Im schwäbischen Mysterium

Suppingen.  Der knitze Schwabe trinkt seinen Most dort, wo er nichts kostet, oder er überzeugt jeden mit unverblümter Derbheit. Der "Suppinger Lichtstube" gelang am Samstagabend manche lustige Pointe.

Die zwei Seiten des Schwaben, darüber haben die Stammtischler des Gemischten Chors Suppingen an ihrem Lichtstubenabend ganz nach ihrem Motto, "gsonga, gspielt und gschwätzt": Der Schwabe als liebenswürdiger Einfaltspinsel, der es versäumt, beim Herrgott seine Sprache abzuholen, so dass diesem nichts weiter einfällt, als dem Schwaben zu raten: "Dann schwätzet ihr halt wia i." Oder aber der knitze (gewitzte) Schwabe, der die "Großkopfede" (Honoratioren) gemeinsam begrüßt, damit keiner vergessen wird, und der den Most am liebsten dort trinkt, wo er nichts kostet, nämlich beim Vereinsvorstand.

Freilich waren die Akteure an diesem Abend "Hästräger" - sie hatten wie auch mancher im Publikum das typische Blauhemd übergezogen. Mit heiteren Gedichten, selbst verfassten satirischen Dialogen und Liedern oder den Suppinger "Schnitz" führten die Stammtischbrüder ihre Zuhörer in der gut besuchten Kornberghalle durch das schwäbische Mysterium - und attackierten dabei gehörig die Lachmuskeln der Zuhörer.

Trinksprüche, wie "Dr Bauer macht ein Bäuerle, es muss nicht mit der Bäuerin sein", oder "dr Schwab wünscht sich die Falten ned im Gsicht, sondern am Arsch, weil ma se do ned sieht" zeigen, dass das schwäbische Vokabular wenig salonfähig ist.

Andererseits ist diese derbe Direktheit des Schwäbischen absolut nützlich, wenn es darum geht, jemandem den Marsch zu blasen. So schimpften die Suppinger über die Obrigkeit aus der "Hauptstadt Laichingen": "Der im letzta Jahr gmachte Weg am Bühl isch viel zu kurz, gibt ma a bissle Gas, wird ma von der Böschung überrascht."

Andererseits verfügt der Schwabe über Begrifflichkeiten, die es im Schriftdeutschen erst gar nicht gibt und die "viel besser ausdrücket, was uns im Herz bewegt". Da verniedlicht der Schwabe gerne, indem er jedem Begriff ein "le" anhängt und so wird aus einem Haus das "Häusle", aus dem Hintern das "Ärschle". Gerät der Schwabe in Wut, kehrt er die Verniedlichung um und es hagelt Schimpfwörter, wie "Meckaseckel".

Und dass der Schwabe maulfaul sei, ist wohl auch nur ein Gerücht, denn wenn es darum geht, seiner Liebsten einen Heiratsantrag zu machen, dann schwäbelt er singend in entwaffnender Direktheit und zungenbrecherischem Tempo (nachahmen erwünscht, aber beinahe unmöglich): "Schenk mir einen Kuss, dann küssed mir mitanander auf am Sofa umanander, bis mir gnuag hend vonanander."

Neben dem Austausch von Binsenweisheiten nahmen die Stammtischler freilich auch die Dorfbewohner aufs Korn. So haben sie die vielen Führungswechsel in den Vereinen "verbroda" (verbraten) und nahmen den eigenen Gemischten Chor nicht aus: "Wir hoffed auf eine unwahrscheinliche Weiberinvasion auf den Vereinsvorsitz."

"Am Bodasee do streckat d"Fischle, d"Schwänz in d"Höh, wenn i a schees Mädle seh, goht"s mir wie de Fisch em Bodasee" - ja, die Suppinger Schnitz haben es in sich, kernig und direkt in Text und Musik. Der Suppinger Chor eröffnete den Abend damit, die Stammtischler sangen immer wieder welche.

Am späten Abend wurde auch die Dekoration aktiv: Der Frauenchor, der bis dahin strickend und Likör trinkend die Kulisse der Lichtstube geboten hatte, bruddelte (schimpfte) im Volkslied "In Muadders Stübele", der Männerchor beklagte sich "ma isch oifach koi Kerle mehr", Christina und Ella erzählten manch heitere Episode.

Und wenn weder "gsonga, noch gschwätzt" wurde, dann spielte Charly"s Trio mit Kontrabass, Gitarre und Akkordeon auf. Dazu kredenzten die Chormitglieder Most und schwäbisches "Fingerfood": Schwarzwursträdle mit Zwiebel - garantiert mit den Händen zu essen. Und hätten die Frauen im Publikum ihr Strickzeug dabei gehabt, wäre die ganze Kornberghalle eine große Lichtstube gewesen.


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Autor: SABINE GRASER-KÜHNLE | 06.02.2012

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