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Fronten zwischen Fanszene und FCH-Führung haben sich weiter verhärtet

Der außerplanmäßige Fandialog des Fußball-Zweitligisten ist am Mittwochabend gescheitert. Die aktive Fanszene sowie nicht-organisierte Anhänger verließen vorzeitig das Stadion.

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Reger Austausch: In der Voith-Arena richtete Fußball-Zweitligist 1. FC Heidenheim einen außerplanmäßigen Fandialog aus, der allerdings ergebnislos abgebrochen wurde.  Foto: 

Die Fronten zwischen der aktiven Fanszene und der Vereinsführung des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim haben sich weiter verhärtet. Der außerplanmäßige Fandialog am Mittwochabend, an dem etwa 400 Anhänger des FCH teilnahmen, endete nach knapp 140 Minuten damit, dass Mitglieder der aktiven Fanszene und offizieller Fanclubs sowie nicht-organisierte Anhänger die Südtribüne der Voith-Arena verließen. Dabei wurde „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt! Ihr Wichser!“ skandiert. Zurück blieben Vereins-Verantwortliche und die FCH-Spieler, die dem Dialog beigewohnt haben.

Anwesenheit von Medienvertretern war unerwünscht

Zuvor wurde in einer äußerst emotional aufgeladenen Atmosphäre darüber diskutiert, wie es weiter gehen soll. Dabei fand ein Sprecher der Ultra-Gruppierung „Fanatico Boys“ bereits den räumlichen Rahmen nicht passend. Warum werde nicht im kleineren Rahmen – und damit ohne die anwesenden Medienvertreter – im Fanprojekt Heidenheim diskutiert, fragte er und merkte zudem an, dass die Mitarbeiter des Fanprojekts als studierte Sozialpädagogen den Dialog hätten leiten können. Stattdessen übernahm ein Radio-Moderator diesen Part.

FCH stelle sich mit der „kompletten Führungsmannschaft“ der Kritik

Vorstands-Mitglied Florian Dreier, der beim FCH unter anderem für Fanwesen und Kommunikation verantwortlich ist, erklärte, dass sich der FCH mit der „kompletten Führungsmannschaft“ der Kritik stelle. Das Ziel der Vereinsführung sei es, dass man wieder „zu einem gemeinsamen Miteinander“ finde.

Jahrelang habe der FCH Fanutensilien der eigenen Anhänger nicht kontrolliert. Durch das Zeigen des beleidigenden Banners („All cops are bastards“/abgekürzt ACAB) im Heimspiel gegen Bielefeld in der vergangenen Saison – dieses war im Vorfeld vom Verein nicht genehmigt gewesen – sei dieser Vertrauensvorschuss aber missbraucht worden, sagte Dreier.

Strafmaß für ACAB-Banner unverhältnismäßig hoch?

Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ erklärte, dass die „Fanatico Boys“ durchaus bereit seien, Konsequenzen dafür zu tragen. Das Strafmaß für das Aufhängen des ACAB-Banners sei aber unverhältnismäßig hoch. Die Verhängung von Hausverboten sei absolut übertrieben. Dafür jemanden aus dem Verein auszuschließen „unterste Schublade“. Im Hinblick auf mögliche weitere Aktionen fügte er an: „Wir lügen nicht. Deswegen können wir nicht versprechen, dass wir keine Grenzen mehr überschreiten werden.“

Auch Fehler wurden eingeräumt

Allerdings räumte er einen Fehler im Zusammenhang mit der Anmeldung des ACAB-Banners ein. Dieses sei von einer Person angemeldet worden, die dies zuvor nicht mit der Gruppe abgesprochen habe. „Wir wussten nichts davon, dass das Banner abgemeldet war. Das war scheiße.“

Verschärfte Einlasskontrollen wegen ACAB-Banners

Auch von Vereinsseite wurde ein Fehler eingeräumt. Im Stadionheft „Heimspiel“ wurden verschärfte Einlasskontrollen, die zum ersten Mal in der vergangenen Saison vor dem Heimspiel gegen Hannover griffen, auch auf das ACAB-Banner zurückgeführt. Es habe aber der Zusatz gefehlt, dass die verschärften Kontrollen auch seitens der Dekra für die Zertifizierung des Sicherheitsmanagements gefordert worden sind. „Da mussten wir uns auch kritisch hinterfragen“, so Pressesprecher Markus Gamm.

