Poetry-Slam-Contest Balingen
: Geschichten aus der eigenen Feder

Mit Worten jonglieren, mit Texten berühren: Im Finale des Poetry-Slam-Contests auf der Gartenschau kürten die Zuhörerinnen und Zuhörer Eva Zimmermann aus Frommern zur Siegerin.
Von
Andrea Maute
Balingen
Jetzt in der App anhören
  • Ein Abend im Zeichen der Poesie: Die sechs Finalistinnen des Poetry-Slam-Contests Zollernalb mit den Initiatoren des Wettbewerbs sowie Moderator Marcel Siedersberger (links).

    Ein Abend im Zeichen der Poesie: Die sechs Finalistinnen des Poetry-Slam-Contests Zollernalb mit den Initiatoren des Wettbewerbs sowie Moderator Marcel Siedersberger (links).

    Andrea Maute
  • Beifallsstürme für die Teilnehmerinnen: Die Beiträge der jungen Slammerinnen wurden von den Zuhörerinnen und Zuhörern mit begeistertem Applaus quittiert.

    Beifallsstürme für die Teilnehmerinnen: Die Beiträge der jungen Slammerinnen wurden von den Zuhörerinnen und Zuhörern mit begeistertem Applaus quittiert.

    Andrea Maute
  • Zur Siegerin wurde Eva Zimmermann aus Frommern gekürt.

    Zur Siegerin wurde Eva Zimmermann aus Frommern gekürt.

    Andrea Maute
1 / 3

Ob persönlich, emotional, bewegend oder nachdenklich: Worte können unter die Haut gehen. Sie können ins Herz treffen und im besten Fall nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Einen Vortrag so zu gestalten, dass dies zutrifft, ist freilich eine Kunst. Und Poetry-Slam dementsprechend eine Kunstform.

Am Donnerstag ging auf der Balinger Gartenschau das Finale des Poetry-Slam-Contests Zollernalb über die Bühne. Bereits Mitte April hatte eine Jury aus den eingesendeten Beiträgen eine Vorauswahl getroffen. Dem Publikum, das sich zahlreich vor der Jugendhausbühne versammelt hatte, stellten sich dabei sechs Finalisten, genauer gesagt sechs Finalistinnen. Denn die Endrunde war ausschließlich Frauensache.

Junge Talente entdecken

Wie Landrat Günther-Martin Pauli erklärte, wurde der „Kunst- und Kulturpreis Zollernalbkreis“ nunmehr bereits zum dritten Mal veranstaltet. Die Intention, junge Talente zu entdecken, sie zu ermutigen, sich mit ihrer Kunst und Kultur auseinanderzusetzen und sie zu fördern, finde in der Veranstaltung ihren Niederschlag. „Wir brauchen auch in Zukunft kluge, kreative Köpfe“, betonte Pauli und dankte allen, die „vor und hinter den Kulissen mitgewirkt haben“, um den jungen Menschen eine Plattform zu bieten.

Jeder Beitrag ist zu respektieren

Was Poetry-Slam ist, musste Moderator Marcel Siedersberger dem Dichterwettstreit-erfahrenen Publikum indes nicht erläutern. Nur so viel: Es gibt im Grunde vier Regeln. Der Text muss vom jeweiligen Poeten selbst verfasst sein, das maximale Zeitlimit beträgt sieben Minuten, es sind keine Verkleidungen und Requisiten erlaubt und last but not least: Jeder Beitrag ist zu respektieren. Ganz nebenbei darf dann übrigens noch kräftig Applaus gespendet werden.

Da es allerdings schwierig war, die Siegerin allein durch akustische Begeisterungsbekundungen zu bestimmen, wurden sieben Zuschauer für die Punktevergabe gesucht. „Wer traut sich?“, fragte Marcel Siedersberger in die Runde. Und nach und nach erklärten sich sieben Freiwillige bereit, die Punktekarten zu zücken. Der höchste und der niedrigste Wert wurde aus Gründen der Chancengerechtigkeit gestrichen.

