"Gauck ist ein Aufklärer, aber kein Versöhner"

Berlin.  Kaum ist Luc Jochimsen von der Linkspartei ins Rennen um die Köhler-Nachfolge geschickt worden, greift sie ihren Kontrahenten Joachim Gauck an.

Scharfzüngig und streitlustig - so kannte das Fernsehpublikum die damalige Chefredakteurin Lukrezia "Luc" Jochimsen schon zu ihren Zeiten beim Hessischen Rundfunk (1994 - 2001). Die "rote Laterne" wurde die heute 74-jährige Journalistin wegen ihrer dezidiert linken Grundhaltung im Sender genannt. Zuvor war sie beim TV-Magazin "Panorama" und als ARD-Korrespondentin in London aktiv.

Nach ihrer Pensionierung stieg die studierte Sozialwissenschaftlerin, die einst über das Thema "Zigeuner heute" promovierte, in die Politik ein. Zunächst bewarb sie sich 2002 in Hessen für die PDS vergeblich um einen Sitz im Bundestag. Erst im zweiten Anlauf klappte es - dieses Mal freilich auf der Landesliste in Thüringen.

Seit 2005 gehört Jochimsen der Linksfraktion an, ließ sich aber von keinem der konkurrierenden Parteiflügel vereinnahmen. Eine auffallende Erscheinung im Hohen Haus ist "Mama Lu" schon allein wegen ihrer farbenfrohen Kleider und der Vorliebe für modischen Schmuck.

Dass Luc Jochimsen nicht unbedingt erste Wahl bei der Suche der Linken nach einem Gegengewicht zu Christian Wulff (CDU) und dem rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck war, verschweigt nicht einmal die Bewerberin selbst. Sie hätte sich zum Beispiel den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer vorstellen können, doch daraus wurde nichts.

In der Linkspartei halten manche die Aufstellung Jochimsens für eine "überflüssige Show" und ein bloßes Zugeständnis an jene, die Probleme mit dem Anti-Kommunisten Gauck haben. Jochimsen selbst attackierte den von SPD und Grünen nominierten Kandidaten heftig. Der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde sei zwar "ein Aufklärer, aber ein Bundespräsident muss auch ein Versöhner sein, und das ist Gauck nicht". Auch Fraktionschef Gregor Gysi meinte, ein Linker sei der protestantische Pfarrer jedenfalls nicht.

Die Abgeordnete, der von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vor Jahren der hessische Verdienstorden überreicht wurde, bezeichnet sich als "Friedensstifterin" und "Versöhnerin von Ost und West" sowie als Anwältin der Schwachen.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: GUNTHER HARTWIG | 10.06.2010

Bundespräsident Köhler tritt zurück

"Ein Stück aus der Rumpelkiste"

Hannover Die Nervosität ist gewichen: Christian Wulff scheint sich seiner Wahl zum Bundespräsident nach vielen Gesprächen sicherer zu sein. Die niedersächsische Opposition wirft ihm schweres Versagen vor.... mehr

Luc Jochimsen tritt an

Berlin/Stuttgart Die baden-württembergischen Landtagsfraktionen setzen bei der Präsidentenwahl auch auf Prominente. Dabei gilt die Entscheidung als spannend. Nun hat auch noch die Linke eine eigene Kandidatin nominiert.... mehr

Wulff auf dem Sprung

Berlin Der künftige Bundespräsident heißt wahrscheinlich Christian Wulff. Auf dessen Kandidatur einigten sich Union und FDP. Seine Wahl gilt als sicher, obwohl SPD, Grüne und Linkspartei den Vorschlag ablehnen.... mehr

Schlossherr gefunden

Die Suche nach einem neuen Bundespräsidenten entwickelte sich am Ende zu einem Machtkampf. Die von CDU-Chefin Angela Merkel favorisierte Ursula von der Leyen scheiterte am Widerstand innerhalb der Union.... mehr

Der Kronprinz auf leisen Sohlen

Seit langem galt Christian Wulff als Kronprinz und Konkurrent der Bundeskanzlerin. Jetzt behauptete er sich im Rennen um die Köhler-Nachfolge.... mehr

SAGEN SIE MAL: Köhler wird seine Gründe gehabt haben

Jan Stefan Roell, Chef der Ulmer Firma Zwick, hat vor einem Jahr als Wahlmann Bundespräsident Hort Köhler gewählt. Was sagt Roell zum Rücktritt?... mehr

Die Qual der Wahl

Wer neuer Bundespräsident wird, ist noch offen. Bei der Entscheidung geht es auch um die Frage, welche Person am besten in die politische Landschaft passt. Eine knifflige Aufgabe für Kanzlerin Angela Merkel.... mehr

"Ein Stück Sicherheit schaffen"

Auf Unverständnis stößt der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler bei Bundestagsabgeordneten der Koalition aus dem Südwesten. Die Nachfolgersuche dürfte über ihre Köpfe hinweg erfolgen.... mehr

Umfrage: "Mein Schatz soll Bundespräsident werden"

Ulm Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler hat in der Koalition die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Die SÜDWEST PRESSE hat sich in Ulm umgehört, wen die Menschen gerne als Bundespräsident hätten. ... mehr

Kommentar: Ein großes Missverständnis

Berlin Der verstörende Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler markiert den Schlusspunkt eines großen Missverständnisses. ... mehr