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Bewahren TVS und SHB kühle Köpfe im heißen Derby?

Württembergliga: Das Duell zwischen dem TV Steinheim und der SG Herbrechtingen/Bolheim kann vorentscheidend in Sachen Klassenerhalt sein. Die Trainer setzen auf Besonnenheit.

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Wer bekommt den Ball? SHB-Coach Sandro Jooß (rechts) und Gerd Mühlberger vom TV Steinheim rechnen am Samstag mit einem hitzigen, aber trotzdem fairen Handball-Derby in der Wentalhalle.  Foto: 

Keine Frage, es wird am Samstagabend ab 20 Uhr in der Steinheimer Wentalhalle heiß her gehen, wenn der gastgebende TV Steinheim den Kreisrivalen SG Herbrechtingen/Bolheim zum Derby in der Württembergliga empfängt.

Es ist nicht nur das übliche Prestigeduell, beide Klubs stehen auch im Kampf gegen den Abstieg mit dem Rücken zur Wand, die SHB dabei als Vorletzter mit 12:30 Punkten noch ein bisschen mehr unter Druck als die Steinheimer (Zwölfter mit 15:29). Trotz allem hoffen die Trainer Gerd Mühlberger, der zusammen mit Dietmar Kässer den TVS betreut, und Herbrechtingens Coach Sandro Jooß auf kühle Köpfe.

Es ist der Höhepunkt für die Handballfans – das Derby der beiden höchstrangigen Kreisvertreter. Wie steht es um die Fieberkurven in Steinheim und Herbrechtingen?

Jooß: Für uns ist es ist doppelt wichtig, weil wir drei Punkte hinter Steinheim sind – wenn auch bei einem Spiel weniger. Wir haben jetzt mit dem Winzingen-Spiel ein Lebenszeichen gesendet und wollen den positiven Lauf im Derby fortsetzen.

Mühlberger: Bei mir kribbelt es schon die ganze Woche. Es ist auch für uns ein besonderes Spiel. Wir sind zwar drei Punkte vorn, aber das heißt nichts. Viel dramatischer hätte es sich aufs Derby hin nicht zuspitzen können.

Schon in der Hinrunde musste man von einem Keller-Derby sprechen, nun sieht es nach Existenzkampf pur aus – was ist schiefgelaufen?

Mühlberger: Ich glaube, dass der Abgang von David Wittlinger ein ziemliches Loch gerissen hat. Andere Spieler mussten mehr Verantwortung übernehmen, das System umgestellt werden. Dazu ging während der Runde mit Florian Mäntele ein Hoffnungsträger wieder weg, weil es halt einfach nicht gepasst hat. Und die Ergebnisse tun das Übrige. So etwas wie die Niederlage beim Derby in der Hinrunde war schwer zu verarbeiten.

Jooß: Da wir erst über die Relegation hoch sind, hat sich die Mannschaft stark verändert. Wir haben uns personell zwar qualitativ verstärken können, aber mit „Tui“ Neckermann auch einen gestandenen Torwart verloren. Zudem war Max Schütz ein halbes Jahr im Ausland. Dazu können wir aus verschiedenen Gründen mit der ersten Sechs nur ganz selten zusammen trainieren. Bei den engen Spielen macht sich das dann bemerkbar und wir haben ja acht Spiele mit einem oder zwei Toren verloren.

Ist die Liga stärker geworden?

Jooß: Ich finde, sie ist ausgeglichener geworden. Das war die Jahre zuvor nicht so, da waren die letzten zwei, drei immer etwas abgehängt. Außerdem haben viele Mannschaften Spieler, die schon höherklassig gespielt haben und in den entscheidenden Phasen dann mit ihrer Routine und Sicherheit den Unterschied machen. Das haben die SHB und Steinheim derzeit nicht.

Zuletzt waren die Derbys zwar hitzig, aber immer recht fair. Ist angesichts der Konstellation ein härteres Duell zu erwarten?

Jooß: Ich hoffe, dass nicht zu viel von draußen reingetragen wird. Ich denke, dass die Spieler an sich gut bis ordentlich miteinander auskommen. Die Atmosphäre und die Tabellenkonstellation können natürlich schon dazu beitragen, dass es etwas kritisch wird. Das eingeteilte Schiedsrichter-Gespann pfeift aber schon recht lange und kennt solche Derbys.

Mühlberger: Ich rechne auch mit einem hitzigen Duell und hoffe, dass es die Schiedsrichter gut im Griff haben – das ist die halbe Miete. Den Rest muss man abwarten, ich hoffe aber, dass es in geregelten Bahnen abläuft. Danach sind noch sechs Spiele zu absolvieren und es wäre töricht, wenn sich ein Spieler eine Sperre einhandeln würde.