Thomas Schneider, Leiter der Abteilung Fanangelegenheiten bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), lobte, dass mit „offenem Visier“ diskutiert werde („So eine Veranstaltung wie hier habe ich noch nie erlebt“), stellte aber zugleich fest, dass es auch „eine ganze Menge Misstrauen“ gebe.

Ein Mitglied des offiziellen Fanclubs „Fußballmania Heidenheim“ brachte wohl die Hoffnung vieler anwesenden Fans zum Ausdruck. Er vermisste einen ersten Schritt des Entgegenkommens seitens der Vereinsführung und beklagte, diese sei wohl der Meinung, dass sie alles richtig gemacht habe.

Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ betonte, die Gruppe wolle dem Verein nicht schaden. Im Gegenteil, die Heidenheimer Fanszene sei eine gute Fanszene. Die Vereinsführung sei verantwortlich für die Radikalisierung.

Dies sah Bürgermeister Rainer Domberg, Ehren-Beiratsvorsitzende des FCH und Schatzmeister des Württembergischen Fußballverbandes, nicht so. „Früher konnten wir immer darauf verweisen, dass unsere Fans die am wenigsten gewaltbereit seien und diejenigen sind, die am heftigsten die eigene Mannschaft unterstützen. Das hat sich im Augenblick gedreht.“

Diese Aussage löste großen Unmut bei den anwesenden FCH-Anhängern aus, die sich persönlich angegriffen fühlten. Ein Vertreter der Gruppe „Unitas Aquileiae“ merkte daraufhin an, dass in dem großen Rahmen miteinander zu reden sinnlos sei. „Denn dann kommen genau solche Kommentare. Die schaukeln die Emotionen hoch. Das sollte man an einem kleinen Tisch bereden“, merkte er an und kam zu dem Schluss: „Hier kommen wir zu keiner Lösung.“ Der vom FCH initiierte Fandialog soll dem Verein wohl bloß einen Imagegewinn bringen, vermutete er.

Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ fügte an: „Schaut auf eure Strafentabellen. Wir liegen von 50 Vereinen auf Platz 48. Wir haben eine friedliche Fanszene, die sich selbst reguliert. Wir sind keine Straftäter.“

Drücken einer die Stopp-Taste?

Thomas Schneider von der DFL bemerkte, dass sich die Stimmung im Verlauf des Abends „extrem hochgeschaukelt“ habe und machte den Vorschlag eines Moratoriums. „Vielleicht können wir die Stopp-Taste drücken und einen Termin für einen neuen Runden Tisch finden?“, fragte er und bot an, als Moderator zu fungieren. FCH-Vorstandsmitglied Dreier begrüßte diesen Vorschlag. Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ verwies aber darauf, dass dies vorher innerhalb der Fanszene besprochen werden müsste.

In diesem Zusammenhang kam ein weiterer Vorschlag aus dem Publikum: Der Verein solle bis zu einem weiteren Gespräch die Hausverbote und Vereinsausschlüsse aussetzen. Im Gegenzug solle die aktive Fanszene sich zunächst einmal an die Stadionordnung halten.

