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Fußball: Abteilungsleiter wollen nicht nur spielen

Eine neue Generation von Abteilungsleitern ist am Ruder. So etwa bei der TSG Giengen, dem FV Burgberg und dem RSV Hohenmemmingen. Hier gibt's sogar den jüngsten Abteilungsleiter.

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  • Der 27-Jährige Kevin Jander ist seit April Abteilungsleiter bei der TSG Giengen. 2/4
    Der 27-Jährige Kevin Jander ist seit April Abteilungsleiter bei der TSG Giengen. Foto: 
  • Pascal Schlumberger (23) ist ein paar Monate älter als Tobias Schickert und ist seit Februar Abteilungsleiter beim FV Burgberg. 3/4
    Pascal Schlumberger (23) ist ein paar Monate älter als Tobias Schickert und ist seit Februar Abteilungsleiter beim FV Burgberg. Foto: 
  • Tobias Schickert ist mit 23 Jahren der jüngste Abteilungsleiter aller 30 Amateur-Fußballvereine im Verbreitungsgebiet der Heidenheimer Zeitung. Das Durchschnittsalter aller Abteilungsleiter beträgt 41,8 Jahre. Seit März istSchickert Abteilungsleiter beim RSV Hohenmemmingen. 4/4
    Tobias Schickert ist mit 23 Jahren der jüngste Abteilungsleiter aller 30 Amateur-Fußballvereine im Verbreitungsgebiet der Heidenheimer Zeitung. Das Durchschnittsalter aller Abteilungsleiter beträgt 41,8 Jahre. Seit März istSchickert Abteilungsleiter beim RSV Hohenmemmingen. Foto: 
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Sie sind jung, dynamisch und spielen nicht nur Fußball, sondern leiten seit Anfang des Jahres auch die Abteilung ihres jeweiligen Vereins: Pascal Schlumberger (23/Versicherungskaufmann) ist seit Februar im Amt, Tobias Schickert (23/Bürokaufmann) seit März und Kevin Jander (27/Sozialversicherungsfachmann) seit April. Schickert ist dabei der jüngste Abteilungsleiter der Fußballvereine im Verbreitungsgebiet der Heidenheimer Zeitung. Im Interview verraten die „jungen Wilden“, was sie antreibt und warum Trainerentlassungen Bauchschmerzen bereiten.

Fußballspielen ist das eine, zudem sind sie drei Abteilungsleiter. Doch was für Aufgaben hat ein Abteilungsleiter?

Kevin Jander: Die sind umfangreich. Dazu gehören zum Beispiel Kaderzusammenstellung und Spielergespräche. Oder aber die Trainersuche. Pascal Schlumberger: Wir versuchen aber auch Sponsoren zu werben und organisieren Turniere.

Das alles neben dem normalen Beruf. Warum tut man sich das an?

Tobias Schickert: Ich bin der Meinung, dass es langsam an der Zeit ist, dass junge nachkommen und nicht immer die Ü-50-Generation die Hand über alles hat. Bei mir spielt aber auch ein weiterer Grund eine Rolle. Da ich gesundheitlich vorbelastet bin, wird es wahrscheinlich so sein, dass ich mit 25, 26, 27 wahrscheinlich kein Fußball mehr spielen kann (Tobias Schickert ist an Mukoviszidose erkrankt). Deswegen möchte ich jetzt schon mitarbeiten und vielleicht später einen höheren Posten anstreben, Richtung Vorstand.

Schlumberger: Unser ehemaliger Abteilungsleiter wollte aus persönlichen Gründen nicht weitermachen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon ein Jahr zweiter Abteilungsleiter und hatte bereits einen Einblick in die Abteilungsarbeit und wollte die alten Raster, die entstanden sind, aufbrechen und neue Impulse geben. Jander: Bei uns war es ähnlich. In der Winterpause haben die ehemaligen Abteilungseiter ihr Amt niedergelegt. Im Endeffekt ist es eine Herzensangelegenheit, weil ich schon immer im Verein gewesen bin. Dazu kommt der Wille, etwas positiv verändern zu können.

Hat man denn Bedenken, das Amt anzutreten?

Jander: Natürlich, Bedenken gab es schon. Die Ungewissheit, was kommt auf mich zu. Was für einen zeitlichen Umfang nimmt das Amt ein? Bekommt man alles gemeistert? Das hat man natürlich im Kopf. Aber letztendlich hat der Glaube daran überwogen. Schlumberger: Ich habe zum Glück eine helfende Hand an meiner Seite. Ich glaube, dass man alleine das Amt nicht ausführen kann, weil man sonst daran kaputtgeht. Schickert: Richtig. Es ist eine große Herausforderung. Auch ich habe mit Günther Leder jemanden, der mich unterstützt. Wir haben momentan auch keinen Jugendleiter. Da hat man noch mehr zu tun.

