Heiter, klar, leicht, lichtvoll und honigsüß
Reutlingen. Nicht immer "alte", dafür unterhaltsame Musik mit Lesung bietet die Musica Antiqua im Spitalhof. Etwa "Mozart und die Meister seiner Zeit" mit Wolfgang Höper, Albrecht Holder und dem Trio Stuttgart.
Der Gegenstand der Reihe Musica Antiqua wird meist sehr großzügig ausgelegt. Oft geht es nicht um Renaissance- und Barockmusik oder historisch informierte Spielweisen, sondern - zur Freude des Publikums - auf amüsante Weise um Klassiker wie Mozart. Das beliebte Thema wurde dieses Mal erweitert auf "Mozart und die Meister seiner Zeit" - ein weites Feld, das noch Entdeckungen bereit hält. Für diese Matinee wurde es eingegrenzt auf die Beziehungen zwischen Mozart und den beiden zu seiner Zeit musikalisch interessanten Residenzen Öttingen-Wallerstein und Mannheim sowie auf Werke von Mozart und seinen dort wirkenden Zeitgenossen Antonio Rosetti, Franz Danzi und Carl Stamitz.
Die Textbeiträge dazu schöpften aus dem Mozart-Briefwechsel sowie aus Musikerbiographien - soweit vorhanden, über die später als "Kleinmeister" bezeichneten Komponisten weiß man teilweise erstaunlich wenig. Verlesen, besser: erzählt wurden sie von Wolfgang Höper wie gewohnt in wohltuend gelassener, so kundiger wie launiger Weise. War darin zwar die Rede von der spektakulären (und musikhistorisch folgenreichen) Kunst des Mannheimer Hoforchesters, beschränkten sich die Musikeinlagen zwangsläufig auf Kammermusik, die mehr oder weniger mit dem Gelesenen korrespondierte.
Immerhin war dieses Mal nur eine Bearbeitung dabei - Mozarts Oboenquartett KV 370 in einer farblich abgedunkelten Fagott-Version -, den Löwenanteil der übrigen Werke bildeten selten zu hörende Original-Quartettsätze von Antonio Rosetti, Franz Danzi und Carl Stamitz, jeweils in B-Dur für Fagott und Streichtrio, auszugsweise übers Programm verteilt. Ergänzt und bekrönt wurden sie durch das zwar als Divertimento bezeichnete, doch gehaltvolle Streichtrio Es-Dur KV 563 von Mozart, dessen prägnant und inspiriert gestalteter Kopfsatz einen Höhepunkt des Konzerts darstellte.
Den Streicherpart hatte das Trio Stuttgart inne, bestehend aus Matthias Wächter (Violine), Natalia Wächter (Viola) und Krassimira Krasteva (Cello); wie sich zeigte, ein gut eingespieltes, sensibles und technisch sicheres Ensemble. Zwar merkte man den Musizierenden ein wenig an, dass sie mit den Fagottquartetten noch nicht so vertraut waren wie etwa mit Mozart, doch bildeten sie mit Albrecht Holder ein musizierfreudiges Ensemble und vermittelten einen guten Eindruck von der Musik der Zeitgenossen Rosetti, Danzi und Carl Stamitz.
Diese erwies sich als abwechslungsreich und farbig komponierte, sowohl mit populären Ohrwurm-Melodien wie mit anspruchsvoll ausgearbeiteten Passagen aufwartende Kammermusik, meist heiter und klar - "leicht, lichtvoll, honigsüß" - , sozusagen "klassisch" in Form und Machart, im Zeitstil den Werken Mozarts manchmal zum Verwechseln ähnlich.
So wie Holders Fagottstimme integriert war ins Stimmengeflecht des Streichtrios, erschien auch Mozarts Musik hier vielfältig eingebunden in die Musik seiner Zeitgenossen, die damals mehr Ruhm und Erfolg genossen als ihr erst später auf den Sockel des Klassikers gehobener Zeitgenosse. All dies war ein unterhaltsamer Hörgenuss - allerdings keine wirkliche "alte Musik". Diese soll bei der nächsten Matinee wieder zu ihrem Recht kommen, mit Musik, Wort und Tanz aus dem barocken Versailles.
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Autor: SUSANNE ECKSTEIN | 08.02.2012
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