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Turmläufer Patrick Schäfer mischt an der Spitze mit

Für die Aussicht vom Ulmer Münster lohnt sich der steile Weg nach oben allemal. Doch der gemütliche Gang ist nichts für Patrick Schäfer. Der Herbrechtinger bezwang den höchsten Kirchturm der Welt zuletzt in 2:51 Minuten. Als Turmläufer mischt er deutschlandweit an der Spitze mit.

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  • Im Sprint hinauf: Die 560 Stufen des Ulmer Münsters bewältigte der Herbrechtinger Patrick Schäfer in 2:51 Minuten – und stellte damit eine neue persönliche Bestzeit auf. 1/2
    Im Sprint hinauf: Die 560 Stufen des Ulmer Münsters bewältigte der Herbrechtinger Patrick Schäfer in 2:51 Minuten – und stellte damit eine neue persönliche Bestzeit auf. Foto: 
  • Gut gelaunt: Patrick Schäfer beim Interview. 2/2
    Gut gelaunt: Patrick Schäfer beim Interview. Foto: 
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Aussicht? Für die bleibt zunächst keine Zeit. In 2:51 Minuten ist Patrick Schäfer 560 Stufen (102 Meter) zum zweiten Turmkranz des Ulmer Münsters raufgesprintet. Sitzen, trinken, grübeln. Die Zeit seiner Kontrahenten kennt er da nämlich noch nicht. Nach und nach trudeln alle Turmläufer, gestartet wird in Intervallen, ein. Es wird voll, oben auf dem höchsten Kirchturm der Welt. Am Ende wird Schäfer Zweiter – mit sechs Sekunden Rückstand auf Christian Riedel aus Erlangen, der immerhin Nummer drei der Welt ist und bereits das Empire State Building in New York läuferisch erobert hat.

Schäfer steht dagegen eher am Anfang. In diesem Jahr hatte er sich dazu durchgerungen, sein Glück auf nationaler Ebene zu versuchen. Bei der deutschen Meisterschaft im Juni in Frankfurt am Main benötigte der 26-Jährige für die 1200 Stufen des Messeturms, dem höchsten zu erklimmenden Gebäude in Deutschland, 7:20 Minuten. Damit belegte Schäfer den zweiten Platz – auch da hinter Riedel.

In Köln sollte es der dritte Rang sein. Dass Treppenhaus des höchsten Kölner Bürogebäudes (148 Meter) habe ihm aber nicht gelegen, erklärt Schäfer. „Mir kommt ein untypisches Treppenhaus eher entgegen“, fügt der Herbrechtinger an. So eins eben wie im Ulmer Münster. „Es hat eine enge Wendeltreppe und kein Geländer. Viele professionelle Läufer setzen ihre Arme ein und ziehen sich regelrecht hoch. Bei mir kommt aber alles aus den Beinen.“

Der Saisonabschluss verlief allerdings nicht so gut. Beim Weltcup in Münster (Nordrhein-Westfalen/360 Stufen) starteten die international besten Turmläufer im K.-o.-System gegeneinander, Schäfer wurde letztlich 17. Damit schloss er 2015 auf dem vierten Platz der Gesamtwertung ab.

Doch Schäfer schaut bereits aufs nächste Jahr. „Ich hoffe natürlich, mich verbessern zu können.“ Dafür will er auch dem Verein Towerrunning Germany beitreten, in dem die meisten Turmläufer beheimatet sind.

Dass Schäfer eines Tages der beste deutsche Treppenläufer sein könnte, erscheint durchaus realistisch, schaut man auf seine Anfänge zurück. So ging 2011, beim ersten Ulmer Turmlauf, einiges schief. Da Schäfer beim Start auf dem Münsterplatz nicht wusste wohin mit den Wertsachen, steckte er sich diese in die Hosentasche. Und prompt fielen sie raus. Obwohl Schäfer anhalten musste, um alles einzusammeln, wurde er Zweiter. Von da an war er in Ulm immer dabei und siegte 2012 und 2014.

Ursprünglich kommt Schäfer aus der Leichtathletik, schnell hatten es ihm die Ausdauerdisziplinen angetan. Und da er an seinem 18. Geburtstag „etwas Besonderes“ machen wollte, trainierte er zehn Wochen für den Marathon, den die TSV Herbrechtingen 2007 im Rahmen ihres 100-jährigen Bestehens ausgerichtet hatte. „Das ging erstaunlich gut, ich bin unter vier Stunden geblieben“, erinnert sich der gebürtige Reutlinger.

In der Oberstufe wurde sein Interesse an Trainingswissenschaften geweckt. Da passt es, dass Schäfer nun Molekulare Medizin an der Universität Ulm studiert. Er möchte allerdings kein praktizierender Arzt werden, sondern in die Forschung gehen. Im zweiten Jahr der Doktorarbeit, die den Arbeitstitel „Mitochondriale Störungen bei der Alzheimer Demenz“ trägt, steht Schäfer sieben Tage die Woche im Labor. Abends geht's zum Hochschulsport – und eben mehrmals im Jahr zum Turmlaufen.

Dabei hat Schäfer schon früh angefangen, wie seine Mutter ihm erzählte: „Ich bin als Fünfjähriger in Reutlingen immer zu meinen Großeltern in den elften Stock gelaufen und habe versucht vor dem Aufzug da zu sein“, so Schäfer. Früh übt sich eben . . .

Info In der Jahreswertung von Towerrunning Germany sind 320 Frauen und 449 Männer gelistet, der Verein hat 45 Mitglieder (zwei Neuanmeldungen für 2016 liegen bereits vor). Jährlich werden dabei deutschlandweit 21 Läufe angeboten, vier davon gehen am Ende in die Gesamtwertung ein. Gestartet wird in Intervallen. So liegen beim Ulmer Münsterlauf 30 Sekunden zwischen den Startern. Falls Langsamere eingeholt werden, müssen sie Platz machen. Generell werden immer wieder Flachpassagen eingestreut. In Ulm gibt es zwei, die erste nach etwa 150 Stufen, die zweite folgt nach etwa 400.

 
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