslauf ist geprägt von den Themen Finanzen, Controlling, Bilanzen, Marketing und Unternehmensführung", sagt der Diplomkaufmann, der in seinen 17 Jahren bei Würth zuletzt eine Eventagentur restrukturiert hatte. Neu für ihn ist, wie er einräumt, der Umgang mit einer so hochemotinalen Marke wie Märklin. Da wird er nicht umhin kommen, sich mitunter warm anzuziehen.


Kommentare (2)

06.02.2011 13:28 Uhr |   Armin

Verdeckte Sabotage der Kommentarfunktion

Offenbar ändern unbefugt Dritte hiesig veröffentlichte Leserkommentare: Das Verb "restrukturieren" wandeln sie sich selbst ohne jeglichen Grund äußerst schädigend in "restrukutrieren".
06.02.2011 13:17 Uhr |   Armin

Heillos irrende Gebr. Märklin & Cie. GmbH

Der Löbich verliehene Grad eines Diplom-Kaufmanns wies noch nie die Befähigung aus, einschlägig industrielle Arbeit restrukutrieren zu können. Die Gebr. Märklin & Cie. GmbH handelt also wie vor deren gerichtlich angemeldeter Zahlungsunfähigkeit auch künftig kopflos und damit auf Biegen und Brechen wider ihrer gewerblichen Eigenschaft. Findet solches heilloses Irren kein Ende, liegt mehr über kurz als lang dem Göppinger Insolvenzgericht erneut von dort ein dementsprechender Antrag vor.

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