Verzweifelt und voller Lebenslust

Pliezhausen.  Eigentlich saß die renommierte Schauspielerin nur da oben auf der Bühne und erzählte über das Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Aber wie Suzanne von Borsody das tat - das war richtig groß.

Mucksmäuschenstill war es am Samstagabend in der Pliezhäuser Gemeindehalle, als Suzanne von Borsody - ein Interview mit ihr stand kürzlich in unserer Zeitung - vor den Augen und Ohren der knapp 400 Besucher die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo zum Leben erweckte.

Allein die Lüftung brummte leise vor sich hin. Und hätte jemand die sprichwörtliche Stecknadel fallen lassen - sie hätte einen Riesenlärm verursacht. Warum dies so war? Alle lauschten gebannt den Worten einer der größten deutschen Schauspielerinnen.

Suzanne von Borsody ist dafür bekannt, dass sie sich in Filmen und auf der Bühne immer wieder an die schwierigen Charaktere wagt. An jene Frauen, die zumeist schwere Brüche in ihren Lebensläufen aufweisen. Die oftmals mehr als einen üblen Tiefschlag einstecken mussten. So wie Frida Kahlo, die größte Malerin, die Mexiko jemals hervorgebracht hat.

1907 wurde Kahlo geboren, in frühen Jahren hatte sie Kinderlähmung, mit 18 Jahren überlebte sie ein Busunglück, in den Folgejahren musste sie insgesamt 30 Mal operiert werden, zumeist an der Wirbelsäule. Drei Fehlgeburten hatte sie, einen untreuen Ehemann, und einen Großteil ihres Lebens musste sie im Bett verbringen.

Dennoch war Frida Kahlo immer wieder auch eine Frau voll unbändiger Lebenslust - was sich in ihren Bildern ebenso wieder findet wie auch ihre schlimmen Zeiten, Gedanken und Gefühle.

In Briefen, Gedichten und in ihrem Tagebuch hat die Kahlo all das festgehalten - offen, unverfälscht und sehr ehrlich. Und genau so liest, spricht und erzählt Suzanne von Borsody bei ihrem Auftritt aus den schriftlichen Zeugnissen der Kahlo: Mal himmelhoch jauchzend, voller Lebensfreude und Hoffnung, wild genießend und die Welt umarmend. Andere Male, wenn der Frust sie im Griff hatte, zutiefst verletzt - wenn ihr Mann, der berühmte Maler Diego Rivera wieder fremdging, sie betrog und hinterging.

Oder wenn die Krankheit sie peinigte, sie in die Verzweiflung trieb, wenn die Schmerzen unerträglich wurden. Die Schauspielerin von Borsody hatte sie alle drauf, die Gefühlslagen, über die Frida Kahlo in ihren Aufschrieben berichtete. Begeistert, überschäumend, jubilierend und dann aber im nächsten Moment der Verzweiflung nah, frustriert und deprimiert.

Manchmal sprach der Film- und Theaterstar zögerlich, langsam, fast flüsternd, mit Tränen in der Stimme. Und jeder einzelne Besucher der Veranstaltung sah Frida Kahlo in diesen Momenten auf der Bühne leiden. Andere Male raste von Borsody mit ihren Worten regelrecht über die Bühne - obwohl sie doch immer nur auf ihrem Barhocker saß.

Ganz großes Kino, könnte man da sagen. Kopf-Kino. Die eingeblendeten Bilder und Fotos im Bühnenhintergrund verstärkten die Stimmungen ebenso wie die Musik des Trios Azul. Im Mittelpunkt war aber immer - Suzanne von Borsody. Sie schaffte es allein mit ihrer Stimme, mit ihrer Schauspielkunst, die Stimmung in den Aufschrieben der Mexikanerin perfekt zu erzählen, zu spielen, zu beschreiben.

Oder eigentlich auch zu malen - so wie Frida Kahlo ihre Bilder in den jeweiligen Stimmungen gemalt hat. Schlussendlich muss festgehalten werden: Dieser Abend war eine großartige Werbung für das Erzählkino, bei dem der Spielfilm, den es über Frida Kahlo gibt, regelrecht daneben verblasst. Und die Hoffnung lebt, dass dem Pliezhäuser Chor "Chorage" als Veranstalter noch mehr solche großartige Veranstaltungen gelingen.


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