Auch Marc Schnatterer meldete sich zu Wort. Der FCH-Kapitän betonte, dass der FCH für ihn nicht nur ein Verein sei, sondern sein Leben. „Jeder weiß, dass ich noch viele Jahre hier sein werde. Und wenn ich als Paule da unten rumrenne“, sorgte der 31-Jährige für Erheiterung. Schnatterer appellierte aber auch an alle Beteiligten: „Setzt euch zusammen, findet eine faire Lösung. Und geht respektvoll miteinander um. Das kam mir heute Abend manchmal ein bisschen zu kurz.“

FCH-Aufsichtsrats-Vorsitzender Klaus Mayer griff den Vorschlag eines Runden Tischs auf und richtete an die aktive Fanszene den Wunsch: „Kommt an den Tisch, wir finden eine Lösung.“

Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ begrüßte auch die Idee eines Runden Tisches, wies aber daraufhin, dass die richtige Zeit für Kommunikation eben an diesem Abend sei und nicht irgendwann. Zudem beklagte er, dass die Vereinsführung nach der gestellten Forderung der Aufhebung der Vereinsausschlüsse ausgewichen sei. Deren Aufhebung sei ein „richtiges Zeichen“. Ein Sprecher der „Unitas Aquileiae“ schlug vor, die Medien wegzuschicken und alles sofort zu klären.

Zudem seien alle Argumente bereits ausgetauscht worden, es habe zwei Runde Tische gegeben, lautete ein Einwurf aus dem Publikum. Man solle endlich auf den Punkt kommen.

Auf den Einwurf des Moderators, die aktive Fanszene stelle nur Forderungen, kochten die Emotionen erneut hoch. Dieser solle nicht Partei ergreifen, kritisierte ein Sprecher der „Fanatico Boys“.

Es blieb dabei: Die Gruppe betonte, sie könne nicht versprechen, keine Grenzen mehr zu überschreiten. Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ forderte in diesem Zusammenhang von der Vereinsführung, ebenfalls Stellung zu beziehen: Wollen die Vereins-Verantwortlichen die Hausverbote und Vereinsschlüsse gar nicht aufheben? Dann sollen sie dies klar sagen. „Ihr wisst wie wir sind. Setzt die Hausverbote aus, entschuldigt euch für die Vereinsausschlüsse. Dann setzen wir uns an einen Tisch.“

Aussetzung der Hausverbote?

FCH-Vorstandsmitglied Dreier verwies auf die Idee eines weiteren Runden Tisches, die Hausverbote sollten dann für das Heimspiel gegen Darmstadt (20. September) ausgesetzt werden, bevor es in der Woche darauf eben noch einmal zu einem Gespräch kommen sollte.

Darauf wollte sich die organisierte Fanszene aber nicht einlassen. Alle Entscheidungsträger des FCH seien doch da. Eine Entscheidung solle noch am selben Abend getroffen werden. Es folgte aus dem Publikum der Vorschlag, dass die Vereinsführung sich auch in einer Pause beraten könne.

Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ merkte Richtung Vereinsspitze zudem ultimativ an: Sagt, ob ihr uns wollt oder wir uns verpissen sollen. Als Vorstands-Mitglied Dreier mit der Aussage „wir nehmen das jetzt mit“ andeutete, dass es zu keiner Entscheidung an diesem Abend kommen werde, leerte sich die Südtribüne.

Trotz des Scheiterns des Fandialogs hält der FCH an der Idee eines weiteren Runden Tisches fest.

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Kommentare

14.09.2017 19:38 Uhr

Null Toleranz bei Regelverstößen

Sogenannte Fans die sich bisher nicht an für alle gültige Regeln halten und nach eigenem Bekunden dies zukünftig auch nicht tun werden haben ausnahmslos in einem Stadion nichts verloren!
Auf solche Fans kann und muß ein Verein im Zweifelsfall verzichten.
Was soll ein sich korrekt verhaltender Fan denn denken, wenn er zur Kenntnis nehmen muss, dass eine Nichtbeachtung der Regeln keine Konsequenzen nach sich zieht? Soll er es dann auch so machen? Dann ist das Stadion über kurz oder lang ein Ort von dem man sich besser fern hält. Heute ist es ja schon so, dass solche Ultras im Stadion in ihrem Block weggesperrt werden müssen damit überhaupt noch normale Fans kommen.
Deshalb: Null Toleranz und wehret den Anfängen!

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