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Tim Kleindienst zog das Abitur dem FC Ingolstadt vor

2. Liga: Tim Kleindienst vom 1. FC Heidenheim überzeugt als Fußballer mit klaren Ansichten. Einst zog der Stürmer das Abitur einem Wechsel zum FC Ingolstadt und dessen damaligem Trainer Ralph Hasenhüttl vor.

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Einer der erfolgreichsten Heidenheimer Torschützen: Tim Kleindienst.  Foto: 

Komplimente über sich selbst hört er nicht gerne. Sie machen ihn verlegen. Als Tim Kleindienst für die deutsche U-20-Nationalmannschaft auflief, urteilte sein damaliger Trainer Frank Wormuth: „Tim ist menschlich ein feiner Kerl.“ Es sei einfach komisch, so etwas über sich zu hören, erklärt Kleindienst. Das sollen eben andere beurteilen, wie er auf sie wirke.

Das heißt aber nicht, dass Kleindienst sich nach der Meinung anderer richtet. Vielmehr ist der 21-Jährige schon immer seinen eigenen Weg gegangen. Aufgewachsen in der Kleinstadt Jüterbog (knapp 12 000 Einwohner) in Brandenburg (mit dem Zug sind's 35 Minuten nach Berlin), kam er in der Schule zum Kicken. Ein Freund, der bereits beim ortsansässigen Verein FC Viktoria spielte, nahm den kleinen Tim mit zum Training. Wie das halt so ist.

Anfang als Libero

Hier fängt Kleindienst ganz hinten an, als Libero. Mit den Jahren wird er immer offensiver aufgestellt, ehe er im Sturm landet. „Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist. Aber ich glaube, vorne war ich am besten aufgehoben“, sagt er. Mit zwölf Jahren erfolgt der nächste logische Schritt: der Wechsel zur knapp einhundert Kilometer entfernten Lausitzer Sportschule Cottbus. Von etwa 400 Kindern werden nur 20 genommen, es ist ein erster Meilenstein in der Karriere von Tim Kleindienst. „Das war auf jeden Fall etwas Großes“, sagt er, fügt aber an: „Du warst schlagartig weg von deiner Familie. Um dich herum waren fremde Leute.“

Anders als viele seiner Mitschüler bekommt Kleindienst aber kein Heimweh. Viele seien nach der siebten Klasse wieder zurückgegangen zu ihren Familien. Geholfen habe ihm seine Mutter, erinnert sich Kleindienst. Auch heute noch sei sie eine wichtige Ansprechpartnerin.

Mit der Zeit gewöhnte sich Kleindienst an die Umgebung, fand neue Freunde. Doch darum ging es nicht in erster Linie, wenn man bedenkt, wie viele Schüler aus seiner Klasse – die Fußballer bilden einen Verbund – tatsächlich Profi geworden sind: Einer. Tim Kleindienst.

Seine erste Zweitliga-Saison bei Energie Cottbus (2012/13) verläuft für ihn persönlich allerdings unbefriedigend. Unter Trainer Rudi Bommer gibt es die ersten Nominierungen für den Kader, Kleindienst spielt aber keine Minute.

Dennoch zeigt Ligakonkurrent FC Ingolstadt um seinen damaligen Trainer Ralph Hasenhüttl Interesse an einer Verpflichtung. Kleindienst lehnt aber ab. „Mit hat ein Jahr bis zum Abitur gefehlt. Ich wollte die zwölf Jahre nicht in den Sand setzen“, erklärt er.

Auch heute noch bereut Kleindienst diese Entscheidung nicht. „Eine Ausbildung neben dem Fußball ist sehr wichtig. Es heißt nicht, wenn du bei den Profis bist, dass du dein Leben lang bei den Profis sein wirst. Es kann schneller vorbei sein, als es dir lieb ist“, betont er. „Du brauchst einen Alternativplan.“ Momentan absolviere er ein Fernstudium zum Ernährungsberater. Jedoch eher für sich persönlich. Ob einmal tatsächlich diesen Weg einschlagen könnte, wisse er noch nicht.

In Cottbus kommt Kleindienst auch in seiner zweiten Profispielzeit nur zu zwei Einsätzen. Unter Coach Stephan Schmidt (kam für Bommer und blieb nur vier Monate) spielt er gar keine Rolle. Bei Schmidt seien die jungen Spieler abgeschrieben gewesen. Warum, wisse Kleindienst nicht. Nach zwei weiteren Trainerwechseln stieg Cottbus in die 3. Liga ab.

Hier durfte sich Kleindienst unter Trainer Stefan Krämer endlich beweisen. Bei diesem müsse er sich bedanken, sagt Kleindienst. „Ich habe so die Härte und Schnelligkeit kennengelernt.“ Am Ende der Saison 2014/15 erzielt Kleindienst in 35 Einsätzen 13 Tore. Und nimmt dieses Mal das Angebot des damaligen Zweitligisten SC Freiburg an, obwohl auch Mainz 05 Interesse gezeigt habe.

Im Breisgau erlebt Kleindienst allerdings ein „Seuchenjahr“, wie er selbst sagt. Begonnen hat es bei der U-20-Weltmeisterschaft in Neuseeland. „Ich bin zwar mitgeflogen, habe mich aber am zweiten Tag verletzt“, erinnert er sich. Außenbandriss im linken Fuß, ärgerlich, aber das passiere halt.

Anschließend kämpft sich Kleindienst zwar wieder heran, wird aber von einer Reizung im linken Knie, die lange nicht richtig behandelt worden sei, immer wieder zurückgeworfen. Letztlich hilft ein Osteopath in den Niederlanden. Was folgt ist ein Innenbandanriss im linken Knie, wie er ihn später auch in Heidenheim erleidet.

Während der SC Freiburg dem Bundesliga-Aufstieg entgegenstürmt, bleibt Kleindienst die meiste Zeit nur die Beobachterrolle auf der Tribüne. Seine Familie, Kleindienst hat drei Brüder, seine Freundin sowie seine Mutter hätten ihm durch diese schwierige Phase geholfen.

Überraschendes Comeback

Er weiß, dass es für ihn in der Bundesliga noch schwerer wird, sich zurück zu kämpfen. Also geht Kleindienst auf den Verein zu und fragt nach einer Ausleihe. Beim FCH schlägt er gleich ein – und lässt sich vom zweiten Innenbandanriss nicht aus der Ruhe bringen. Nach nur knapp acht Wochen steht Kleindienst im Heimspiel gegen Union Berlin für einige überraschend wieder in der Startelf – und erzielt seinen vierten Saisontreffer. „Der Trainer hat mich gefragt, ob ich's probieren möchte und ich habe mein Okay gegeben“, erklärt Kleindienst.

Stand jetzt geht Kleindienst nach der Saison zum SC Freiburg zurück. Dabei sei es ihm egal, ob der SC in der Bundesliga spiele oder nicht. Er ist niemand mit abgehobenen Zielen. Es müsse eben nicht unbedingt Champions League oder Europa League sein, so Kleindienst. Er möchte einfach mit der Mannschaft, für die er spiele, so erfolgreich wie möglich sein. Alles Schritt für Schritt.

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1. FC Heidenheim

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