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MSC Gerstetten mischt beim Supercross in Stuttgart mit

Der Verein hilft jedes Jahr dabei, das Supercross in der Stuttgarter Schleyer-Halle aufzubauen. Beim Rennen waren auch talentierte Vertreter aus dem Kreis am Start.

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Genau wie Knetmasse fühlt sich der walnussbraune Dreck an, aus dem gerade eine Motocross-Strecke modelliert wird – mitten in der Hanns-Martin-Schleyer Halle, mitten in Stuttgart. Für das 35. ADAC Supercross wurden 200 Lastwagen-Ladungen mit 3800 Tonnen Lehmerde angekarrt, die der belgische Streckendesigner Freddy Verherstraeten jetzt mit seinem Team bearbeitet. Am einen Ende schaufelt ein großer Bagger, am anderen ein kleiner, mittendrin planiert eine Raupe und eine kleine, ferngesteuerte Walze, die an den Disney-Pixar-Roboter Wall-E erinnert, ist ebenfalls unterwegs.

Auch der Spaßfaktor kommt mit der Lehmerde nicht zu kurz: Hinter dem Zielsprung sind einige Männer dabei, die Startmaschine aufzubauen und während sie auf ihren Chef warten, werden daraus Kugeln geformt und aufeinander geworfen. „So geht es hier meistens zu. Entweder es wird Blödsinn gemacht oder geredet“, sagt Wolfgang Reinhardt, Sportleiter beim MSC Gerstetten und federführender Verantwortlicher beim Aufbau in der Schleyerhalle.

Mit Spaß bei der Sache

Aber genau das sei der Grund, warum seine 70-köpfige Mannschaft so gerne hier mithelfe – und das seit nun schon 33 Jahren. „Wir sind schon seit Dienstagabend hier. Da haben wir schon mal die Banden aufgebaut“, so Reinhardt. Am Mittwochmorgen habe man das Sägemehl auf dem Beton-Untergrund verteilt und kurz darauf sei der erste Drecklaster vorgefahren. „Seitdem wird abgeladen und modelliert.“

Das Supercross in Stuttgart bilde traditionell den Auftakt der Drei-Hallen-Serie, die außerdem in Chemnitz und Dortmund stattfindet. „Die Strecken macht immer der Freddy. Der hat sich beim Supercross schon einen Namen gemacht und entwirft jedes Jahr ein neues Layout“, erklärt der 31-Jährige, der das Koordinatoren-Amt vor drei Jahren von seinem Vater Rolf Reinhardt übernommen hat.

Doch zurück zur Startmaschine: Die war es nämlich, die den MSC Gerstetten zum Supercross brachte. Im zweiten Jahr sagte die erste Aufbau-Firma kurzfristig ab und so musste sich Willi Schmid vom ADAC Württemberg, der damalige Organisator des Stuttgarter Events, Ersatz suchen. Da Reinhardts Vater ein guter Freund von Schmid war, wusste er auch, dass der MSC Gerstetten eine der wenigen auf- und abbaubaren Startmaschinen in Deutschland besitzt und so war der Deal perfekt.

Über die Jahre wurden die Aufgaben umfangreicher: Schon im Sommer kümmert sich der MSC darum, die Strohballen zur Sicherung der Strecke aufzutreiben, lagert sie ein, verpackt sie, bringt sie nach Stuttgart. „Eine Woche vor dem Event füllen wir einen Sattelzug, einen Siebeneinhalbtonner, ein paar Hänger und nehmen von der Schaufel über Schrauben bis hin zum Kochlöffel alles mit“, so Reinhardt. Ja sogar ein eigener Herd und eine Spülmaschine sind dabei, denn die mit angereiste Küchenmannschaft kocht für sämtliche Helfer – über 220 Essen pro Tag.

