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Boris Angerer: Vom dicken Teenager zum Ironman

Der Steinheimer Boris Angerer hat sich als 18-Jähriger dazu entschlossen, sein Leben umzukrempeln. Am Samstag nimmt der heute 39-Jährige am wohl härtesten Ironman auf Hawaii teil.

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Ironman Boris Angerer in seinen Elementen: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Die ersten beiden Bilder (von links) entstanden bei seinem ersten Wettkampf auf den Philippinen, das letzte im chinesinschen Qujing, bei dem er seinen Slot für die Weltmeisterschaft in Kona ergatterte. Dieser ist unten auf der Seite abgebildet.  Foto: 

Deutliches Übergewicht diagnostiziert der Body-Maß-Index-Rechner, wenn man mit 18 Jahren bei einer Größe von 1,70 m ein stolzes Kampfgewicht von 115 Kilo angibt. Das nämlich waren einst die Maße von Boris Angerer, der unverblümt zugibt: „Ja, ich war in meiner Jugend relativ dick.“

Mit 18 packte ihn dann schließlich der Rappel und er sagte sich: „So kann's nicht weitergehen.“ Also fing Angerer an, ins Fitnessstudio zu gehen. Heute nimmt der 39-Jährige, der jetzt noch 59 Kilo auf die Waage bringt, an Ironman-Wettkämpfen teil und hat sein Traumziel erreicht: Er darf bei der Ironman-Weltmeisterschaft im hawaiianischen Kona dabei sein.

Immer besser, immer schlanker

Der Grund für seinen plötzlichen Ehrgeiz waren weniger die Mädels, bei denen es nicht so recht klappen wollte, sondern vielmehr der Anspruch an sich selbst. Angefangen bei drei Kilometern auf dem Laufband lief der Steinheimer irgendwann beim Einstein-Marathon in Ulm mit, wo er sich beim Halbmarathon von von Jahr zu Jahr kontinuierlich in seiner Zeit steigerte – von zwei über eindreiviertel bis hin zu eineinhalb Stunden. „Ich wurde immer besser und immer schlanker.“

Vor etwa sechs Jahren verschlug es den selbstständigen Informatiker dann beruflich nach China: „Da ist es relativ langweilig und man kann außer Arbeiten nicht wirklich viel machen.“ Als er eines Tages durch ein Kaufhaus bummelte, bemerkte er Plakate, die auf einen Triathlon hinwiesen. „Da standen auch ein paar Jungs rum, die Fotos gezeigt haben“, so Angerer. Er sei mit ihnen ins Gespräch gekommen und am Ende luden sie ihn ein, beim Training vorbeizukommen. Das tat er und nahm ein dreiviertel Jahr später an seinem ersten Triathlon auf den Philippinen teil: „Der war katastrophal, aber ich habe gefinished.“

Premiere in Malaysia

Auf Dauer war dem Steinheimer die Mitteldistanz – zwei Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren, 20 Kilometer Laufen – auch zu wenig und so folgte 2015 der erste Ironman in Malaysia. Ein Ironman wird auch als Langdistanz-Triathlon bezeichnet und umfasst 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen (Marathon-Distanz). „Den habe ich in 13,5 Stunden geschafft, den 2016 in Frankfurt dann in elf Stunden.“

Seinen wohl größten Traum hat sich Angerer allerdings heuer erfüllt: „Ich bin in Kona (Hawaii) dabei.“ Bei der Ironman-Weltmeisterschaft dürfen nur Athleten mitmachen, die sich dafür qualifizieren. Und das ist gar nicht so einfach. „Man muss sich einen Slot ergattern und von denen gibt es pro Rennen nur eine bestimmte Anzahl“, erklärt Angerer. Er selbst hat sich in China qualifiziert: „Da gab es vier Slots. Ich bin Fünfter geworden, einer hat verzichtet und ich bin nachgerückt.“

So richtig realisieren konnte der 39-Jährige sein Glück aber erst, als er Flug und Hotel buchte und sich um sein Visum kümmerte: „Da wurde mir klar, ich bin einer von 2400, einer der besten Triathleten der Welt.“ Mittlerweile ist Angerer vor Ort, der zur Vorbereitung sechs Tage die Woche trainiert hat. Bis Donnerstag tut er das noch, „da haben wir dann Ruhetag und am Freitag eine kurze Vorbelastung“.

Hawaii schreibt eigene Gesetze

Am Samstag geht es um 6.30 Uhr morgens los und Angerer sagt: „Noch tagsüber zu finishen, wäre gut“ – also bevor um 18 Uhr die Sonne wieder untergeht. Ansonsten hat er sich kein Ziel gesetzt außer durchkommen, denn: „Hawaii schreibt seine eigenen Gesetze. Hier ist es extrem heiß, es geht ein extremer Wind und es sind einfach extreme Bedingungen.“

Stolz ist Angerer schon ein bisschen: „Vor 15 Jahren wurde ich belächelt und alle haben gesagt: Schau mal, da läuft er wieder, der Dicke und jetzt bin ich hier – voll infiziert mit dem Triathlon-Virus.“

Und auch mit den Frauen hat es am Ende geklappt: Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und auch wenn er aufgrund seines Jobs in China nur alle sechs bis acht Wochen nach Hause, nach Steinheim am Albuch, zurückkehrt, so hat sich seine Familie längst an alles gewöhnt. Nur eine Bitte gab es: Hawaii bitte nicht jedes Jahr.

Der Ironman auf Hawaii wird am Samstag, 14. Oktober, ab 0.25 Uhr live im ZDF übertragen.

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