SAGEN SIE MAL: Köhler wird seine Gründe gehabt haben
Jan Stefan Roell, Chef der Ulmer Firma Zwick, hat vor einem Jahr als Wahlmann Bundespräsident Hort Köhler gewählt. Was sagt Roell zum Rücktritt?
Horst Köhler hat hingeschmissen. Ist das für Sie nachvollziehbar?
JAN STEFAN ROELL: Ich habe meine Stimme Horst Köhler gerne gegeben. Ich schätze ihn als Mensch und Fachmann, insbesondere für wirtschaftliche Fragen. Er und seine Familie werden Gründe für diesen wichtigen Schritt gehabt haben, die ich nicht kenne. Ich respektiere seine Entscheidung und ich bedaure seinen Rücktritt.
Unser Eindruck: In der Bevölkerung wird weniger Köhlers "Fahnenflucht" kritisiert als vielmehr die zunehmend kritische Haltung der Medien und der Politik zu seiner Art der Amtsführung. Ihr Eindruck?
ROELL: Meine Einschätzungen basieren nur auf Eindrücken aus Funk und Fernsehen sowie der Lektüre der Reden des Bundespräsidenten und der entsprechenden Kommentare. Ich habe seine Ausführungen zu uns bewegenden Fragen geschätzt. Und ich empfand es als hilfreich, dass der Bundespräsident nicht jedes ihm vorgelegte Gesetz unterschrieben hat, sondern durch kritisches Hinterfragen die Qualität der Gesetzgebung an einigen Stellen verbessert hat.
Horst Köhler war Quereinsteiger. Ist sein Ausstieg der Beweis dafür, dass Präsident/in nur werden kann, wer politische Erfahrung hat?
ROELL: Wer sein Leben lang in der Politik arbeitet, hat sicherlich ein großes Netzwerk, was auch tragen kann. Quereinsteiger sind möglicherweise manchmal mehr auf sich allein gestellt. Ich glaube aber, dass die politisch führenden Köpfe in Berlin wissen, dass es wichtig ist, Leistungsträger zu einem Quereinstieg in die Politik zu motivieren und sie so zu unterstützen, dass sie zum Wohle unseres Landes beitragen können.
Was muss der/die Nachfolger/in vor allem mitbringen?
ROELL: Ich glaube, dass ein Großteil der Menschen sich von Horst Köhler gut repräsentiert sah. Geradlinigkeit, Klarheit, Überparteilichkeit, Interesse an den Menschen - das waren und sind seine Eigenschaften und die wünsche ich mir auch für seinem/r Nachfolger/in.
Haben Sie persönliche Favoriten?
ROELL: Nein, ich bin vorgestern erst aus dem Ausland zurückgekehrt, mache mir meine Gedanken. Vielleicht habe ich ja noch eine gute Idee . . . hut
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04.06.2010
Jan Stefan Roell: Ich habe Köhlers kritisches Hinterfragen geschätzt.
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