Wie Alt und Jung kooperieren

Das Ulmer Lernnetzwerk Kojala

Ulm. 

Ulmer Lernnetzwerk Kojala
Die beiden sind alte Hasen - wobei Albrecht Grosch der, mit Verlaub, etwas ältere Hase ist. Grosch ist schon ein paar Jährchen in Rente, bei ihm kommt der Ruhestand aber eher einem Unruhestand gleich. Vor allem, seit er in sich die "pädagogischen Gene" entdeckt hat. Seit ein paar Jahren mischt der 72-Jährige beim Lernnetzwerk Kojala mit, ist einer von Dutzenden von Senioren, die mit Kindern und Jugendlichen lernen und von ihnen lernen.

Kerstin ist mit ihren 14 Jahren die jüngere der beiden - aber dennoch ein "alter Hase". Denn jedesmal, wenn Kojala ein Science Camp veranstaltet, ist die Schülerin des St. Hildegard-Gymnasiums dabei. Schon sei Jahren und mit Feuer und Flamme. Ganz gleich, ob es um Kunststoffe, Solar oder Astro geht, "Naturwissenschaften und Technik interessieren mich", sagt Kerstin, die den Dingen gern auf den Grund geht, "ich will wissen, wie etwas funktioniert". Und wenn sies nicht auf Anhieb versteht? "Dann frag ich den Albrecht, der erklärt mir das."

Kerstin und Albrecht, die 14-Jährige und der 72-Jährige - alte Bekannte. Die beiden gehen ganz vertraut miteinander um. Sie sind per Du miteinander, "das wird anfangs vereinbart", sagt Albrecht Grosch, der sein Wissen sinnvoll eingesetzt sieht bei den Kojala-Projekten, speziell bei den Themen Naturwissenschaften und Technik. Grosch hat Physik studiert, geht also, wenn es um Widerstand geht, nicht auf die Barrikaden, sondern kann mit dem bekannten Herrn Ohm dienen. Erstens arbeitet Grosch gerne im Ehrenamt, zweitens: In gewisser Weise sei es Ehrensache, der Jugend zu helfen, wenn die sich für Naturwissenschaften interessiere. Um noch einmal auf die "pädagogischen Gene" zurückzukommen: Albrecht Grosch stammt aus einem Lehrerhaushalt, hat selber Enkel und kann mit Jugendlichen umgehen. Vom Thema, das ihm besonders liegt, mal ganz abgesehen. Aber auch die anderen Senioren, die beispielsweise mit Physik weniger am Hut haben, werden vor den Science Camps vorab qualifiziert; sie erhalten Kurzeinführungen, das dann in den Camps von Wissenschaftlern der Uni Ulm vermittelt wird.

Und Kerstin? Ihr macht das Experimentieren unter Anleitung der Senioren Spaß, "von den Alten kann man schon etwas lernen, und die lernen ja auch etwas von uns. Wir ergänzen uns", sagt die 14-Jährige, die auch schon vor einem Referat mal schnell "ihren Albrecht" angemailt hat. Das Thema ist äußerst komplex: "Additive und subtraktive Farbmischung". Grosch schaute kurz über die schriftliche Ausarbeitung drüber - und hatte nur kleine Anmerkungen zu machen.

Was Kerstin einmal studieren wird, ist klar: Naturwissenschaften, vielleicht Informatik, auf jeden Fall aber will sie Forscherin werden. "Dann studier doch Physik", sagt Albrecht Grosch, "da kann man später sogar Bundeskanzlerin werden."

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Autor: Rudi Kübler | 07.04.2009