Partner der

Kegeln – wirklich nur ein Kinderspiel?

Kegeln – Viele kennen das Schieben der Kugeln von Geburtstagen mit einer Schar Elfjähriger oder vom wöchentlichen Stammtisch. Aber wie sieht es im Bereich des Leistungssports aus?

|
Präzision ist beim Kegelsport besonders gefragt. Für die Liga wird das trainiert, in der Freizeit tut es oft ein bisschen Glück.  Foto: 

Alle sind wohl schon mal in die Vollen gegangen – und trotzdem weiß keiner so recht, was genau dahintersteckt: Kegeln. Denn obwohl der Sport als Freizeitspiel weitaus populärer ist, gibt es ihn auch als „richtigen“ Sport. Genau wie Handball oder Fußball, nur eben mit Kugeln statt mit Bällen.

Wirklich als Sport wahrgenommen wird Kegeln allerdings oft nicht, schließlich werden auf der Bahn keine Kilometer zurückgelegt, keine Gewichte gestemmt und auch keine Handstände gemacht. Dennoch muss ein Sportkegler fit sein – nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental.

Saskia Barth ist dafür ein gutes Beispiel. Sie spielt in der ersten Kegel-Bundesliga und der Nationalmannschaft. Ihr Verein ist der KC Schrezheim (nahe Ellwangen), der ebenso wie die zehn Kegelvereine im Kreis Heidenheim zum Bezirk Alb Donau gehört. „Wenn es auf Meisterschaften zugeht, trainiere ich fast jeden Tag, bis ich meine Höchstleistung abrufen kann. Dabei darf auch das Konditionstraining abseits der Bahn nicht zu kurz kommen“, so die 22-Jährige.

Zwei Teams in der Bundesliga

Der ersten Bundesliga kommen die beiden Herrenmannschaften aus Königsbronn und Niederstotzingen am nächsten, beide starten in der zweiten Bundesliga. Christian Koller ist Mannschaftsführer des Niederstotzinger Teams und weiß, dass der Unterschied in puncto Können zwischen Liga eins und zwei in den vergangenen Jahren weitaus größer geworden ist, als der zwischen Liga zwei und drei.

„Mit dem Aufstieg haben sich viel eher die Fahrtzeiten als die Qualität verändert, weil die Gegner jetzt auch aus dem Bayerischen und Badischen kommen“, so Koller, der seit 20 Jahren dabei ist. „Ich bin da durch meine Familie reingekommen“, erzählt er.

Dem Bezirksjugendsportwart Bernd Oelschig kommt das bekannt vor. „Die meisten Kinder kegeln nur, weil auch ihre Eltern im Verein aktiv sind“, so Oelschig, der in Burgberg die Jugend trainiert. Er kämpft seit Jahren um Nachwuchs, aktuell sind nämlich gerade mal 42 der rund 400 Kegler im Kreis Jugendliche.

Vor drei Jahren hat er im Bezirk als Vorreiter in Deutschland deshalb die U-10 eingeführt, vorher durften Kinder erst ab 10 Jahren mit dem Sport beginnen. „Das war viel zu spät, da machen die Kleinen ja längst etwas anderes“, so Oelschig. Desweitern sieht er die Vereine in der Pflicht, mehr für die Jugendarbeit zu tun. Es gelte, Aktionen für die Kinder zu starten, er wisse aber auch, dass dafür schon viele Vereine überaltert seien. Rentnersport heißt es oft, weil viele Kegler bis ins hohe Alter dabeibleiben können. Das liegt mitunter an den Lochkugeln, die so manchem Hobbykegler bekannt vorkommen, und die es auch beim Bowling gibt. Dadurch kann die Kugel besser gegriffen werden. In der Regel nehmen Sportkegler aber Kugeln ohne Löcher, um die neun Kegel wegzukriegen.

Auf die Technik kommt es an

Ein Technikleitbild soll dabei helfen, die Kugeln vorne richtig zu platzieren. Das ist eine Art Grundkonzept für den Anlauf eines Keglers: In welchem Stand wird begonnen, wie viele Schritte macht man, wie kommt man vorne zum Stehen, und was macht man in welchem Moment mit seinen Armen?

