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Frank Schmidt war „ein Wolf, der sein Rudel schützt“

2. Liga: Frank Schmidt, der Trainer des 1. FC Heidenheim, erklärt im Trainingslager, wie er sein Verhältnis zu Medien allgemein sieht und warum für ihn die Zusammenarbeit mit Journalisten manchmal ein Spiel ist.

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Trotz harter Trainingsarbeit: Ab und zu darf darf auch gelacht werden. Frank Schmidt sucht auch auf dem Übungsgelände die richtige Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Lockerheit.  Foto: 

Abseits der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz im Rahmen des Trainingslagers (8. bis 16. Januar) im spanischen Oliva nahm sich Frank Schmidt Zeit, um über ein Thema zu sprechen, das nicht direkt etwas mit dem Geschehen auf dem Fußballplatz zu tun hat. Der FCH-Trainer gibt im Interview mit HZ-Redakteur Edgar Deibert einen Einblick, wie er mit den Medien umgeht.

Herr Schmidt, wie lesen Sie Ihre Zeitung?

Von hinten nach vorne.

Und wie gehen Sie mit Medien im Allgemeinen um?

Offen und ehrlich. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eine schlechte Leistung nicht als gut verkaufen will. Die Zusammenarbeit mit den Medien gehört zu meinem Job dazu. Ich weiß, dass wir in der Öffentlichkeit stehen und dass wir bewertet werden müssen, vielleicht auch wollen. Und deswegen ist es klar, dass unser Job nicht nur auf dem Platz stattfindet. Die Medien sind ein wichtiger Faktor im Profifußball. Auf der anderen Seite erwarte ich von den Medien, dass sie sich mit der Sache an sich auseinandersetzen.

Wird man als Trainer geschult?

Ja, in der Fußballlehrerausbildung war der Umgang mit Medien ganz zu Beginn ein Schwerpunkt. Wie man mit Medien umgehen kann und sollte.

Wie sieht das dann aus?

Man wird auch mit Hilfe von Rollenspielen darauf vorbereitet. Jan-Moritz Lichte (Lichte leitet das Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96/Anm. der Red.) war mein erster Interviewpartner. Ich war der Trainer des kleinen 1. FC Heidenheim. Und er hat mich als Boulevard-Journalist richtig in die Mangel genommen. Es war eine interessante Erfahrung. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass man so unter Druck geraten kann und auch mal nicht weiß, was man überhaupt sagen soll.

Haben Sie einen persönlichen Medienberater?

Je höher die Liga, umso mehr Berater könnte man bekommen. Auch was das Thema Medienschulung betrifft. Ich habe bis heute keine gehabt. Und einige Größen des deutschen Fernsehens haben mir davon abgeraten. Die sagen, lass das mal.

Journalisten picken sich manchmal einzelne Spieler aus und bewerten diese auch. Wie gehen Sie damit um?

Ein Journalist sieht das Spiel, hat aber nicht die Möglichkeit, bei Besprechungen dabei zu sein. Von daher weiß ich am besten, was ein Spieler leisten und nicht leisten kann. Was seine Stärken und seine Schwächen sind und auch was seine Aufgaben sind. Und deswegen rufen wir auch nicht bei der Heidenheimer Zeitung an, wenn es um eine falsche Note geht.

Gab es schon mal eine falsche Note?

Mit Sicherheit. Aber es ist doch viel wichtiger, wie wir intern damit umgehen. Die Spieler wissen, dass das interne Urteil das allerwichtigste ist. Ich glaube, als Trainer bin ich da entspannter, als ich es als Spieler war und wie die Spieler heute sind. Weil ich eine gewisse Lebenserfahrung habe.

Was tun Sie, wenn Sie mit Zeitungsberichten nicht einverstanden sind?

Ich spreche es direkt und ehrlich beim Redakteur an.

Haben Sie ein Bespiel dafür?

Nach der Testspielniederlage gegen Offenbach vor Beginn der Saison titelte die HZ: „Planlos, ideenlos, erfolgslos“. Es war in dem Moment eine harte Aussage, obwohl die Saison noch gar nicht begonnen hatte. Man kann etwas erst richtig bewerten, wenn es richtig losgegangen ist.

Hing der Artikel in der Kabine?

Nein. Ich habe nur den Artikel der Bildzeitung aus dem vergangenen Juli in der Schublade, in dem steht, dass wir am Saisonende Tabellenletzter sein werden.

Wie haben Sie die Entwicklung der medialen Präsenz in Heidenheim wahrgenommen?

Als ich angefangen habe in Heidenheim, haben die Medien, in dem Fall die Heidenheimer Zeitung, in der Oberliga, der Regionalliga und selbst in der 3. Liga noch nicht so wahrgenommen, wohin das alles führen kann. Vielleicht wurde das noch nicht erwartet, dass der Weg des 1. FC Heidenheim so weit nach oben gehen kann. Mittlerweile ist es bei uns so, dass Zeitungen, Fernsehen, Radio und Social Media ein großer und wichtiger Teil sind, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Die Spieler natürlich nicht so wie ein Trainer.

