Blicke in fremde Seelen

Sie gibt gerne die gebrochenen Charaktere, die vom Schicksal gezeichneten Frauen - im Film. Heute gastiert die Schauspielerin Suzanne von Borsody mit einer Hommage an die Malerin Frida Kahlo in Pliezhausen.

SÜDWEST PRESSE: Frau von Borsody, Sie lesen Texte und Briefe von Frida Kahlo. Stimmt es, dass Sie selbst Malerin werden wollten?

SUZANNE VON BORSODY: Ja, ich wollte Malerin werden. Und bin es auch. Aber nicht nur mit dem Pinsel, auch in meinen Rollen versuche ich die verschiedenen Schichten eines Charakters zu entschlüsseln. Ob in Tragödien oder Komödien. Dank meiner kreativen guten Geister um mich herum, ist mir das möglich. Und dank eines Publikums, das es mir seit über 30 Jahren dankt.

Weswegen bewundern Sie die Kahlo, die ja als ebenso leidende wie leidenschaftliche Künstlerin galt?

Die Bilder der Frida Kahlo haben mich schon in den frühen 80ern fasziniert. Sie erzählt mit jedem Bild eine Geschichte. Da sie im Laufe ihres Lebens, aufgrund ihrer zahlreichen Operationen an ihrer Wirbelsäule, im Bett liegend verbringen musste, entstand eine Unmenge an Selbstportraits. In Ermangelung anderer Modelle. Diese Portraits sind nie wehleidig oder anklagend. Allerdings umgeben von Symbolen, die ihren jeweiligen Gefühlszustand umschreiben. Diese Symbole finden sich auch in ihren anderen Bildern wieder. Diese Vielschichtigkeit in Person und als Malerin fasziniert mich noch immer.

Und da wollten Sie die emotionalen Seiten der Frida Kahlo zeigen?

Ich wollte den Menschen, den liebenden Menschen Frida vorstellen. Eine Frida, von der man ja angeblich so viel kennt und weiß. Wer war sie? Diese, "als Malerin der Schmerzen" titulierte Person. Nicht leidend! Leidenschaftlich! Fröhlich, wütend, sentimental, verzweifelt, politisch, lustig, diszipliniert, chaotisch, impulsiv, erotisch, zerbrechlich und zäh. Bunt wie ihre Bilder. Und voller Sehnsucht.

Seit einigen Jahren widmen Sie sich verstärkt Hörbuchproduktionen und sind viel auf Lesereisen. Wie sehr brauchen Sie andere Projekte neben Schauspielerei und Film?

Lesungen sind Geschenke an mich selbst. Ich bin meine eigene Herrin, und ich habe sie immer in meinem Rucksack dabei. Sie sind etwas ganz Persönliches - und ich hoffe, auch ein Geschenk an das Publikum, das sich diese multimediale Veranstaltung ansieht.

Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem Auftritt mit dem Trio Azul in Pliezhausen? Wie kam es zum Kontakt mit der Gruppe und dem Projekt?

Dieses Projekt ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Zunächst waren da Frida Kahlos Briefe, ihre Tagebucheintragungen, ihre Bilder. Wie eine Detektivin habe ich mich mit ihrem Leben beschäftigt. So ist allmählich diese Produktion entstanden.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Martin Mühleis sind die Musiker mit ins Boot gekommen: das "Trio Azul" und seine wunderbaren mittelamerikanischen Klänge.

Der "Spiegel" hat Sie als "künstlerisches Kraftpaket" bezeichnet. Wie sehen Sie sich selbst?

Mich hält die Vielschichtigkeit lebendig. Vor der Kamera oder auf der Theaterbühne, im Studio bei Hörbuch-Aufnahmen oder in meinem Atelier.

Kennen Sie die Region Reutlingen - und wenn ja, was verbinden Sie damit?

Ehrlich gesagt: Pliezhausen ist ein Abenteuer für mich. Neuland, ich war noch nie dort. Der technische Leiter der Frida-Produktion lebt seit einiger Zeit in Pliezhausen, Waldemar Weglikowski. Durch seine Initiative kam der Abend auf Einladung des dortigen Chors zustande. Ich freue mich darauf!


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