REAKTIONEN
ARD wartet ab
Kachelmann kehrt trotz des Freispruchs vorerst nicht als Wettermoderator zur ARD zurück. "Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sehen wir in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf", sagte eine ARD-Sprecherin.
FDP-Ministerin übt Kritik
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat die Arbeit der Medien im Kachelmann-Prozess kritisiert. "Die Unschuldsvermutung ist in Gefahr, wenn Medien ihr Urteil fällen, lange bevor Richter gesprochen haben."
Frauenrechtler enttäuscht
Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes fürchtet eine fatale Signalwirkung vom Kachelmann-Prozess. Wegen der Berichterstattung um den Prozess und die Vorverurteilung der Nebenklägerin in Teilen der Öffentlichkeit würden sich Opfer sexueller Gewalt in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige zu erstatten, sagte Geschäftsführerin Christa Stolle. Ähnlich äußerte sich der Opferhilfeverein Weißer Ring: "Das Verfahren mit seinen extremen Ausuferungen wird uns in unserer Arbeit behindern, weil viele Opfer davon abgehalten werden könnten, eine Vergewaltigung anzuzeigen", sagte Sprecher Veit Schiemann.
Strafrechtler unzufrieden
Der Regensburger Strafrechtsprofessor Henning Ernst Müller hat das Verhalten der Staatsanwaltschaft kritisiert. "Mit der Werbung in der Presse für ihre Sichtweise ist die Staatsanwaltschaft zu weit gegangen", sagte er. Auch einzelne Medien hätten mit ihrer Aggressivität eine Grenze überschritten: "Wenn Zeuginnen außerhalb der Hauptverhandlung Geld für Exklusivinterviews angeboten wird, muss der Pressekodex reagieren." Dass dies zum Teil vor der offiziellen Aussage geschehen ist, sei an der Grenze des Erträglichen.
Meteomedia freut sich
Der 1990 von Jörg Kachelmann gegründete Wetterdienst begrüßte das Urteil. "Meteomedia freut sich über den längst überfälligen Freispruch ihres Firmengründers Jörg Kachelmann", erklärte die Firma.
Weitere Artikel:
- Aus Mangel an Beweisen
- Im Zweifel für den Angeklagten
- Wichtige Etappen auf dem Weg zum Urteil: Die mutmaßliche Vergewaltigung, die Festnahme am Flughafen, die Untersuchungshaft und 43 Prozesstage vor dem Landgericht Mannheim
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Autor: SWP | 01.06.2011
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