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SK Sontheim: lieber Dorfklub als Halbprofi-Truppe

Nach dem Abstieg aus der Oberliga trennte sich der SK Sontheim von einigen Spielern und meldete die erste Mannschaft ab, die zweite geht in der Verbandsliga ins Rennen.

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Zug zurück – der Schachklub Sontheim verzichtet auf seine bisherige erste Mannschaft und spielt nun mit der zweiten in der Verbandsliga.  Foto: 

Vier Jahre war der Schachklub Sontheim in der Oberliga Württemberg vertreten, stieß dabei jedoch an die Grenzen der Möglichkeiten für einen reinen Amateurverein. Mit dem Abstieg vollzog der SK nun einen Schnitt, trennte sich von den meisten auswärtigen Spielern und tritt mit der zweiten Mannschaft in der nächste Woche beginnenden Verbandsligasaison an.

Die Oberliga ist die dritthöchste Liga im deutschen Schach und spätestens hier verläuft auch die Grenzlinie zwischen reinen Amateurteams und Halbprofis. Um in dieser Liga erfolgreich spielen zu können, muss finanziell investiert werden.

Die Spieler haben ohne eine mehrtägige, computergestützte Vorbereitung kaum eine Chance, fordern entsprechende Entschädigungen. Dazu kommen Kosten für Fahrten und Übernachtungen. Dies führte in Sontheim schon in der Vergangenheit zu Diskussionen, letztlich sprach sich die Mehrheit der Mitglieder dafür aus, ein reiner Dorfschachklub mit Amateurstatus zu bleiben.

„Das ist nicht unsere Welt“

Die Folge waren schon in der zurückliegenden Runde gewisse Auflösungserscheinungen in der ersten Mannschaft und schließlich der Abstieg. „Es hätte sich vielleicht irgendwie finanzieren lassen, aber das ist nicht unsere Welt, würde unser Gefüge zerstören“, erklärt der Sontheimer Vorsitzende Roland Mayer.

Prinzipiell ist es im Schach bei entsprechenden Mitteln nicht schwierig, sich starke Mannschaften „zusammenzukaufen“. Schließlich kann jeder für sich trainieren, es reicht, die Spieler zu den Wettkämpfen einfliegen zu lassen. So tummeln sich in der deutschen Bundesliga, die als die stärkste der Welt gilt, schon seit vielen Jahren absolute Topstars des königlichen Spiels.

Der deutsche Meister OSG Baden-Baden (elf Titel in den vergangenen zwölf Jahren) hat beispielsweise 16 Großmeister im Aufgebot, in den Begegnungen treten nur jeweils acht Akteure an. Darunter sind mit Fabiano Caruana, Maxime Vachier-Lagrave, Ex-Weltmeister Viswanathan Anand und Levon Aronian der Dritte, Fünfte, Siebte und Neunte der Weltrangliste. Ein deutscher Spieler folgt erst an Position zehn, die dominierende Frauen-Weltmeisterin Yifan Hou steht nur an Nummer 13.

Und die anderen deutschen Spitzenteams sind nicht viel schlechter besetzt. Dieses Niveau wirkt sich natürlich auch auf die Spielklassen darunter aus. Selbst in der viertklassigen Verbandsliga finden sich schon viele ausländische Spieler und Mayer weiß, dass im Stuttgarter Raum bis in die Bezirksliga Handgeld bezahlt wird.

Die Sontheimer wollen nun aus dieser Spirale heraus. Der Verein besteht ja aus weit mehr als nur der ersten Mannschaft. Vergangene Saison waren sieben Teams von der A-Klasse bis zur Oberliga im Spielbetrieb. Und das mit Erfolg, die dritte Mannschaft feierte den Aufstieg in die Landesliga, die zweite den Sprung in die Verbandsliga.

Sontheim I ist erster Absteiger

Der SK wäre also mit zwei Teams in der württembergischen Verbandsliga Nord vertreten gewesen. Aufgrund der Abgänge kam es in der Spielerversammlung aber zur Entscheidung, erstmals in der Vereinsgeschichte eine ganze Mannschaft – und dann auch noch die erste – kurzfristig zurückzuziehen. Da dies nach dem Stichtag erfolgte, bleibt Sontheim I offiziell in der Liga, wird aber nicht antreten und steht als erster Absteiger fest.

Die zweite Mannschaft ist nominell drittstärkstes Team der am 24. September den Spielbetrieb aufnehmenden Verbandsliga, aber meilenweit von den mit Legionären besetzten Topteams Spraitbach und Schönaich II entfernt. „Platz drei oder vier wäre toll, Rang fünf auch okay“, sagt Mayer, der zumindest mit dem sicheren Klassenerhalt rechnet.

Beim SK blieben der mehrfache Weltmeister im Blindsimultan Marc Lang und Ex-Bundesligaspieler Edwin Riefer, der sich beim Dorfklub einfach wohl fühlt. Bei Lang ist es allerdings aus gesundheitlichen Gründen noch offen, ob er regelmäßig spielen kann. Ansonsten sitzen die bekannten langjährigen Akteure am Brett, von denen die meisten im Verein groß geworden sind.

„Wir müssen uns jetzt erst einmal wieder fangen, wieder als echte Mannschaft antreten“, erklärt Mayer, nachdem es in den letzten Jahr doch auch schlechte Erfahrungen mit den Legionären gegeben hatte. Trotzdem könnte er sich vorstellen, dass der Dorfverein in den nächsten Jahren wieder einen Angriff startet, die Basis ist schließlich vorhanden.

Warum gilt Schach als eine Sportart?

Schach als Sport? Für viele passt das nicht zusammen. Die Diskussion, ob das Spiel auf den 64 Feldern die Kriterien für Sport erfüllt, flammt immer wieder auf.

Fakt ist, dass der Deutsche Schachbund Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist und das Internationale Olympische Komitee Schach ebenso als Sportart anerkennt wie der deutsche Gesetzgeber in seiner Abgabenordnung. Dies trifft beispielsweise auf Skat nicht zu. In einer Studie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportbund von 1984 wurden 32 Kriterien für Sport aufgestellt – Schach erfüllte davon 31.

Lediglich eine körperliche Dauerbelastung ist nicht gegeben, wobei aber bereits nachgewiesen wurde, dass Spieler bei längeren Turnieren auch an Gewicht verlieren. Für die meisten Profis des königlichen Spiels ist es klar, dass sie zusätzlich körperlich trainieren (Schwimmen, Laufen, Radfahren), um den Anforderungen beim Wettkampf in einem Turnier gerecht werden zu können.

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