WAS AUF DIE OHREN
Von der Sonne verwöhnt
Auf dem Albumcover von "One World One Love" (Universal) gibt Michael Bolton den smarten, jung gebliebenen Sunny Boy an der Klampfe und überrascht mit den neuen Songs. Eine Hammerstimme hatte Bolton schon in den 80er Jahren, nun aber umgibt er sich mit einem zeitgemäßen Popsound, den man ihm so nicht mehr zugetraut hätte. Klar klingt das nicht nach Das Ding, doch bei Radio 7 oder SWR 3 könnte fast jeder zweite Song problemlos laufen. Richtig gut gemachter Mainstream-Sound.
Hart verpacktes Jodelhü
Hage Hein, dessen bestes Pferd im Stall seit Jahren Hubert von Goisern ist, hat schon immer Lust an der Veröffentlichung verschiedenster Ausprägungen der Volksmusik gehabt. Hinter Edelschwarz und dem Album "Briten, Bauern & Barone" (Lawine)steckt Siegfried Haglmo, der bereits in den 90ern mit den "Hundsbuam Miserablige" positiv auffällig geworden ist. Hier nun drückt er die Folklore in die dunklen Ecken, mischt Synthies und harte Gitarren zum munteren Jodelhü und Gequetsche hinzu und beweist, dass auch im alpinen Rock noch längst nicht alles ausgereizt ist.
An den Wurzeln gepackt
Bereits sein fünftes Soloalbum hat Timothy B. Schmit mit "Excpando" (Universal) veröffentlicht und in Deutschland hat"s kaum jemand registriert. Dabei ist Schmit der Bassist der Eagles, und zu seinen Aufnahmen gesellt sich stets die Creme der US-amerikanischen Musikszene. Keb Mo spielt hier seine Dobro, Benmont Tench von den Heartbreakers ist ebenso am Start wie Graham Nash, Van Dyke Parks oder Kid Rock. Unterm Strich ist das völlig entspannter Roots-Rock von Musikern, die niemandem mehr etwas beweisen müssen, und Schmit basselt nicht nur gediegen, er hat Stimme.
Aus Pop wird Indie
Eine spannende Band waren die Shout Out Louds schon immer. Nun hat das Stockholmer Quintett allerdings einen heftigen Umkehrschwung eingelegt und mit "Work" (Vertigo) ein sehr ambitioniertes Pop-Album im Indieformat vorgelegt. Über bolzgeraden Beats versuchen sich die glasklaren Stimmen und von Echos multiplizierten Gitarren zum großen Ganzen zu verbinden. Zunächst ist das gewöhnungsbedürftig, denn Frontmann Adam Olenius hatte man irgendwie anders im Ohr. Aber gerade die Kontraste machen den Reiz des Albums aus, das die Nähe von elegantem Postrock sucht. Die Sound-Erneuerung verlangt Standhaftigkeit des Fans, der sich diese Arbeit, vielleicht mehrmals anhören muss, um sie würdigen zu können. Dann aber zünden die Schweden auch in der etwas dunkleren Sound-Variante. udo
