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Jan Zimmermann über 1860-Abstieg: „Das Chaos war einfach zu groß“

Der frühere Torhüter des 1. FC Heidenheim verarbeitet das Abstiegsdrama der Münchner „Löwen“ auf Sardinien – und steht vor einer ungewissen sportlichen Zukunft.

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Anfangs lief es für Jan Zimmermann beim TSV 1860 München noch ganz ordentlich – hier hält er im Vorbereitungsspiel gegen Borussia Dortmund sogar einen Elfmeter –, doch am Ende war die Enttäuschung nahezu grenzenlos.  Foto: 

Kurz vor Beginn der vergangenen Saison hatte sich Jan Zimmermann von seinem früheren Coach und damaligen „Löwen“-Trainer Kosta Runjaic überreden lassen, vom 1. FC Heidenheim zum TSV 1860 München zu wechseln.

Nach ordentlichem Start verlief dann der Rest der Saison ganz anders als sich Zimmermann das erhofft hatte. Runjaic wurde entlassen, der Torhüter verlor seinen Stammplatz und am Ende stieg der TSV 1860 München nach einer 0:2-Niederlage im zweiten Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg aus der 2. Liga ab.

Vorläufiger Höhepunkt eines chaotischen Jahres beim Münchner Traditionsklub: Der jordanische Investor Hasan Ismaik gab bekannt, die notwendigen zehn Millionen Euro für eine Drittliga-Lizenz nicht zur Verfügung zu stellen. Im nachfolgenden Interview schildert Jan Zimmermann wie er all das erlebt hat und wie es nun weitergehen könnte.

Hallo Jan, wo treffen wir Sie denn gerade an?

Ich bin auf Sardinien.

Haben Sie den Urlaub in diesem Jahr nötiger als sonst?

Absolut. Diesmal dauert es schon ein paar Tage, um runterzufahren und in die Entspannungsphase zu kommen.

Wie haben Sie dieses dramatische zweite Relegationsspiel gegen Regensburg aus emotionaler Sicht erlebt?

Das war schon extrem. Schon die ganzen Wochen davor waren enorm anstrengend und belastend. Wenn man dann wie ich das Ganze von außen miterlebt und kann nicht aktiv eingreifen, ist es noch schlimmer. Natürlich tut's auch extrem weh, wenn man feststellen muss, dass Jahn Regensburg in beiden Spielen die stabilere Mannschaft war. Wir waren mehr oder weniger chancenlos gegen einen Drittligisten.

Wie geht's nun mit Ihnen weiter? Sie haben ja noch einen Vertrag bis 2018.

Der ist nichtig geworden, weil er nur Gültigkeit für die 2. Liga hatte. Wir haben uns die ganze Zeit auf den Kampf um den Klassenerhalt fokussiert, mit anderen Dingen hat sich noch keiner beschäftigt.

Denken Sie mit 32 Jahren womöglich auch ans Karriereende?

Ich fühle mich noch topfit, merke keinerlei Anzeichen des Alters an meinem Körper. Und mich reizen nach wie vor auch neue sportliche Herausforderungen.

Investor Ismaik hat bekanntgegeben, die 3. Liga nicht zu finanzieren. Hat Sie das überrascht?

Natürlich, das hat mich sehr überrascht. Er hat ja immer betont, dass 1860 eine Herzensangelegenheit für ihn ist und er hat sich selbst stets als leidenschaftlichen „Löwen“-Fan bezeichnet.

Wenn die „Löwen“ nun in der Regionalliga oder noch tiefer einen Neustart beginnen, ist für Sie dann das Thema 1860 beendet?

Ja, ich werde mir wohl einen neuen Verein suchen müssen.

Haben Sie mit soviel Chaos in Ihrem ersten Jahr bei den „Löwen“ gerechnet?

Nein. Unterm Strich war das Chaos zu groß. Das hat uns ja am Ende auch den Abstieg gekostet.

Bereuen Sie es den Wechsel von Heidenheim nach München im Nachhinein?

Bereuen? Nein, das bereue ich zu 0,0 Prozent. Es war ein extrem intensives Jahr, ein sehr lehrreiches, in dem ich viele Erfahrungen sammeln konnte – keinesfalls nur negative.

Eine Erfahrung war auch, dass Sie nach 13 Ligaspielen plötzlich nur noch Nummer zwei im Tor waren. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das hängt alles ein Stückweit auch mit personellen Gegebenheiten zusammen. Der damalige Trainer Daniel Bierofka kannte eben Stefan Ortega – und mich nicht. Deswegen hat er sich so entschieden. Wenn so eine Entscheidung getroffen wird, akzeptiere ich das, ordne mich unter und versuche, über starke Trainingsleistungen meine Position zurückzuerobern . . .

Der neue Trainer Vitor Pereira hat dann aber auch in der Rückrunde komplett auf Stefan Ortega gesetzt, obwohl Sie sich während der Winterpause zuversichtlich geäußert hatten, wieder eine Chance zu erhalten.

Das war schon sehr belastend für mich, dass ich nicht mehr zum Zug kam, obwohl ich in der Vorbereitung gute Spiele absolvierte und auch die Trainingsleistung absolut stimmte. Ich bekam das auch innerhalb der Mannschaft als Feedback bestätigt.

Im Grunde bot ich in der Vorrunde zehn Mal eine gute Leistung und hatte dann drei nicht so gute Spiele, die mir für den Rest der Saison zum Verhängnis wurden. Aber wenn ich selbst als Nummer eins im Tor stand, habe ich von der Nummer zwei immer erwartet, dass sie keine schlechte Stimmung in der Mannschaft verbreitet. Daran habe ich mich auch gehalten, als ich selbst die Nummer zwei war.

1860 München wird jetzt auch noch für das skandalöse Auftreten seiner Fans geradestehen müssen, die beim 0:2 gegen Regensburg ihrem Unmut freien Lauf ließen. Wie sehen Sie das?

Dass sich bei den Fans viel Frustration aufgestaut hat, ist für mich absolut nachvollziehbar. Immerhin sind sie trotz der vielen Enttäuschungen in dieser Saison bis zum Moment, in dem die letzten Hoffnung zerplatzte, hinter der Mannschaft gestanden. Aber das alles kann natürlich die Aktionen nicht rechtfertigen, die sich während und nach dem Spiel gegen Regensburg abspielten.

Wie sehr sind Sie dem FCH noch verbunden?

Sehr. Ich bin im Guten von Heidenheim weggegangen und habe mich über die starke Vorrunde genauso gefreut wie ich während der Durststrecke in der Rückrunde mit den einstigen Teamgefährten mitgelitten habe.

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