Marcel Siedersberger moderiert

Bevor die Teilnehmerinnen unter Beweis stellten, wie viel poetisches Potenzial in ihnen schlummert, gab der vielfach prämierte Slammer Marcel Siedersberger eine kleine Kostprobe. „Du bist vielleicht perfekt, doch auch Diamanten haben ihre Ecken und Kanten“, lautete eine Zeile seines salvenartigen Rap-Lyrics. Keine Frage – die modernen Poeten sind nicht nur Wort-, sondern auch Ausdruckskünstler.

Als erste Wettbewerbsteilnehmerin betrat Liz Hengsteler die Bühne. Ihr Text „Verbannt – verb(r)annt“ ließ tief in die Seele des lyrischen Ich blicken, offenbarte „Gefühle, die man nicht beschreiben kann“, auf einer mal schönen, mal traurigen Fahrt zur Endstation.

Beitrag zum Thema Schule

Es folgte Eva Zimmermann, mit einem philosophisch-kritischen Beitrag zum Thema Schule. „Nicht denken soll ich, sondern schreiben. Ich versuche zu schreiben, ohne zu denken. Wenn ich denke, ich denke nichts, denke ich schon wieder.“ Und dann fließen sie auch schon – die Gedanken an den entgegenrasenden „Chemie-Intercity-Express“ und das zur potenziellen Mordwaffe werdende Geodreieck im Matheunterricht.

Unter dem Titel „Was weißt Du schon“ beschäftigte sich der Text von Elena Merz mit der Frage, wie es wäre, in die Köpfe der Menschen blicken zu können. „Was weißt Du schon, wie es ist, als alleinerziehende Mutter einen Ganztagsjob zu bewältigen?“ oder „als Ausländer in Deutschland keine Arbeit zu finden?“

Dass sich die Welt „verdammt schnell dreht“, kam im Beitrag von Hannah Sättele zum Ausdruck. „Schwer tragen und nicht verzagen“ – angesichts von Kriegen und Klimakrisen, „Tiefsturz um Tiefsturz“ gelte es, „Wut in Mut zu verwandeln“.

Poetische Kunstwerke

„Wer ist vor den 2000ern geboren?“ Diese Frage stellte Madleen Haberstroh in den Raum. Kein Wunder: In ihrem Text, gespickt mit schwäbischem Dialekt, ging es schließlich ums Altersheim. Eine „Welt der Kontraste“ hat diese Generation erlebt. Doch „das Leben kennt kein Alter“. Auch wenn der Zahn fehlt, „fliegt im Inneren doch ein Falter“.

Da, wie im Vortrag von Rieke Schaub zum Ausdruck kam, auf jedes „Hoch“ ein „Tief“ folgt, versucht man, die „Mitte“ zu finden. Sollte dies nicht gelingen, kann man sich allerdings mit dem Gedanken trösten, dass jedes Tief stärker macht.

Jeder Text für sich war ein poetisches Kunstwerk. Umso schwerer fiel es, eine Rangfolge festzulegen. Am Ende siegte Eva Zimmermann vor Hannah Sättele, Madleen Haberstroh, Rieke Schaub, Liz Hengsteler und Elena Merz. „Wir danken allen für den Mut, ihre tollen Gedichte mit uns zu teilen“, betonte Kreisarchivar Dr. Uwe Folwarczny.

Der „Kunst- und Kulturpreis Zollernalbkreis“

... ist eine Initiative des Landratsamts Zollernalbkreis, des Wirtschaftprüfer- und Steuerberaterunternehmens PKF Wulf Egermann und der Sparkasse Zollernalb. Prämiert werden jährlich Kunst- und Kulturprojekte mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 6000 Euro. Er richtet sich an junge Leute im Zollernalbkreis, im Alter von 16 bis 27 Jahren. Die Themen und Kunstgattungen wechseln jährlich. Gesucht werden Projekte, Initiativen oder Werke in den Kategorien Bildende Kunst, Wort und Schrift, Musik und Gesang, Video, Theater und Comedy.