Interview mit Markus Marquard

"Alt-Jung-Dialog als Teil der Stadtkultur"

Ulm. 

Markus Marquard
Seit fast drei Jahren gibt es "Kojala" - Zeit für eine Bilanz?
MARKUS MARQUARD: Wir vom Zawiw sammeln seit elf Jahren Erfahrungen mit Jung-Alt-Lernprojekten. Mit Kojala haben wir zwei neue Wege eingeschlagen: den Aufbau eines Lernnetzwerks mit vielen Kooperationspartnern in Ulm und die Entwicklung einer internetbasierten Kompetenzbörse. Mit ihr wollten wir einen virtuellen Marktplatz schaffen, auf dem sich Junge und Alte als Suchende oder Bietende für den Lernaustausch einbringen.

Ist das Konzept der Kompetenzbörse aufgegangen?
MARQUARD: Nicht wie erhofft. Das mag auch daran liegen, dass wir die rasante technische Entwicklung des Internets unterschätzt hatten. Wir haben nachgebessert, vorletzte Woche ging unsere neue Internetplattform online. Sie ist übersichtlicher und bedienungsfreundlicher. Aber wir haben auch die Hemmschwellen gegenüber dem Internet unterschätzt. Vor allem Schüler nutzen das Internet nicht selbstverständlich als Lernort.

Wie groß ist die Kojala-Gemeinde?
MARQUARD: Bei realen Aktionen haben bisher über 5000 Teilnehmer mitgemacht, in der Kompetenzbörse knapp 400, wobei viele die Internetbörse nur punktuell genutzt haben, vor allem Jugendliche. Etwa 40 Senioren sind regelmäßig dabei.

Wie funktioniert die Börse?
MARQUARD: Es geht nicht um die reine Vermittlung von Fachwissen, das kann man sich über Wikipedia aneignen. Ziel sind Begegnungen - virtuelle und reale. Da ist etwa die Zehntklässlerin, die etwas über Solarzellen wissen will und in unserer Internetbörse einen Experten zum Thema sucht. Sie trifft, sagen wir mal, auf einen pensionierten Ingenieur: Man schreibt sich, trifft sich an einer Solaranlage und probiert etwas Praktisches aus. Die Idee dahinter ist, dass beide Seiten voneinander lernen. Die Älteren müssen sich auf die Jungen einlassen. . .

Welchen Profit haben sie davon?
MARQUARD: Sie machen das ehrenamtlich. Vielen ist einfach die Begegnung mit Jugendlichen wichtig.

Wie viele Teilnehmer bräuchte die Börse, um richtig gut zu laufen?
MARQUARD: Etwa 1000, von denen immer 100 bis 200 aktiv sind.

Wie lässt sich das erreichen?
MARQUARD: Eine Internet-Kompetenzbörse allein funktioniert nicht. Das muss gekoppelt werden mit realen Aktionen. Letztes Jahr haben wir zwei Aktionstage am Humboldt-Gymnasium und an der Elly-Heuss-Realschule veranstaltet. An letzterer werden künftig alle Fünft- und Sechstklässler mit dem Konzept vertraut gemacht. Da kommen viele potenzielle Nutzer zusammen.

Wie kommt man an die Alten ran?
MARQUARD: Unsere Vision ist, dass so ein Alt-Jung-Dialog selbstverständlicher Bestandteil der Ulmer Stadtkultur wird. Die Leute sollen nicht mehr automatisch an die Uni und das Zawiw denken, wenn sie "Kojala" hören. Deshalb muss die Idee auf viele Füße gestellt werden. So haben wir etwa die Volkshochschule, die Familienbildungsstätte, das Haus der Begegnung, den Generationentreff mit ins Boot geholt. Wir wollen möglichst viele unterschiedliche Ältere, das macht die Sache noch spanender.

Und alle ziehen mit?
MARQUARD: Von der Idee sind alle angetan. Schwieriger ist es dann schon mit der Bereitstellung personeller und finanzieller Ressourcen. Das ist gerade in der gegenwärtigen Finanzsituation schwierig.

Auch für Kojala sieht die wirtschaftliche Lage nicht rosig aus.
MARQUARD: Die dreijährige Grundförderung durch die Robert-Bosch-Stiftung, die Ulmer Bürgerstiftung und den Zawiw-Förderkreis läuft im Juni aus.

Wie geht es weiter?
MARQUARD: Wir sind im Gespräch mit der Stadt. Eine zentrale Anlaufstelle für generationenübergreifende Arbeit wäre sinnvoll, derzeit wird ernsthaft überlegt, wie das realisiert werden kann. Dort können dann Anfragen von Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und Einzelpersonen koordiniert werden. Wir vom Zawiw wollen Kojala aber auch weiterhin begleiten.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: Christoph Mayer | 07.04.2009