KOMMENTAR · KACHELMANN: Freispruch mit Schatten
Dass der Freispruch für Jörg Kachelmann nicht unmittelbar Frieden stiftet zwischen den Beteiligten und Beobachtern dieses denkwürdigen Strafverfahrens, darf niemanden verwundern. Dazu wirft das Urteil zu viele Schatten.
Und es lässt schwerwiegende Fragen offen: Wie kann eine Frau, die sich als Opfer einer Vergewaltigung anzeigt, mit dem Umstand leben, dass dieses Verbrechen, wenn es sich denn so zugetragen hat, ungesühnt bleibt? Wie geht, umgekehrt, der TV-Wettermoderator damit um, dass er, subjektiv unschuldig, vor Gericht wie auf der Anklagebank des Boulevards landet und ein furchtbarer Verdacht sein Image als Sunnyboy der Talkshowszene womöglich nachhaltig verdüstert?
Mit dem Freispruch aus Mangel an Beweisen ist das letzte Wort in dieser vergifteten Affäre gewiss nicht gesprochen. Der Nachhall auf ein bisher beispielloses Justizspektakel im grellen Licht der Medien wird lange andauern.
Sollte die offensive Informationsstrategie der Mannheimer Staatsanwaltschaft ebenso Schule machen wie der Krieg der Gerichtsreporter von Magazinen und Illustrierten, nimmt nicht nur die deutsche Prozesskultur Schaden. Viel schlimmer wäre, wenn künftig auch nur ein Fall sexueller Gewalt verschwiegen würde, weil vermeintliche oder tatsächliche Opfer fürchten müssen, ins Visier eines quoten- und auflagensteigernden Voyeurismus zu geraten.
GUNTHER HARTWIG
Weitere Artikel:
- Aus Mangel an Beweisen
- Im Zweifel für den Angeklagten
- Wichtige Etappen auf dem Weg zum Urteil: Die mutmaßliche Vergewaltigung, die Festnahme am Flughafen, die Untersuchungshaft und 43 Prozesstage vor dem Landgericht Mannheim
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Autor: SWP | 01.06.2011
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