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Stadionbesucher kritisieren fragwürdige Körperkontrollen in der Voith-Arena

Um die Sicherheit bei FCH-Heimspielen zu gewährleisten sind auch bis zu 270 Ordner im Einsatz. Bei der Partie gegen Dresden übten Gästeanhänger allerdings Kritik an der Einlasssituation.

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Sicherheit hat in Fußballstadion Priorität. Auch in der Voith-Arena sind viele Ordner im Einsatz.  Foto: 

Was ist Fußball? Zwei Mannschaften, die gegeneinander spielen? Mitnichten, zumindest nicht im Profigeschäft. Heutzutage muss im Vorfeld von Begegnungen viel beachtet werden, vor allem was das Thema Sicherheit angeht. Fußballspiele sind nämlich Großveranstaltungen. So besuchten in dieser Saison im Schnitt 10 683 Zuschauer die sechs Heimspiele des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim.

Um möglichst auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, spricht sich der FCH als Veranstalter mit der Polizei, der HVG, dem DRK sowie dem Sicherheits- und Ordnungsdienst ab. Mit den Einlasskontrollen und der Aufsicht in der Voith-Arena wurde der Sicherheitsdienst Schindler Dienstleistungen & Sicherheit (SDS) beauftragt. Je nach Spieltag sind zwischen 245 und 270 SDS-Ordner im Einsatz (siehe Infokasten).

Der SDS mit Sitz in Fellbach ist für viele Großveranstaltungen in Süddeutschland zuständig. „Kontrolliert wird ja nicht nur beim Fußball. Bei jedem Konzert gibt es einen Bodycheck und Taschenkontrollen“, sagt Jutta Bogner, SDS-Einsatzleiterin in Heidenheim.

Doch Kontrollen laufen nicht immer reibungslos ab. Nach dem Heimspiel gegen Dresden äußerten Gäste-Anhänger in einer vom Fanprojekt Dresden initiierten Online-Befragung deutlich Kritik an der Einlasskontrolle (meist nehmen knapp zehn Prozent der Dresdner Auswärtsfahrer an solchen Befragungen teil, im Fall Heidenheim waren es 183). Das dominierende Thema in den Rückmeldungen seien „die fragwürdigen Körperkontrollen des Ordnungsdienstes am Gästeblock“, heißt es in einer Zusammenfassung des Fanprojekts.

Beschwerden von Frauen

Sowohl von männlichen als auch von weiblichen Fans sei in den Auswertungsbögen scharf kritisiert worden, dass sie sich teilweise bis unter die Unterhemden kontrollieren lassen mussten. „Oberteile mussten bei Frauen bis auf BH-Höhe hochgezogen werden, zudem wurden ebenfalls Blicke in die Hosen auf die Unterwäsche geworfen. Darüber hinaus wurden uns Beschwerden zugetragen, dass die Brüste von Frauen beim Abtasten teilweise harsch gequetscht wurden“, heißt es in der Zusammenfassung des Fanprojekts Dresden weiter, das seit 2006 solche Bewertungen von Dynamo-Fans einholt.

In der Gesamtnote, in die Punkte wie „Sicherheits-/Ordnungsdienst allgemein“, „Stimmung im Gästeblock“, „Verhalten der Polizei am Stadion“, „Verhalten der Polizei außerhalb des Stadions“ oder „Verhalten der Dynomafans“ einfließen, wurde das Spiel in Heidenheim mit 2,11 bewertet, was laut Ronald Beć, der als Sozialpädagoge beim Fanprojekt Dresden arbeitet, eine „relativ gute Note“ sei.

Die schlechteste Bewertung erhielt eben der Punkt „Einlasskontrolle am Gästeblock“ (2,83). Zum Vergleich: In der Vorsaison wurde dieser Punkt von Dresden-Anhängern beim Spiel in Hannover mit 4,24 bewertet. Nach dem DFB-Pokalspiel in Freiburg am Mittwoch beklagte Dynamo, dass vielen seiner Fans der Weg ins Stadion verwehrt worden sei. So etwas fließt ebenfalls in die Note mit ein.

Auch der Sicherheitsdienst SDS hat sich die Bewertungen der Dynamo-Anhänger angeschaut. „Es hat mich sehr betroffen gemacht“, sagt Jutta Bogner, die betont: „Wir nehmen jede Kritik auf und versuchen sie nachzuvollziehen.“ Sie selbst sei bei dem betreffenden Spiel die ganze Zeit über beim Einlass der Gäste-Anhänger vor Ort gewesen.

SDS versteht die Vorwürfe nicht

„Es war ein lockerer Umgang. Es gab zu keiner Zeit Rangeleien“, sagt Bogner. „Wenn sich jemand nicht gebührlich behandelt gefühlt hätte, hätte er das sofort melden können. Es waren ja genug Ansprechpartner vor Ort. Dann hätten wir auch reagieren können.“ Bogner ist sich sicher, dass nicht jeder es mag, bei Einlasskontrollen angefasst wird. „Einige empfinden das sicherlich als unangenehm. Aber in dieser Form wie es geschildert wird, ist es schon sehr krass.“

Den Vorwurf, dass bei Frauen Brüste gequetscht worden seien, will Bogner so nicht stehen lassen. „Keiner wird so angefasst“, betont sie. Es gebe genaue Vorgaben, wer wen und wie kontrolliert. Frauen kontrollieren Frauen, Männer kontrollieren Männer. Die Kontrolle höre zudem am Oberschenkel auf, es dürfe nicht zwischen die Beine und an den Pobereich gelangt werden. Bei Frauen werde am Rücken unten am BH entlang abgetastet und zudem mit dem Daumen auf das Brustbein gefasst.

Der FCH nehme die Vorwürfe ebenfalls ernst, sagt Petra Saretz, Bereichsleiterin Organisation beim FCH. Allerdings versteht auch sie nicht, warum niemand die Einlasskontrollen am Spieltag selbst moniert habe. „Weder die Spielaufsicht noch der Sicherheitsbeauftragte von Dynamo Dresden hat gesagt: Ihr kontrolliert zu stark oder ihr macht etwas falsch“, bedauert Saretz.

Auch seien laut SDS-Einsatzleiterin Bogner die Sicherheitskontrollen nach der Erfahrung aus der Vorsaison nicht schärfer gewesen. Damals haben Dynamo-Anhänger in der Voith-Arena Pyrotechnik gezündet. Ronald Beć vom Fanprojekt Dresden sagt allerdings, dass Dynamo-Fans „ein Ruf vorauseilt“. Deswegen würden Dresden-Fans akribischer kontrolliert, so der Sozialpädagoge. Auch in Heidenheim sei dies der Fall gewesen. Nach Aussage von Beć, der in Heidenheim selbst vor Ort war, soll es vor der Öffnung der Einlasstore eine Anweisung an die Ordner gegeben haben, dass sie „scharf kontrollieren“ sollen. Zudem widerspricht Beć der Aussage, es habe keine Beschwerden über die Kontrollen gegeben. Ein Fanbeauftragter von Dynamo Dresden habe dies vor Ort sehr wohl angesprochen.

Der SDS sei nun um eine Klärung bemüht, betont SDS-Einsatzleiterin Bogner. Daher wolle der SDS schriftlich Stellung zu den Vorwürfen nehmen und dies dem Fanprojekt Dresden zukommen lassen. Eine Konsequenz daraus habe Bogner dabei schon gezogen: Beim letzten Heimspiel gegen Kiel habe sie zum Fanbeauftragten von Holstein gesagt: „Wenn etwas ist, kommt bitte gleich. Dann kann man Abhilfe schaffen.“

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