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Marc Schnatterer fordert Rückkehr zur alten Tugend des bedingungslosen Einsatzes

Der Kapitän des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim fordert die Rückkehr zur alten Tugend des bedingungslosen Einsatzes und klammert auch sich selbst von der Kritik nicht aus.

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Wieder aufrichten heißt die Devise für FCH-Kapitän Marc Schnatterer und seine Mitstreiter. Der Heidenheimer Mittelfeldmotor geht auch mit der eigenen Leistung in den bisherigen Spielen dieser Saison kritisch um.  Foto: 

Marc Schnatterer ist der einzige Spieler im Kader des 1. FC Heidenheim, der in allen bisherigen 111 Zweitliga-Spielen des FCH zum Einsatz kam. Die Erfahrung des 31-jährigen Kapitäns ist vor allem auch in diesen Tagen gefragt, wenn die auf Platz 16 abgerutschten Heidenheimer nach der zuletzt enttäuschenden Leistung gegen Dynamo Dresden (0:2) dringend wieder ein Erfolgserlebnis brauchen. Vor dem Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den Tabellenzweiten Holstein Kiel nimmt Schnatterer im nachfolgenden Interview zur aktuellen Situation Stellung.

Marc Schnatterer, wie würden Sie die augenblickliche sportliche Situation des FCH beschreiben?

Natürlich hatten wir uns bisher mehr erhofft und man darf auch nichts schönreden. Das ist jetzt eine gefährliche Situation, das ist allen bewusst. Dieser Wahrheit schauen wir ins Auge. Die Situation ist für viele Spieler, für das Umfeld, für die Fans was Neues. Aber damit muss man lernen umzugehen. Wer dachte, dass es im Fußball in Heidenheim so ist, dass man nur schöne Zeiten erlebt, der ist einfach in diesem Business fehl am Platz. Jetzt heißt es zu zeigen, wie man als Mannschaft, als Verein, als ganze Stadt, darauf reagiert, wenn man viel Gegenwind kriegt und mit dem Rücken zur Wand steht.

Wo sollte man da ansetzen?

Ich glaube, wir müssen viel mehr wieder an der Mentalität arbeiten, an der Art, wie wir gewohnt sind, in Heidenheim Fußball zu spielen. Spiele wie gegen Duisburg oder Regensburg, die wir zu Hause verloren haben, hätten wir vielleicht in den vergangenen Jahren über unsere Mentalität noch für uns entschieden. Spieler, die schon ein bisschen länger dabei sind, müssen das wieder viel mehr verinnerlichen und viel mehr vermitteln. Die Neuen müssen es aber auch annehmen. Wir gehen hier in Heidenheim einen sehr speziellen Weg, den müssen wir alle zusammen gehen. Wir haben in dieser Saison noch kein Spiel zu Null gespielt, wir schießen weniger Tore als sonst. Das kann man alles nur ändern, wenn man als Mannschaft funktioniert.

Wir haben mal nachgeschaut, wie der FCH exakt vor einem Jahr – also nach neun Spieltagen – platziert war. Was denken Sie?

Irgendwo zwischen Platz drei und sechs.

Auf Platz zwei!

Auf Platz zwei?

Ja, 18 Punkte waren es damals nach neun Spielen, jetzt sind es 8. Vor allem: Damals waren es 13:5 Tore, jetzt sind es 9:15. Heißt unterm Strich: dreimal so viele Gegentreffer. Woran liegt es? Vielleicht auch an häufigen personellen Wechseln aufgrund von Verletzungen?

Das wäre mir zu billig. Wir haben ja beispielsweise auf den Innenverteidiger-Positionen keine neuen Spieler, und ich finde auch, dass Vitus Eicher als Torhüter seine Sache gut gemacht hat. Wir wissen alle: Jeder Einzelne muss was draufpacken, jeder ist bislang hinter seinen Möglichkeiten geblieben. Das spiegelt sich dann auch in der Mannschaftsleistung wider. Deswegen fehlen uns manchmal die Prozentpunkte, um Spiele zu gewinnen.

