Rapper Cro gibt kurzes Stelldichein

Reutlingen.  Geht so was durch die Decke? Der Stuttgarter Rap-Newcomer Cro begeisterte im franz.K - obwohl sein Panda-Spuk bereits nach 35 Minuten vorbei war.

Er ist gerade mal 19 Jahre alt, stammt aus Stuttgart und nennt seine Musik, einen Mix aus Deutschrap und Spass-Pop, "Raop". Cro, der Mann mit der Panda-Maske, macht bei seinem superkurzen Auftritt im knüppelvollen franz.K mächtig Druck.

Mehr als 500 sind gekommen, um dem angesagten "King of Raop" ihre Ehre zu erweisen. Sie warten gespannt auf den Auftritt eines geheimnisvollen Jungstars, über dessen Leben und Person ebenso wenig bekannt ist wie über sein Gesicht, das er vor den lauernden Kameras mit einer weißen Panda-Maske versteckt. Das Vorabvideo zu seinem Debütalbum "Easy" kam auf mehr als drei Millionen Klicks.

Als der Rapper, Sänger, Produzent und Designer nach einem wenig antörnenden Auftritt seines Rapper-Kollegen AhzumJot um viertel nach zehn auf die Bühne stürmt und gleich mit seinem ersten Song den Saal zum Hüpfen und Mitsingen bringt, ist es sofort da - das Gefühl, bei dem der Spass an erster Stelle steht. Die Marschrichtung: Krachen muss es, und zwar richtig.

Cros deutschsprachigen Reime liegen genau zwischen den zwei Polen, die den neudeutschen HipHop prägen: Nicht so poppig wie Fanta Vier, aber auch nicht so traditionell wie etwa Advanced Chemistry. Vielmehr konzentriert sich Cro auf gewitzte und durchdachte Texte im extrem coolen Tonfall und auf partytaugliche, unverkrampfte Beats, vom Plattenspieler, aber selbst komponiert.

Die Stimmung ist fett. Fett wie der Sound. Jede Textzeile, jeder Rumms der virtuellen Bassdrum wird euphorisch begrüßt. Die Fäuste schwenken über den Köpfen, und wenn Cro Songs wie "Easy", "Dreh auf" oder das hitverdächtige "Rockstar" anstimmt, schallt es textsicher und hundertfach zurück. Die melodiös angelegten Soundflächen, auf die Cro immer wieder zurückkommt, sind zumTeil mit elektronischen und akustischen Störfeuern aufgeladen.

Darunter schieben sich brachiale Beats, die von einem schweren, massiven Bass unterfüttert und von überraschend eingängigen Melodien befeuert werden. Es muss in die Beine gehen, das ist Cros Überzeugung.

Das Bühnenbild wirkt nicht auf-, sondern geradezu leergeräumt. Wie ein großes Wohnzimmer, aus dem jemand auszieht, der Großteil der Einrichtung ist schon weg. Und nach unfassbar kurzen 35 Minuten hat auch der Bewohner seine letzte Runde gedreht. Offensichtlich hat Cro noch nicht so viele Songs drauf, um ein abendfüllendes Konzert zu bestreiten. Was das Publikum wenig stört. Heutzutage genügen wohl coole Texte, ein geheimnisvolles Video und geschickte Verbreitung über Facebook. Das alles für etwas wenig zu halten, mag altmodisch und nörgelig klingen. Dennoch: Cro hat Talent und Potenzial, auch wenn er nicht gerade für einen umwerfenden Neuerergeist steht.


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