Wie fielen die Reaktionen aus dem Familien- und Bekanntenkreis aus?

Schickert: Es gab positive und negative Stimmen. Auch meine Eltern haben befürchtet, dass ich kaum noch Zeit hätte, etwas Anderes zu machen. Aber auch sie wissen, dass es gut ist, dass frischer Wind in den Verein kommt. Schlumberger: Es heißt dann: Du investierst viel Zeit in dieses Amt, bekommst dafür aber kein Geld. Von der Abteilung gibt es aber lobende Worte, weil dort gesehen wird, dass es vorangeht. Jander: Bei mir war es ähnlich. Aus dem Bekanntenkreis außerhalb vom Fußball gab es Stimmen, die meinten: Bist du dir da sicher? Worauf lässt du dich ein? Hast du dir es gut überlegt? Entscheidend für mich waren meine zwei Freunde Kevin Lindenmaier und Daniel Koller, die nun meine Stellvertreter sind.

Sind Sie nicht ein bisschen jung für das Amt eines Abteilungsleiters?

Jander: Ich bin der Meinung, dass es da nicht ein zu jung oder zu alt gibt, im Endeffekt zählt das Engagement. Schickert: Genau. Jander: Es gibt ältere Abteilungsleiter, die sich nicht so reinhängen. Dafür gibt es jüngere, die sich reinhängen. Es ist keine Frage des Alters, sondern des Willens, wie viel Kraft und Zeit ich da reinstecke. Schlumberger: Ich finde es eher gut, wenn man jünger ist, wenn man dieses Amt übernimmt. Dann hat man vielleicht den gewissen Hunger und den Biss, etwas verändern und bewegen zu wollen. Daher war der Zeitpunkt für mich optimal. Schickert: Da kann ich mich nur anschließen. Auch die Spieler sehen das positiv, wenn jemand im gleichen Alter dasteht und versucht den Verein nach vorne zu bringen. Ich finde es ist aber auch wichtig, die Aufgaben auf mehreren Schultern zu verteilen. Vorherige Abteilungsleiter haben ziemlich viel selbst gemacht. Lieber habe ich zehn Leute in der Hinterhand und verteile die Aufgaben, als dass ich alleine dastehe und alle Aufgaben selbst auf einmal erledigen muss.

Wie ist die Akzeptanz innerhalb des Vereins? Werden sie denn ernst genommen?

Schickert: Ich habe damit bislang keine Probleme gehabt. Alle merken, dass da etwas dahintersteckt. Es gibt niemanden, der es nicht ernst nimmt. Auch wenn es Spieler gibt, die drei, vier Jahre älter sind als ich. Aber denen ist es egal, dass ein jüngerer da steht. Die Ernsthaftigkeit ist da. Schlumberger: Klar, am Anfang wird man schon mal auf die Schippe genommen. Aber ich sorge dann schon dafür, dass man mich als Abteilungsleiter ernst nimmt. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann sage ich das auch klar und deutlich. Und dann soll man das bitte auch so machen. Mittlerweile haben wir in der Abteilungsleitung bewiesen, dass wir den Neuanfang geschafft haben. Und das merkt man auch im Umfeld. Jander: Wir wurden als Abteilungsleitung gewählt. Dementsprechend hat jeder gewusst, worauf er sich einlässt. In Sachen Respekt fehlt's da definitiv nicht.

Sie alle drei haben in einer schwierigen Zeit für den jeweiligen Verein das Amt als Abteilungsleiter übernommen.

Jander: Natürlich, bei der TSG Giengen kann es eigentlich nur besser werden. Zu verlieren haben wir nicht viel. Sportlich geht's ja nicht mehr weiter runter (KreisligaB). Ohne Hauruck-Aktionen möchten wir aber mittelfristig wieder höherklassiger spielen.

Wie war's beim FV Burgberg? War man sich vielleicht zu sicher, dass man nicht aus der Bezirksliga absteigt?

Schlumberger: Es gab viele Gründe für den Abstieg. Es kann sein, dass die Motivation etwas gefehlt hat, aufgrund der Tatsache, dass Normannia Gmünd II als erster Absteiger feststand. Vielleicht dachten wir: Was soll uns schon passieren?

Hohenmemmingen stieg dagegen wieder von der A- in die B-Klasse ab.

Schickert: Die Rückrunde war wie verhext. Da haben wir nur noch ein Spiel gewonnen. Kurz nachdem ich im Amt war, haben wir unseren Trainer entlassen müssen. Was letztlich auch nicht mehr den Effekt hatte, dass wir aus der Abstiegszone rauskamen. Wir haben nun einmal eine verdammt junge Mannschaft. Einige Leistungsträger wie unser Kapitän Ralf Göringer hatten aufgehört.