Jooß: In der Landesliga gab es auch einmal ein Derby, da stand dann im Bericht: Das war Werbung für den Handballsport. Das war vom Niveau her gut, die Zuschauer haben sich normal verhalten. Es wäre wünschenswert, wenn das trotz der brisanten Situation wieder so läuft.

Manche Beobachter sagen, mindestens einen der beiden Kreisvertreter wird es erwischen – sehen Sie das auch so?

Mühlberger: Wenn es nach mir geht, hätte ich nichts dagegen, wenn es einer der beiden Kreisvertreter direkt und einer über die Relegation schafft. Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch eher gering. Schade wäre es. In der Württembergliga gab es vorher noch kein Derby. Das ist für jeden Spieler etwas besonderes. Da haben wir, wenn es gut läuft, am Samstag 800 Leute in der Halle.

Ein Kreisderby auch in der nächsten Saison wäre also wünschenswert?

Jooß: Klar, Relegationsspiele oder Derbys machen das gewisse Etwas aus. Dafür geht man vier- bis fünfmal in der Vorbereitung ins Training und macht auch Sachen, die keiner gern macht. Man sollte außerdem für die jungen Spieler eine Plattform bieten. Und dafür bräuchte man meiner Meinung nach auch zwei Württembergliga-Mannschaften.

Wie dramatisch wäre ein Abstieg?

Jooß: Wir wollten von der Zielsetzung her ja eigentlich 2018 hoch. Dass es früher kam, war natürlich toll, wir haben auch das Maximale herausgeholt und werden es auch weiter herausholen. Aber die Welt würde nicht untergehen, wenn es so kommt. Wir sind fürs nächste Jahr gut aufgestellt. Die Mannschaft bleibt im Kern zusammen, es gibt schon einige gute Neuzugänge. Dann würde man halt im nächsten Jahr neu angreifen.

Mühlberger: Auch in Steinheim würde die Welt nicht untergehen, aber ehrlich gesagt möchte ich mit dem Thema erst beschäftigen, wenn es soweit ist. Die Strippen im Hintergrund haben andere zu ziehen.

Mit den Aufstiegen von Steinheim in die Württembergliga sowie Brenz und den Steinheimer Damen in die Landesliga schien der Handball im Kreis im Aufwind zu sein. Nun drohen aber einige Abstiege. Wie sehen Sie die Gesamtsituation?

Jooß: In der Jugendarbeit sollten alle Vereine über eine Verbesserung nachdenken. Wir haben bei der SHB jetzt auch zwei Jahre auf HVW-Ebene nichts gehabt, versuchen nun in der A-Jugend wieder etwas aufzubauen und investieren dabei auch einmal in einen externen Trainer, der von Ehingen kommt. Man kann nicht ständig Spieler aus dem Göppinger oder Ulmer Raum holen.

Mühlberger: Wobei in Steinheim und Herbrechtingen mittlerweile ein Haufen Eigengewächse und Spieler aus dem Kreis dabei sind. Es hat auch geklappt, vermeintlich schwächere Jugendspieler bei den Aktiven noch an das Niveau heranzuführen. Bestes Beispiel ist David Wittlinger, der als Jugendlicher nie in der Landes- oder Oberliga gespielt hat und jetzt für Pfullingen in der 3. Liga aktiv ist. Aber grundsätzlich gebe ich Sandro völlig recht, dass in die Jugendarbeit mehr investiert werden muss.

Ihre beiden Vereine kennen sich aus vielen gemeinsamen Jahren in der Landes- und nun in der Württembergliga quasi in- und auswendig. Wie beurteilen Sie die Kreisrivalen?

Mühlberger: Die SHB zeichnet sich durch Kontinuität aus, hat die gesetzten Ziele immer wieder erreicht. Die Mannschaft hat einen guten Rückraum, ist auf den Außen gut besetzt, dazu kommt ein guter Torwart. Vielleicht hatten sie ein etwas schwieriges Auftaktprogramm, hingen dann unten drin, aber ich hätte sie jetzt persönlich nicht ganz hinten erwartet.

Jooß: Ich habe auch schon mit anderen Trainern gesprochen, die gesagt haben, dass die Steinheimer in der Hinrunde nicht so schlecht gespielt haben, wie sie dann in der Tabelle dastanden. Aber in Summe gilt einfach: Wer die knappen Spiele verliert, steht hinten, wer sie gewinnt, ist vorn – das hat schon seinen Grund.

Zum Abschluss das beliebte Vervollständigungsspiel. Der TV gewinnt das Derby am Samstag, weil . . .

Mühlberger: . . . wir in einem heißen Derby einen kühlen Kopf bewahren und ein Tor weniger kriegen als der Gegner.

Die SHB nimmt die Punkte mit, weil . . .

Jooß: . . . wir es schaffen, uns einen Tick mehr ins Spiel zu steigern und ein Tor weniger bekommen als der Gegner.

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