Andere Mannschaften konnten gegen uns im entscheidenden Moment noch drauflegen. Duisburg beispielsweise hat es verdient gehabt, die drei Punkte mitzunehmen. Das müssen auch wir wieder auf den Platz bringen. Und das geht eben nicht durch Schönspielerei und die Einstellung: Jetzt mache ich mal was und der nächste wird es schon irgendwie hinbekommen. Die Einstellung muss heißen: Jetzt bereinige ich das. Aber davon darf man nicht nur immer erzählen. Man muss es endlich auch wieder auf dem Spielfeld tun. Jetzt haben wir neun Spiele hinter uns, das ist mehr als ein Viertel der Saison, und jeder sollte gewarnt sein.

Wie stark war der Kapitän in den vergangenen Tagen gefordert? Muss man jetzt noch mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen?

Erst einmal muss ich Verantwortung für mich selbst übernehmen. Dass meine eigene Leistung in den ersten neun Spielen leider oft unter dem geblieben ist, was meinen eigenen Ansprüchen entspricht, kann ich nicht leugnen. Aber es ist manchmal auch nicht so einfach zu sagen: Jetzt drehe ich den Schalter um, und dann läuft es wieder so, wie man es gewohnt war. Ich versuche natürlich, die Jungs mitzunehmen. Und gerade nach dem Spiel gegen Dresden sind wir hart mit uns ins Gericht gegangen, weil es wirklich eine schwache Leistung war.

Trotzdem wissen wir auch: Wenn wir jetzt nur das Schlechte sehen, das Negative, dann kommen wir da nicht raus. Wie die Jungs zuletzt trainiert haben, das war ein wichtiges Zeichen. Es garantiert zwar auch noch nicht, dass wir die Punkte holen, aber ich muss sagen, es wurde gut gearbeitet. Ich kann nur wiederholen: Ich versuche, meiner Rolle als Kapitän gerecht zu werden, aber in erster Linie muss ich meine Leistung bringen. Wenn die passt, glaube ich, kommt der Rest wieder von alleine.

Gibt es auch die Sorge, dass dies eine Saison werden könnte, in der man bis zum Schluss im Abstiegskampf steckt?

Das ist jetzt noch schwer zu sagen, das sieht man dann in der Winterpause. Es kann sein, dass es so ein Jahr geben kann. Aber sich damit jetzt zu beschäftigen? Wir sind in der Pflicht, mit viel Kampf und Leidenschaft, aber auch mit spielerischen Akzenten unsere Punkte zu holen, um die Situation bis Weihnachten zu verbessern. Das muss unser erstes Ziel sein.

Was gegen Dresden auffiel, war vor allem, dass es kein Aufbäumen gegen die Niederlage von jener Qualität gab, wie man es eigentlich als große Stärke des FCH gewohnt ist. Wie ist das zu erklären?

Man hatte vielleicht den Eindruck, als hätten wir aufgegeben. Aber Aufgeben ist meines Erachtens das falsche Wort. Wir hatten uns viel vorgenommen, dann kriegst du das 0:1. Das war, als würde einer am Stecker die Leitung ein bisschen kaputtmachen. Und mit dem 0:2 hat dann einer den Stecker ganz rausgezogen und es lief kein Strom mehr. So etwas kommt nicht oft bei uns vor. Aber das meinte ich ja: Wir müssen wieder das auf den Platz bringen, was uns gerade daheim immer ausgezeichnet hat: bis zum Schluss um jeden Punkt kämpfen. Das hat uns an dem Tag einfach gefehlt.

Am Sonntag kommt mit Holstein Kiel der Tabellenzweite. Ein Aufsteiger, der schon 21 Tore erzielte, mehr als jede andere Mannschaft, und drei seiner bislang vier Auswärtsspiele gewann. Geht der FCH als Außenseiter in dieses Spiel?

Grundsätzlich gilt in der 2. Liga: Jeder kann jeden schlagen. Wir wissen, dass Holstein Kiel gerade sehr viel gut macht. Wenn man die Tabellenpositionen beider Mannschaften betrachtet, kann man uns vielleicht als Außenseiter betrachten. Aber wir wollen gerade so ein Spiel nutzen, um uns aus unserer Situation zu befreien. Ein Sieg im Fußball ist durch nichts zu ersetzen. Durch nichts! Da kannst du zwei Wochen super trainieren, ein Riesentor schießen – verliert man, interessiert das niemanden. Natürlich gewinnen wir gerne durch ein gutes Spiel. Aber wenn wir gewinnen und es war kein gutes Spiel, dann ist das auch egal. Wir wollen mit aller Macht gewinnen. Das wird unser Ziel sein. Und das wird uns dann auch weiterhelfen.

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