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Robin Becker: Ein Jungspund als Spätstarter

2. Liga: Der ehemalige Leistungsschwimmer Robin Becker kam ausgerechnet in der Phase zum Zuge, als es beim 1. FC Heidenheim nicht gut lief – und hält sich zunehmend besser über Wasser.

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Was braucht eine Mannschaft, wenn sie eine sportliche Talsohle durchschreitet? Spieler mit Erfahrung, die nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern fürs ganze Team übernehmen und als Leitfiguren vorangehen. Der 20-jährige Robin Becker entspricht aufgrund seines jungen Alters und nur wenig Spielpraxis als Profi nicht gerade diesem Anforderungsprofil.

Doch der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Verteidiger wurde ausgerechnet ins Wasser geworfen, als die Heidenheimer das Kontrastprogramm zur bärenstarken Vorrunde ablieferten und sich eigentlich keine „Greenhorns“ auf dem Rasen leisten konnten. Als ehemaliger Leistungsschwimmer hält er sich aber zunehmend besser über Wasser.

Bevor Becker am 12. März in Kaiserslautern (1:1) zum ersten Mal in der Rückrunde in der Startelf stand, konnte er gerade einen Zweitliga-Einsatz (in Sandhausen) und ein DFB-Pokalspiel (in Wattenscheid) aufweisen. Ansonsten lief die erste Saisonhälfte nahezu geräuschlos an dem talentierten Neuzugang vorbei.

Vorrunde endete auf der Tribüne

Zwar gehörte er anfangs noch meist dem Kader an, vom 13. bis zum 18. Spieltag war für ihn aber nicht mal mehr Platz auf der Reservebank. Zwischenzeitlich zwangen ihn auch kleinere und größere Blessuren (Muskelverhärtung, Knieprobleme) in die Zuschauerrolle.

„Ich will einfach Erfahrung sammeln und die ersten Schritte im Profifußball machen“, hatte Becker gesagt, als er als einer der letzten FCH-Neuzugänge im Sommer 2016 in Heidenheim eintraf. Ein schweres Jahr beim Bundesligisten Bayer Leverkusen mit 13 Monaten Verletzungspause (Schambeinentzündung, Riss des Syndesmosebandes, Knieprobleme) lag hinter ihm.

Die einjährige kostenfreie Ausleihe nach Heidenheim sollte ihn zurückführen aufs Spielfeld. Aber bis zur Winterpause war wenig von ihm zu sehen.

Während David Atanga mit einer ähnlichen Situation nicht gut zurechtkam und deshalb seine Zelte auf dem Schlossberg vorzeitig wieder abbrach, hatte Becker „nie den Gedanken“ zu resignieren. Die ganze Entwicklung sei ein Stück weit auch der Situation geschuldet gewesen.

„Ich bin spät in die Vorbereitung gekommen, hatte eine lange Verletzungszeit hinter mir. In der Hinrunde lief es dann so gut, dass es wenig Veranlassung gab, etwas zu ändern. Und Robert Strauß hat auf der rechten Seite einfach super gut gespielt“, sah Becker die Lage nüchtern: „Natürlich war es aber nicht schön, auf der Tribüne sitzen zu müssen.“

Riesenkompliment von Schmidt

Zwischenzeitlich durfte er wenigstens als U-20-Nationalspieler in Länderspiel-Einsätzen gegen Italien, England und die USA Erfahrung sammeln. Doch von den internationalen Einsätzen kehrte er angeschlagen nach Heidenheim zurück.

Neue Hoffnung keimte erst wieder zum Rückrundenstart auf. Inzwischen musste in der zuvor so gut eingespielten Vierer-Abwehrkette fast wöchentlich umgestellt werden. Als sich auch noch Robert Strauß verletzte, kam Ronny Philp zum Einsatz – und nutzte kurzfristig die Chance auf der umkämpften rechten Abwehrseite. Dann profitierte aber auch Becker vom Verletzungspech der Konkurrenz.

Auf dem berüchtigten Kaiserslauterer Betzenberg schlug die Stunde seiner Rückkehr. Trainer Frank Schmidt lobte den zweiten Zweitliga-Einsatz seiner jungen Karriere: „Man muss ihm ein Riesenkompliment machen. Er war von Anfang an da, zeigte eine richtig gute Leistung.“

Ermutigt durch diese Rückenstärkung durfte Becker auch in Braunschweig ran (2:3), musste dann zweimal pausieren, stand aber gegen Bochum (0:0) und zuletzt am Ostersonntag in Karlsruhe (1:0) wieder auf dem Feld. In Summe absolvierte er damit bisher fünf Zweitliga- und einen Pokaleinsatz – jeweils über die vollen 90 Minuten.

Vaters Ratschlag gefolgt

„Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich schon wieder der Alte bin, aber man traut sich von Spiel zu Spiel mehr zu und findet langsam seinen Rhythmus wieder“, sagt Becker. Sein persönliches Ziel bis Saisonende: weiter Spielpraxis sammeln. Und danach? „Es gab noch keine Gespräche.“

Sein Vertrag mit Leverkusen endet 2018, die Ausleihe zum FCH war auf eine Saison befristet. Becker steht vor zukunftsweisenden Wochen. Bisher hat er stets die richtigen Entscheidungen getroffen – manchen Startproblemen zum Trotz. In jungen Jahren musste er sich entscheiden: Leistungsschwimmer (wo er schon bei deutschen Meisterschaften teilnahm) oder Fußballprofi: „Die Mama wollte, dass ich schwimme, der Papa, dass ich Fußball spiele.“

Er folgte dem Ratschlag des Vaters, der es als Fußballer selbst mal fast bis in die 2. Liga geschafft hätte. Und hat bislang – trotz mancher Startprobleme – nichts bereut: „Fußballprofi ist mein absoluter Traumjob, sonst hätte ich schon längst was anderes gemacht.“

Das Verletzungspech hat beim FCH in dieser Woche erneut zugeschlagen. Am Samstag im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (13 Uhr) muss Trainer Frank Schmidt voraussichtlich auch Kapitän Marc Schnatterer (Oberschenkelprobleme) und Tim Skarke (Adduktoren) ersetzen. Daneben ist Tim Kleindienst nach der fünften Gelben Karte gesperrt.

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