Haben Sie bei sich auch eine Entwicklung festgestellt?

Ja, ich denke schon, dass ich mich entwickelt habe im Umgang mit Medien. Ich bin entspannter geworden. Ich bin ein emotionaler Mensch, aber vielleicht nicht mehr ganz so emotional wie ich am Anfang war. Ich war wie ein Wolf, der sein Rudel schützt. Ich überlege, warum jemand etwas fragt. Und ob es nicht doch richtig ist, wie es gefragt wird oder wie es dargestellt wird. Es gibt auch andere Meinungen, die richtig sind. Aber natürlich bin ich nach wie vor einer, der sich dann schon wundert, wenn Dinge falsch eingeschätzt werden und der es dann auch anspricht.

Wie gehen Sie in Pressekonferenzen?

Ich bereite mich schon vor. Man weiß ja, was aktuell ist und überlegt sich, welche Fragen kommen könnten. Ich versuche ich mich in die Rolle des Journalisten hineinzuversetzen. Deswegen bin ich ja manchmal enttäuscht, wenn mal eine Frage nicht kommt, die kommen muss.

Sind Sie auch mal enttäuscht, wenn eine „blöde“ Frage kommt?

Die gibt's nicht. Aber bei einem Typ wie mir, der sein Herz auch manchmal auf der Zunge trägt, muss man dann auch verkraften, dass auch mal ein Konter kommt. Beim Schafkopf nennt man das Kontra. Aber im Endeffekt ist es auch mein Ziel, Botschaften zu transportieren, die für mich wichtig sind. Um vielleicht auch mal auf etwas hinzuweisen, was wichtiger ist, als das, worüber die Menschen gerade reden.

Macht das Spaß und ist vielleicht so eine Art Spiel?

Ja, ein bisschen schon. Für mich ist es als Trainer auch die einzige Möglichkeit, den Fan und die Öffentlichkeit zu erreichen. Deswegen bereitet man das vor. Und wenn man ganz clever ist als Trainer, dann schafft man es sogar, es hinzubekommen, dass eine Frage kommt. Und manchmal ist man froh, dass eine Frage nicht kommt.

Hätten Sie ein Beispiel?

Tim Kleindienst.

Nach seiner Verletzung stand er gegen Union Berlin überraschend in der Startelf?

In der Woche vor dem Spiel kam die Frage nicht, wann es für ihn so weit ist.

Bei vielen Vereinen sind viele Journalisten im Trainingslager mit dabei.

Ja, Gott sei Dank!

Sie sehen das positiv?

Ich finde, ein Journalist sollte bei jedem Training dabei sein. Um zu sehen, was wir eigentlich machen. Und um zu verstehen, wie eine Spielphilosophie entsteht. Nur ein Beispiel: Hier in Oliva Nova kamen Fans zu mir, die wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben beim Training zugeschaut haben. Und die Dame hat zu mir gesagt: Mensch, sind Sie streng. Und wie hart die Mannschaft trainiert. Wie die reingehen in die Zweikämpfe. Da versteht man, dass das, was wir machen, nicht einmal in der Woche 90 Minuten sind, in denen man schaut, dass man ein Spiel gewinnt. Und ich glaube, dass es deshalb für einen Journalisten gut ist, zu sehen, woran wir eigentlich arbeiten, wenn er ein Urteil abgeben will.

Es geht also auch darum, was Spieler im Training leisten?

Ja, bei uns waren in der Vergangenheit manchmal oft die Stürmer so ein bisschen die Sündenböcke. Dieter Jarosch, Adriano Grimaldi, Andy Spann, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber man hätte sie im Training sehen sollen, dann hätte man auch verstanden, warum sie ihre Chancen und Einsätze bekommen haben. Andererseits ist es für uns entspannter, als bei anderen Vereinen, weil wir meist unsere Ruhe haben.

Zum ersten Mal gibt's beim FCH eine organisierte Fanreise. Das sehen Sie wahrscheinlich auch positiv?

Ja absolut, aber Fans und Mannschaft sollten nicht im gleichen Hotel untergebracht sein. Ich finde, dass wir ein bisschen Rückzug brauchen. Wir wollen nicht jammern. Es gibt viel schwerere Berufe, die schlechter bezahlt werden. Aber die Spieler werden hier sehr beansprucht und müssen absolute Höchstleistung bringen. Und da gehören Ruhephasen und Rückzugsorte dazu. Deswegen ist es wichtig, dass eine Mannschaft sich auch auf sich konzentrieren kann und sich auch nicht rechtfertigen muss.

Genauso finde ich es aber auch wichtig, dass man auch mal einen gemeinsamen Abend von Mannschaft und Fans macht. Ich würde jede Wette eingehen, dass es nächstes Jahr viel mehr sein werden.

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