Partner der

FCH: Fandialog vorerst gescheitert

Die Vereins-Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim luden am Mittwochabend zum außerplanmäßigen Fandialog, an dem knapp 400 Anhänger teilnahmen. Nach knapp 140 Minuten eskalierte die Diskussion. Mitglieder der aktiven Fanszene skandierten „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt!“ und verließen das Stadion.

|
Der außerplanmäßige Fandialog am Mittwochabend ist vorerst gescheitert.  Foto: 

Die Diskussion über den Umgang mit den eigenen Fans nahm zuletzt im Umfeld des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim überhand. Auslöser war die Verhängung von Hausverboten gegen 13 Fans, die in der vergangenen Saison während des Heimspiels gegen Bielefeld ein beleidigendes Banner („All cops are bastards“) auf der Osttribüne der Voith-Arena hochgehalten haben.

Am Mittwochabend, 13. September, sollte auf der Südtribüne der Voith-Arena öffentlich diskutiert werden, wie es weitergehen soll. Den örtlichen Rahmen fand ein Sprecher der Ultra-Gruppe „Fanatico Boys“ allerdings nicht passend. Warum werde nicht im kleineren Rahmen – und damit ohne die anwesenden Medienvertreter – im Fanprojekt Heidenheim diskutiert, fragte er und merkte zudem an, dass die Mitarbeiter des Fanprojekts als studierte Sozialpädagogen den Dialog hätten leiten können.

Gruppen tragen Argumente vor

Vereins-Verantwortliche, Ultras, Mitglieder von offiziellen Fanclubs und nicht-organisierte Fans trugen dennoch jeweils ihre Argumente vor. Ein Sprecher der „Fanatico Boys“ erklärte, dass das Strafmaß für das Aufhängen des ACAB-Banners viel zu hoch sei (Hausverbote auf 12, 6 Monate und zur Bewährung sowie Vereinsausschluss).

Allerdings bekräftigte ein anderer Sprecher der „Fanatico Boys“, dass diese sich auch in Zukunft nicht immer an Vorschriften halten und damit Grenzen überschreiten werden.

FCH-Vorstandsmitglied Florian Dreier bemängelte die fehlende Einsicht: „Das können wir als Verein nicht zulassen. Wir brauchen Regeln, an die sich alle halten.“

Fabian Strauß, Fanbeauftragter des FCH, erklärte, dass der außerplanmäßige Fandialog ein erster Schritt sein solle, um Argumente zu sammeln und auszutauschen und fragte, ob alle zu stolz seien, um jeweils aufeinander zuzugehen.

Daraufhin erwiderte ein Sprecher des offiziellen Fanclubs „Fußballmania Heidenheim“, der Verein solle die Vereinssauschlüsse zurücknehmen. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Stimmung schaukelt sich hoch

In der Folge schaukelte sich die Stimmung hoch. Deswegen schlug Thomas Schneider, Leiter der Abteilung Fanangelegenheiten bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dass sich Vereinsvertreter und Sprecher der aktiven Fanszene an einen Runden Tisch setzen und in einem kleineren Rahmen miteinander reden. Ein Anhänger des FCH begrüßte diesen Vorschlag, schob aber nach, dass im Hinblick auf den Runden Tisch die verhängten Hausverbote ausgesetzt werden sollten.

Die Diskussion wurde nun immer emotionaler geführt. Einem Sprecher der „Fanatico Boys“ war die Aussicht auf einen Runden Tisch nicht genug. An die Vereins-Führung gerichtet forderte er: „Setzt die Hausverbote aus, entschuldigt euch für die Vereinsausschlüsse. Dann setzen wir uns an einen Runden Tisch.“ Andere Mitglieder der aktiven Fanszene beklagten die bloß „warmen Worte“ seitens der Vereinsführung und forderten, die Vereins-Verantwortlichen solle noch am Mittwochabend eine Entscheidung über die Aufhebung der Hausverbote fällen.

In dieser Phase wurde ein weiterer Vorschlag seitens eines nicht-organisierten Fans gemacht: Für die Aussetzung der verhängten Hausverbote und Vereinsausschlüsse sollte die organsierte Fanszene versprechen, sich bis zum Runden Tisch an die Stadionordnung zu halten. Daraufhin erwiderte ein Sprecher der „Fabatico Boys“, dass sich sowieso nichts ändern werde.

Vorschlag abgelehnt

FCH-Vorstandmitglied Dreier machte im Gegenzug den Vorschlag, die Hausverbote für das Heimspiel gegen Darmstadt am 20. September auszusetzen und den Runden Tisch in der Woche darauf zu veranstalten. Darauf wollte die organsierte Fanszene allerdings nicht eingehen. Ein Sprecher beklagte den Vorschlag als „Vertröstung“. Und mehr noch: „Ihr habt nur eine Chance: sagt ja oder nein“, forderte ein weiterer Sprecher der „Fanatico Boys“ ultimativ eine Entscheidung noch am selben Abend.

Darauf ließ sich die Vereins-Führung allerdings nicht ein. In der Folge verließ die aktive Fanszene, auch gefolgt von nicht-organisierten Fans, äußert erregt die Südtribüne und skandierte: „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt!“ mit der – fast schon obligatorischen – Beleidigung: „Ihr Wichser!“

Zurück blieben die Vereins-Verantwortlichen sowie die ratlos schauenden FCH-Spieler.

Hier lesen Sie den ausführlichen Bericht über die Veranstaltung am Mittwoch.

Lesen Sie jetzt die eZeitung schon ab 0,99 € / Monat
Die digitale 1:1-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung steht Ihnen ab 4 Uhr morgens mit allen Nachrichten der Region zur Verfügung. » zum Angebot

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

1. FC Heidenheim

Die Fußballer des 1. FC Heidenheim spielen ihre dritte Saison in der 2. Bundesliga. Hier gibt es alle Informationen und Hintergrundberichte rund um das Team von Trainer Frank Schmidt.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

United Tribuns: Heidenheimer Gang bleibt weiter im Visier der Ermittler

Gegen eine Reihe von Mitgliedern der Gruppierung laufen Ermittlungen, der Präsident Cihan O. stand bereits vor Gericht. weiter lesen