Am Anfang wurde auf Holz gefahren

Früher, als die Motocross-Fahrer noch über Holz-Hindernisse fuhren, habe der Fokus noch auf dem Sport gelegen. „Heute muss man das zu einem richtigen Event machen. Da darf Pyrotechnik nicht fehlen. Außerdem haben wir dieses Jahr zum ersten Mal eine Band dabei und nicht mehr nur Musik vom Band“, erklärt Reinhardt. Und wenn die Strecke schließlich fertig modelliert ist, werden die rund 800 Strohballen auf der Strecke verteilt. Die Podeste für die Moderatoren und die Siegerehrung werden aufgebaut, Werbebanner aufgehängt, Technik und Licht bekommen den Feinschliff.

Dann kann die Veranstaltung am losgehen. Während einige Fahrer schon am Donnerstagnachmittag angereist sind, trudeln die kleinsten Schützlinge am Freitagmorgen ein. In der Klasse SX 5 fahren zwölf Nachwuchstalente zwischen sechs und zehn Jahren auf ihren 50-ccm-Maschinen mit. Sie haben sich über den BW-Cup qualifiziert, unter ihnen sind auch Elena Turi vom MSC Gerstetten und Tim Staab vom MSC Schnaitheim.

Beide sind quasi schon alte Hasen im Business, weil sie bereits zum zweiten Mal beim Supercross mitfahren. „Ich habe mir fürs Rennen vorgenommen, unter die ersten Fünf zu kommen“, sagt Staab, der nach dem Zeittraining ganz enttäuscht die Strecke verlassen hatte. „Der hat nicht richtig gezählt, ich war schneller“, deutet Staab mit Tränen im Gesicht auf den Transponder an seiner Maschine. Mama Jessica Staab redet ihm gut zu: „Ihr wart alle ganz eng beieinander. Im Rennen wird's besser.“

Auch Turi ist nach dem Lauf aufgewühlt: „Einer hat einfach abgekürzt und mich dann aufgehalten.“ Doch kurz vor dem Rennen steht sie wieder äußerst selbstsicher neben ihrem Mini-Motorrad: „Ich werde Zweite, weil der Max Weber schneller ist als ich.“

Platz drei geht an Gerstetten

Und ihr gutes Gefühl sollte sie nicht trügen. Nach der Eröffnungsshow und den Qualifikationsläufen der großen Supercrosser sind endlich Staab und Turi an der Reihe. Die Neunjährige liegt zunächst im Mittelfeld, kann sich aber bis auf Platz drei vorkämpfen. Staab wird Achter. Beide nehmen mit einem strahlenden Lächeln ihre Pokale in Empfang, denn hier bekommen alle Teilnehmer einen.

Rennleiter, Streckenposten und natürlich auch Reinhardt als Koordinator stehen das gesamte Wochenende unter Strom. „Es ist so ruhig gerade, hoffentlich geht nicht noch was schief“, sagt Reinhardt mehrmals. Doch Zwischenfälle bleiben aus. Und am Samstagabend wird direkt nach der Freestyle-Show in einer Nachtschicht mit dem Abbau begonnen. „Um ein Uhr in der Nacht waren wir soweit fertig, um halb sieben in der Früh ist dann die Kehrmaschine gefahren und hat die letzten Spuren beseitigt.“ Um Punkt 12 Uhr mittags saßen am Sonntag alle Helfer im Gerstetter Clubhaus zum Abschlussessen.

Der Begriff Supercross wird für Rennen verwendet, die in Hallen oder Stadien (vor allem in den USA) stattfinden. Diese werden speziell für die jeweiligen Veranstaltungen präpariert, sprich mit Erde oder Lehm aufgefüllt.

Da in einer Halle nur begrenzter Raum zur Verfügung steht, ist das Streckenlayout technisch anspruchsvoll und spektakulär. Es gibt verhältnismäßig viele Sprünge, sodass den Fahrern kaum Zeit bleibt, zur Ruhe zu kommen.

Aus diesem Grund werden Supercross-Rennen über eine kurze Distanz (etwa 15 Minuten pro Rennen) ausgetragen. Auf dem beengten Raum können zudem nur wenige Fahrer gleichzeitig fahren.

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