Obwohl Kegeln ziemlich monoton aussieht, weil man 120 Mal hintereinander das Gleiche macht, ist diese Technik der entscheidende Unterschied zwischen den verschiedenen Würfen. Denn jede noch so kleine Veränderung wirkt sich darauf aus, wo die Kugel landet. Läuft der Sportler während seines Anlaufs zum Beispiel zu weit nach links, passiert es schnell, dass die Hand vorne bei der Kugelabgabe automatisch auszugleichen versucht und nach rechts zieht. Das Ergebnis: Die Kugel schlägt zu wenig mittig ein und man trifft nur ein paar Kegel. Hinzu kommt, dass sich ein Kegler auf jeder Bahn neu zurechtfinden muss, weil alle unterschiedlich sind.

„Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung und macht das Kegeln mit aus“, findet Nationalspielerin Barth. Für Koller zählt noch etwas Anderes. Die Erfolge auf der Bahn könne er für sich selbst verbuchen, und trotzdem sei Kegeln gleichzeitig ein Mannschaftssport. Seine persönliche Bestleistung waren 649 getroffene Kegel, ein Top-Ergebnis. Und mit seinem Talent ist er in Deutschland nicht alleine.

Nationaltrainer Günther Doleschel erklärt, dass der deutsche Kegelsport trotz harter internationaler Konkurrenz im Spitzenbereich mithalten kann, sowohl die Männer als auch die Frauen tragen momentan den Titel Vizemannschaftsweltmeister. Die härtesten Gegner bei den Weltmeisterschaften kommen dabei meist aus Kroatien, Slowenien, Serbien und Ungarn. Vor allem in letzteren beiden Ländern gebe es so richtige „Profis“, die den Kegelsport hauptberuflich ausüben. Das sei aber eine Ausnahmeposition, die ein deutscher Sportler nicht erreichen könne.

Aber zurück in den Kreis: Viele Zuschauer gibt es bei den Kegelspielen nicht. Zumindest keine externen, vielmehr sind es Familien- und Vereinsmitglieder der Sportler. Laut ist es trotzdem immer, schließlich haben Kegler für fast jede Anzahl von gefallenen Kegeln einen Spruch, der von Verein zu Verein variieren kann.

Auf der Kegelbahn ist es sehr laut

Bei fünf Kegeln heißt es etwa „Schnuffi“, bei sechs Kegeln „Sexy“ und bei acht und neun Kegeln erklingen halbe Lieder. Ein Glück, dass Sportkegler das so gewohnt sind – und so trotzdem genug Konzentration und Nervenstärke auf der Bahn beweisen können. Denn beim Wettkampf muss man den Gegner mit jedem einzelnen Schub unter Druck setzen. Ein Patzer – und schon kann es gelaufen sein.

Seit einer Systemumstellung sind die Regeln beim Kegeln ziemlich kompliziert. Ziel der Umstellung war es, das Spiel spannender zu machen und sich international anzupassen. Seit der Umstellung spielt jeder Kegler 120 Wurf.

Eine Mannschaft besteht aus sechs oder - in den unteren Klassen - vier Spielern. Bei einer sechsköpfigen Mannschaft gehen jeweils zwei Spieler gleichzeitig an den Start. Bei Heimspielen beginnen diese auf den Bahnen 1 und 3, bei Auswärtsspielen auf den Bahnen 2 und 4. Auf den jeweils übrigbleibenden Bahnen stehen die beiden Gegner. Jeder Spieler muss auf jeder Bahn einen Durchgang absolvieren.

Ein Durchgang besteht aus 30 Wurf, 15 Wurf in die Vollen und 15 Wurf ins Abräumen (solange, bis alle Kegel weg sind). Dafür hat man 12 Minuten Zeit. Ist die Zeit vorbei, kommen die Kegel nicht mehr runter.

Im direkten Duell werden die vier Durchgänge gegen den Gegner gespielt. Wer den besseren Durchgang hat, bekommt einen Satzpunkt. Wer am Ende mehr Satzpunkte geholt hat, bekommt den Mannschaftspunkt. Steht es 2:2, zählt die bessere Holzzahl, also das bessere Ergebnis.

Gleichzeitig spielt man immer in den Pott mit allen Ergebnissen der sechs Spieler einer Mannschaft. Denn die Mannschaft mit dem besseren Gesamtergebnis bekommt am Ende nochmal zwei Satzpunkte. Insgesamt werden also acht Satzpunkte, sechs einzelne und zwei im Team, vergeben.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Der Leiter der HSB-Fechtabteilung Jochen Kassel ist plötzlich verstorben

Der plötzliche Tod des Abteilungsleiters Jochen Kassel erschüttert den HSB. Der frühere Prokurist der Landesgartenschau war seit fünf Jahren beruflich und ehrenamtlich fürs Fechten im Einsatz. weiter lesen

231GL