Kunststück "Zeit"
Merklingen. Referentin Inge Sailer hat "die Zeit" in den Mittelpunkt des Merklinger Frauenfrühstücks gerückt. 120 Frauen kamen dorthin vergangenen Samstag in die Merklinger Gemeindehalle.
"Entschleunigung" lautet ein Zauberwort, das Menschen seit geraumer Zeit zur bewussteren Lebensweise mahnen soll. Am Samstag tat das auch Inge Sailer, und zwar in ihrem Vortrag zum Thema "Jeder Tag - ein Geschenk". Den hielt sie im Rahmen eines konfessionsübergreifenden Frauenfrühstücks vor rund 120 Frauen in der Merklinger Gemeindehalle. Die Ehefrau eines pensionierten evangelischen Pfarrers und Mutter von vier Kindern hat bereits sieben Umzüge hinter sich, davon einen ganz bedeutenden von Omsk in Sibirien nach Stuttgart, wo sie derzeit lebt.
"Jeder Tag ist ein Geschenk, denn ich kann ihn mir nicht selbst geben", erinnerte Sailer und zeigte auf, dass 50 Lebensjahre bereits 18 250 geschenkte Tage sind. Ein neuer Tag könne wie eine leere Seite eines Buches betrachtet werden, deren Gestaltungsmöglichkeit dem Autor oder Künstler unterliege. Wichtig sei die bewusste Annahme dessen, die Gestaltung wahrzunehmen: "Es kann wie ein Puzzle sein, in dem manche Teile mal nicht passen. Es kann eine Blumenwiese sein, die Wanderung auf einem Höhenweg bei strahlender Sonne, aber auch ein Gang durch ein dunkles Tal. Aber es bleibt nie dunkel."
In Anlehnung an den Predigertext Salomo "Alles hat seine Zeit" erinnerte die Referentin "an die oft vergessene Binsenweisheit". Oft geschehe zu viel auf einmal: Lachen, weinen, klagen, beruflicher Stress, Urlaubsstress, Wochenendstress, Chaos. "Wenige Menschen können einen Tag verbringen, ohne etwas zu tun und manchmal sind Tage ohne Stress unerträglich lang." Oft werde durchs Leben gehetzt in der Angst, etwas zu verpassen. "Manchmal müssen wir auch nein" sagen."
Die Zeit zum Reden unter Eheleuten betrage laut Statistik durchschnittlich sieben Minuten - ohne organisatorische Angelegenheiten zu besprechen. Die Zeit zum Schweigen und Zuhören weitaus weniger, ganz zu schweigen von der Zeit, den Zustand heraus zu finden.
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Autor: BRIGITTE SCHEIFFELE | 08.02.2012
Das Leben ist ein Puzzle. Nicht immer passen alle Teile zusammen. Foto: bs
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