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"Nur hüpfen muss man können"

Kerzengerade Haltung, keltische Musik und fliegende Beine. Man kennt die Bilder von "Riverdance". Aber Irish Dance in Oggenhausen? Tatsächlich gibt Jenny Paatz dort seit eineinhalb Jahren Unterricht.

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  • In der Vorrunde der Europameisterschaften im Irish Dance belegte Jenny Paatz (Mitte) im vergangenen Jahr in Düsseldorf den ersten Platz. 1/2
    In der Vorrunde der Europameisterschaften im Irish Dance belegte Jenny Paatz (Mitte) im vergangenen Jahr in Düsseldorf den ersten Platz.
  • Die Mädels von Jenny Paatz: Jeden Donnerstag wird in Oggenhausen in der Turnhalle ab  17 Uhr für eineinhalb Stunden Irish Dance trainiert. Foto: Jennifer Räpple 2/2
    Die Mädels von Jenny Paatz: Jeden Donnerstag wird in Oggenhausen in der Turnhalle ab 17 Uhr für eineinhalb Stunden Irish Dance trainiert. Foto: Jennifer Räpple Foto: 
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Ortstermin Oggenhausen. Turnhalle. Der Plan: Ein Gespräch mit Jenny Paatz, deutsche, irische und europäische Vizemeisterin im Solotanz, und danach beim Irish-Dance-Unterricht zugucken. „Aber Sie machen natürlich mit“, sagt die Trainerin, kaum dass die Hände zur Begrüßung geschüttelt sind. Schluck. Wo ist das Hintertürchen? Herauswindungsversuche wischt sie mit einer Handbewegung weg. „Ach was, das kann jeder lernen. Und ich bin die geduldigste Lehrerin, die ich kenne.“ Der Frau schlägt man so leicht nichts ab und ihre Begeisterung wirkt ansteckend. Sie selbst tanzt seit acht Jahren. „Als Kind habe ich in einer Trachtengruppe getanzt. Während des Studiums kam ich zufällig zum Irish Dance. In der ersten Stunde hat sich herausgestellt, dass ich ein Naturtalent bin“, sagt die 32-Jährige lachend.

Nun kennt man Irish Dance entweder von Tanzshows wie „Riverdance“ und „Lord of the Dance“ oder aus dem Irland-Urlaub. Jigs, Reels und Hornpipes kann man als Tourist abends in den Pubs bewundern. Weniger als Show-Einlage – die Iren musizieren und tanzen nach Feierabend einfach gern.

Sieben Solotänze - vier Schwierigkeitsstufen

Allerdings weiß kaum jemand, dass diese Tanzart auch ein reglementierter Wettkampfsport ist. „Irish Dance ist unglaublich abwechslungsreich“, sagt Jenny Paatz. „Es gibt allein sieben unterschiedliche Solotänze und jeweils vier Schwierigkeitsstufen bei den Wettkämpfen. Außerdem verschiedene Choreographien. Dazu kommen aber noch Gruppentänze, die man zu zweit, viert oder sogar zu acht tanzen kann.“ Die Wertungsrichter achten auf Haltung, Sprungkraft, Spannung in den Armen.

Als Irish-Dance-Neuling beginnt man mit Solos. „Irish Dance funktioniert wie ein Baukasten. Man sammelt einzelne Schritte und setzt die unterschiedlichen Module dann zusammen“, erklärt Paatz. Außerdem entwickle sich die Tanzart ständig weiter. Viele neue Schritte kämen aus dem Ballett. Wie der Bicycle: Man schnellt auf einem Bein hoch und macht in der Luft mit beiden Beinen schnelle Radfahrbewegungen. Sieht schwierig aus. „Ist es nicht. Man muss nur Mut haben, es auszuprobieren“, versichert Jenny Paatz.

Seltenes Hobby

Seit „Riverdance“ ist der irische Tanz in Deutschland extrem beliebt. Irish-Dance-Kurse seien aber dennoch selten, so Paatz. „Es gibt viele irische Feste, auf denen getanzt wird. Allerdings ist das Niveau oft nicht sehr hoch. Manchmal denke ich mir, die Tanzgruppen hätten mich lieber vorher als Trainerin buchen sollen. Für die Zuschauer ist es aber trotzdem ein tolles Erlebnis.“

Noch toller sei es natürlich, selbst zu tanzen. Und Irish Dance, das sei für jeden etwas. „Es ist wichtig, dass man die Musik mag und Lust hat, sich darauf zu bewegen“, sagt Jenny Paatz. „Man muss auch nicht zwingend Rhythmusgefühl haben.“ Teilnehmer sollten mindestens sechs Jahre alt sein. „Nach oben gibt es keine Grenzen. In unserer Tanzschule waren auch Frauen mit 75 dabei. Man muss nur noch etwas hüpfen können.“

Alleine und doch gemeinsam

Das besondere am Training: „Man trainiert in der Gruppe, kann aber trotzdem sein eigenes Lerntempo halten, weil man ja überwiegend für sich allein tanzt“, sagt Jenny Paatz, die in Bernstadt wohnt und bei der BSH in Giengen als Technische Redakteurin arbeitet. Auch die Zusammengehörigkeit ihrer Organisation „World Irish Dancing Association“ (Wida) sei enorm. „Die Atmosphäre auf den Wettkämpfen ist sehr angenehm. Das ist ein großes Miteinander und man kann sich als Neuling von den Profis Tipps holen, obwohl man eigentlich ein Konkurrent ist.“

In irischen Pubs wird mit Straßenschuhen getanzt. Für Training, Auftritte und Wettkämpfe gibt es aber spezielles Schuhwerk. Man tanzt entweder in Soft-Shoes – eine Mischung aus Ballerinas und Römerlatschen, die kaum Geräusche machen und ganz leicht sind – oder man in Heavy Shoes. Bei diesen sorgen Fiberglas oder Holz unter den Zehenspitzen für das riverdance-typische Stepp-Geräusch. Pflicht bei den Wettkämpfen sind außerdem pompöse kurze Kleidchen mit Pailletten, Federn und jeder Menge Strass. Und Perücken. „Die Perücken sind einfach praktisch“, sagt Paatz. „Wenn man beim Auftritt schwitzt, sehen die Haare sonst danach unmöglich aus.“

Paatz' Ziel: die Weltmeisterschaften

Dieses Jahr möchte Jenny Paatz noch einmal an den Weltmeisterschaften im April in Düsseldorf teilnehmen. Dann soll Schluss sein. „Es ist schon stressig, sich immer wieder auf Höchstleistung zu bringen. Und nur gut zu sein, das reicht mir einfach nicht.“ Für danach hat sie allerdings schon Pläne. Sie möchte sich noch mehr aufs Unterrichten konzentrieren und sich außerdem zur Wertungsrichterin ausbilden lassen.

Unfreiwillig Trainierende – in diesem Fall die Autorin des Artikels – sind allerdings froh, nicht gleich bewertet zu werden. Der „Seven Steps“ in Socken braucht es vor allem Gleichgewichtssinn, eine Rechts-Links-Schwäche ist kontraproduktiv. Und man braucht Humor, wenn man über die eigenen Füße stolpert. Ein Spaß ist es aber allemal.

Info: Das Irish-Dance-Training in Oggenhausen findet für Erwachsene mittwochs zwischen 18.15 und 19.45 Uhr statt, für Kinder donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr. Weitere Infos gibt es bei Jenny Paatz unter Telefon 0179.7980279 oder per E-Mail an jenny.paatz@gmx.de

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