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Holger Sanwald über Transfers: „Kein Handlungsdruck“

2. Liga: Mit einem Torhüter und einem Innenverteidiger wird sich der 1. FC Heidenheim möglicherweise in der Winterpause verstärken, David Atanga verlässt den Klub derweil.

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Das eher glanzlose und unterm Strich auch etwas glückliche 1:1 beim TSV 1860 München kann den Gesamteindruck nicht trüben: Der 1. FC Heidenheim hat eine ganz starke Vorrunde abgeliefert, ist mit 29 Punkten nach 17 Spielen deutlich über dem Soll und kann das Ziel Klassenerhalt wohl nur noch dann verpassen, wenn die Mannschaft in der Rückrunde weniger als neun Punkte holt. Von einem solchen Szenarium ist aber nach den gezeigten Leistungen nicht auszugehen. Im Gegenteil: Mancher Experte traut dem Tabellenvierten zu, bis zum Saisonende um die aufstiegsrelevanten Plätze mitmischen zu können.

Jedenfalls: Aus Heidenheimer Sicht ist jetzt erst einmal Entspannung angesagt. Das war vor einem Jahr noch anders. Damals verabschiedete sich der FCH mit einer empfindlichen 0:3-Heimniederlae gegen den 1. FC Nürnberg in die Weihnachtsruhe, doch nach Feierlaune war Holger Sanwald erst einmal nicht zumute. „Wir waren eigentlich mit unserem Kader zufrieden und hatten nicht vor, etwas zu ändern. Doch nach dem Nürnberg-Spiel war klar: Wir müssen neue Reizpunkte setzen.“ So kam doch noch einiges in Bewegung an der Personalfront – insbesondere im Angriff.

Andere Situation als im Vorjahr

In diesem Winter ist die Situation aus Sicht des FCH-Vorstandsvorsitzenden eine ganz andere. „Wir haben überhaupt keinen Handlungsdruck“, sagt Sanwald. Diese Aussage schließt zwar nicht aus, dass sich etwas tut, aber von einer Dringlichkeit wie vor Jahresfrist sei man weit entfernt. Es werde auch keinem Spieler nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen, das Vertrauen gelte dem bestehenden Aufgebot, versichert er.

Übers Wochenende hat sich dann aber doch eine Veränderung ergeben. Mittelfeldspieler David Atanga wird nicht mehr dabei sein, wenn sich der FCH am 8. Januar ins spanische Trainingslager begibt. Der Ghanaer, der vor Saisonbeginn von RB Salzburg ausgeliehen wurde, kehrt auf eigenen Wunsch vorzeitig nach Österreich zurück, nachdem er es in der Vorrunde nur zu fünf Einwechslungen in Meisterschaft und DFB-Pokal geschafft hatte und seit Wochen nicht mehr im Aufgebot stand.

„Eine Ausleihe macht nur Sinn, wenn ein Spieler beim ausleihenden Verein auch Spielpraxis sammelt“, sagt Sanwald. Nachdem die Aussicht darauf in den vergangenen Wochen kaum noch bestand, kehrt Atanga, der an Weihnachten seinen 20. Geburtstag feiert, nun nach Salzburg zurück, wo er dann möglicherweise als Kooperationsspieler beim österreichischen Zweitligisten FC Liefering wieder seine Einsatzzeiten bekommt.

Was die andere Seite, die der Zugänge betrifft, gibt es für den FCH zwei Themen, die Sanwald auch in den kommenden Tagen beschäftigen werden. Zum einen erwägen die Heidenheimer die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers. Die Verletzung von Kevin Kraus, der aufgrund seines Kreuzbandrisses sicherlich noch einige Monate fehlen wird, mache diese Überlegung erforderlich. „Ideal wäre eine Ausleihe“, sagt Sanwald.

Das zweite Thema ist das des Torhüters. Nach dem kurzfristigen Weggang Jan Zimmermanns im Sommer (zu 1860 München) habe man zunächst mit Oliver Schnitzler ein Talent verpflichtet, das in Heidenheim weiter heranreifen sollte. Allerdings, so Sanwald, geschah dies unter der Maßgabe, dass der Verein weiter Augen und Ohren für einen erfahrenen Schlussmann als Nummer zwei hinter Kevin Müller offenhalte. Die Partie in Hannover, wo Schnitzler für den verletzten Müller einspringen musste und drei Gegentore hinzunehmen hatte, unterstreicht wohl aus Sicht des Klubs die Notwendigkeit, weiter nach einem Keeper Ausschau zu halten, der über mehr Stabilität und Reife verfügt.

Vitus Eicher, derzeit Nummer drei beim TSV 1860 München, sei den Heidenheimern über einen Berater angeboten worden, ein Gespräch mit ihm habe es aktuell nicht gegeben, sagte Sanwald. Die utopische Ablöseforderung von 500 000 Euro, die seitens der „Löwen“ kommuniziert worden war, lässt allerdings kaum auf eine schnelle Verpflichtung schließen. „Im Augenblick ist es kein Thema“, bekräftigt Sanwald. Allzu gerne über die Saison hinaus würden die Heidenheimer hingegen Tim Kleindienst behalten. Der Stürmer (vier Tore in elf Einsätzen) ist ohne Frage der Sommer-Neuzugang, der seine Chance bisher am besten nutzen konnte. Doch Kleindienst wird mit ziemlicher Sicherheit zum SC Freiburg zurückkehren, nachdem die Ausleihzeit nach Saisonende abgelaufen ist. „Es ist klar, Freiburg setzt auf ihn. Wir würden ihn sofort nehmen, aber das muss man akzeptieren“, gibt sich Sanwald keinen Illusionen hin.

„Weiter extrem ambitioniert“

Über alle Personalentwicklungen hinaus ist es für den FCH-Vorstandsvorsitzenden aber vor allem wichtig, dass die Mannschaft nach der Winterpause an die Leistungen aus der Vorrunde anknüpft. Man lebe weiter vom „Mentalitätsfußball“, der die Mannschaft auszeichnet und von Spielern geprägt sei, die sich in diesem Sinne voll einbringen. „Wer da mitzieht, kann einen Weg gehen wie beispielsweise Sebastian Griesbeck, der es geschafft hat, sich von der Regionalliga zu einem Leistungsträger in der 2. Liga zu entwickeln“, sagt Sanwald: „Wir sind weiter extrem ambitioniert und ehrgeizig, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen.“

Dass dies irgendwann in die Erstklassigkeit führen könnte, schließt Sanwald nicht aus. Nach 17 Spielen mag es kein Zufall sein, dass der FCH Vierter ist, doch von Aussichten auf den Bundesliga-Aufstieg schon in dieser Saison will der Vorstandsvorsitzende noch nichts wissen: „Wenn man fünf Spieltage vor Schluss noch dicht an den Aufstiegsrängen dran ist, kann man so ein Ziel äußern. Aber jetzt gibt es dazu keinerlei Veranlassung. Alle Spiele verliefen bisher extrem eng. Wir haben ein schweres Auftaktprogramm mit Spielen in Aue, gegen Nürnberg, in Würzburg und gegen den VfB Stuttgart. Da kann man auch gehörig auf die Schnauze fallen.“

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