Das heißt, Sie haben schon schwierige Entscheidungen getroffen wie die, den Trainer zu entlassen?

Schickert: Ja, es war auf gut deutsch gesagt eine scheiß Situation. Ich war gerade drei Wochen im Amt und konnte schon den Trainer entlassen (Christian Cretu-Konnerth). Zu dem Termin bin ich schon mit einem komischen Gefühl hingekommen und mit einem noch komischeren rausgelaufen. Er war ja vorher auch mein Trainer und ich habe mich mit ihm eigentlich sehr gut verstanden. Ich hoffe, dass ich sowas nicht noch einmal machen muss.

Wer hat die Entscheidung letztlich getroffen?

Schickert: Es war eine gemeinsame Entscheidung zwischen dem Vorstand und mir.

Hat der damalige Trainer die Entscheidung denn verstanden?

Schickert: Ja, er hatte es natürlich geahnt und auch verstanden.

Schwierige Entscheidungen kennen Sie auch schon, Herr Schlumberger?

Schlumberger: Trainerentlassungen sind immer schwierig. Ob in der Kreisliga oder in der Bundesliga. Wir waren der Meinung, dass es an der Zeit war, den Trainer zu wechseln, da einiges eingefahren war. Natürlich war der Zeitpunkt ungünstig (Matthias Hauf bekam vor dem Relegationsspiel gegen den SSV Aalen mitgeteilt, dass es sein letztes Spiel als Burgberger Trainer werden sollte).

So eine Entscheidung mussten Sie noch nicht treffen, Herr Jander?

Jander. Nein, wir haben von unserem ehemaligen Trainer (Uederson „Didi“ Guimaraes) relativ früh erfahren, dass er sich anders orientieren möchte. Dementsprechend war klar, dass wir einen neuen Trainer brauchen. Wir hatten das Glück, dass unsere 1-A-Lösung direkt gepasst hat (Bastian Heidecker und Sebastian Niebisch, nach nur acht Spieltagen hatte das Duo nach Differenzen mit der alten Abteilungsleitung hingeschmissen und feiert nun sein Comeback).

Was hat bei der TSG Giengen nicht gepasst, das Saisonziel Meisterschaft wurde ja deutlich verfehlt?

Jander: Das ist schwierig zu sagen, woran es gelegen hat. Letztlich habe ich erst jetzt als Abteilungsleiter einen anderen Einblick als ich es vorher als Spieler hatte.

Wo soll es denn hingehen mit der TSG Giengen?

Jander: Kreisliga B ist nicht der größte Spaß. Natürlich ist das Fernziel, wieder höherklassiger zu spielen. Kreisliga A, im besten Fall Bezirksliga in einigen Jahren.

Und beim FV Burgberg?

Schlumberger: Wir wollen in der Kreisliga A eine feste Größe sein. Aber uns längerfristig vielleicht in der Bezirksliga etablieren.

Wie lauten die Ziele des RSV Hohenmemmingen?

Schickert: Hohenmemmingen war, vor dem Abstieg 2015, 30 Jahre lang in der A-Klasse, zwischendurch mal in der Bezirksliga. Unser Ziel ist es, sich in der A-Klasse zu etablieren und vier, fünf Jahre durchgehend hier zu spielen.

Wie sieht Fußball in einigen Jahren aus? Im Lauf der vergangenen Saison kam bereits das Thema Spielgemeinschaften wieder verstärkt auf.

Schickert: Irgendwann wird es so kommen. Bei uns ist es momentan aber noch kein Thema, weil wir viele junge Spieler haben. Aber in zwei bis fünf Jahren vielleicht. Dass Spielgemeinschaften funktionieren, sieht man ja bei der SG Heldenfingen/Heuchlingen.

Für eine Spielgemeinschaft mit dem FV Burgberg war es noch zu früh?

Schickert: Das war gleich am Anfang meiner Amtszeit. Pascal und haben nie darüber geredet. Schlumberger: Die ersten Gespräche bezüglich eine Spielgemeinschaft zwischen dem FV Burgberg und dem RSV Hohenmemmingen wurden Ende des letzten Jahres geführt. Wir waren da eigentlich soweit schon im Einklang. Letztlich hat es nicht geklappt. In ein paar Jahren ist sie für den FV Burgberg aber unumgänglich.

Bei der TSG Giengen gibt es solche Probleme nicht?

Jander: Wir haben jetzt auch nicht Spieler ohne Ende. Vorrangiges Ziel muss natürlich sein, einen Unterbau zu schaffen. Der letzte Ausweg für uns ist aber wie auch für jeden anderen Verein eine Spielgemeinschaft, bevor es gar nicht mehr geht.

Wer der älteste Abteilungsleiter im Kreis Heidenheim ist, lesen Sie hier.

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