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FCH-Trainer Frank Schmidt sieht sein Team „in der Bringschuld“

Mit Einzelgesprächen und einer speziellen Trainingsform hat Frank Schmidt sein Team auf die Partie in Bochum eingeschworen und appelliert an den Zusammenhalt auch außerhalb des Rasens.

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Die Chancenauswertung muss dringend besser werden beim FCH. Gegen Regensburg vergaben die Heidenheimer eine ganze Reihe guter Möglichkeiten. Hier versucht sich Robert Glatzel, beobachtet von seinem Teamgefährten Timo Beermann (links).  Foto: 

Keine Frage: Es gab schon deutlich angenehmere Zeiten für den 1. FC Heidenheim. Der Zweitliga-Saisonstart entsprach mit vier Niederlagen in fünf Punktspielen bei weitem nicht den Erwartungen, darüber hinaus ist die Stimmung im Umfeld teilweise getrübt, weil ein Fan-Dialog am Mittwochabend scheiterte. Wer Frank Schmidt kennt, weiß aber auch, dass er die augenblickliche Situation als Chance und Herausforderung begreift: „Ich sage es noch einmal: Es kann auch Spaß machen, sich aus einer solchen Situation herauszuarbeiten.“

„Es helfen nur Siege“

Seine Mannschaft sieht er dabei in der Bringschuld. Ein Erfolgserlebnis am Sonntag in Bochum (13.30 Uhr) würde zum Beginn einer Englischen Woche nicht nur sportlich weiterhelfen, sondern vielleicht auch dazu beisteuern, dass im Umfeld wieder mehr Ruhe einkehrt.

„Natürlich finde ich es schade, dass momentan die Stimmung auch außerhalb des Spielfelds nicht so schön ist“, sagte Schmidt. Er könne nur „bitten und appellieren, dass gerade wenn es mal nicht so läuft, alle zusammenhalten“. Seine Mannschaft wolle dafür sorgen, dass der Funke wieder vom Spielfeld auf die Ränge überspringt.

Dabei ist dem Trainer auch bewusst, dass nur Siege weiterhelfen. Die Mannschaft habe sich zwar Kredit verdient, aber es sei auch logisch, dass der Vertrauensvorschuss nicht unendlich sei. „Das ist wie auf einer Bank. Da gibt es auch eine Kreditlinie – und irgendwann wird es eklig“, sagte der gelernte Bankkaufmann: „Diesen Punkt wollen wir nicht erreichen, sondern mit Ergebnissen überzeugen.“

Es mutet ein bisschen grotesk an, dass der FCH zuletzt spielerisch keineswegs enttäuschte, aber eben am Ende mit leeren Händen dastand. Sowohl beim 0:1 auf St. Pauli als auch beim 1:3 gegen Jahn Regensburg habe sein Team „eine Leistung gebracht, die uns definitiv berechtigt hätte, als Sieger vom Platz zu gehen“, urteilte Schmidt.

Dennoch ist der Trainer weit davon entfernt, an der Gerechtigkeit im Sport zu zweifeln: „Wenn ich selbstkritisch bin, kann ich mir nicht einreden, gut gespielt zu haben, weil ich dann nicht verloren hätte.“ Man müsse sich an der eigenen Nase packen und werde keinen Schuldigen suchen, versicherte er: „Fehler sind passiert, auch der Trainer hat nicht alles richtig gemacht, aber wir stecken deshalb nicht den Kopf in den Sand.“

Eben diesen selbstkritischen Umgang fordert Schmidt auch von seinen Spielern ein. Es habe in dieser Woche viele Gespräche unter vier Augen gegeben. Dabei sei es darum gegangen, mit der Situation richtig umzugehen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, „um am Sonntag in Bochum nicht mit der fehlenden breiten Brust und hängenden Köpfen zu beginnen, sondern entschlossen.“

„Fahrlässiges Verteidigen“

Zwei Dinge vor allem sind es, die sich verbessern sollten: Das Verwerten der Torchancen, die gegen Regensburg zwar in erfreulichem Ausmaß vorhanden waren und aber bis auf eine Ausnahme ungenutzt blieben, und das „situative Verteidigen“, das der Trainer speziell in der Schlussphase als „fahrlässig“ bezeichnete.

Um insbesondere an vorderster Front wieder für mehr Selbstvertrauen zu sorgen, griff Schmidt dieser Tage auch auf eine eher ungewöhnliche Trainingsform zurück und ließ im Übungsbetrieb gleich sechs Tore aufstellen. „Wenn ein Spieler sechs Anlaufstellen hat und regelmäßig das Tor trifft, dann ist das der erste Schritt, dass der Kopf nicht negativ wird. Man kann da über die Trainingssteuerung viel machen“, sagte er.

Was ihm darüber hinaus wichtig ist: Der Zusammenhalt auch auf dem Platz – „das bedingungslose Anlaufen, sich wehren, alles anzunehmen, was ein Spiel so fordert“, wie es Schmidt umschreibt. Letztlich gehe es darum, die „günstigen Momente für uns besser zu nutzen als zuletzt.“

Gleich in drei Spielen (gegen Erzgebirge Aue, den MSV Duisburg und zuletzt gegen Jahn Regensburg) musste der FCH nach eigenem Torerfolg nur wenige Minuten später einen Gegentreffer hinnehmen, verstand es also nicht, über längere Zeit von einem Erfolgserlebnis zu zehren.

„Vielleicht wollen wir in dieser Phase zuviel und verstehen es nicht, die notwendige Ruhe ins Spiel zu bekommen“, mutmaßt der Trainer, der diesen Aspekt allerdings auch nicht überbewerten will: „Oft lief es ja auch schon umgekehrt. So ein bisschen klebt uns das Pech momentan einfach auch an den Schuhen.“

Das Glück sich wieder zu erarbeiten: Unterm diesem Vorsatz startet der 1. FC Heidenheim in die bevorstehende Englische Woche mit Spielen in Bochum, gegen Darmstadt (Mittwoch) und in Bielefeld (nächsten Samstag). Die beiden kommenden Gegner trafen zuletzt im direkten Duell aufeinander. Dass der VfL Bochum dabei bei den „Lilien“ mit 2:1 die Oberhand behielt, wird die morgige Aufgabe für den FCH im Stadion an der Castroper Straße sicherlich nicht einfacher machen.

Auch für Schmidt ist der Ex-Bundesligist aus dem Ruhrgebiet eine Mannschaft, die um den Aufstieg mitspielen kann. Dies sehe man allein schon an der Kaderzusammenstellung – beispielsweise an der Verpflichtung von Ex-Nationalspieler Sydney Sam.

Schmidt hat die Bochumer in Darmstadt selbst in Augenschein genommen, spricht von einer Mannschaft, die mit hohem Pressing agiere, den Gegner dominieren wolle, individuell stark besetzt sei und technisch guten Fußball spiele.

Fraglich: Skarke und Verhoek

Angeschlagen sind auf Heidenheimer Seite derzeit U-21-Nationalspieler Tim Skarke (leichte Adduktorenprobleme) und Stürmer John Verhoek, der schon vor der Partie gegen Regensburg einen Schlag auf die Wade bekam und zuletzt lange mit dem Training aussetzen musste. In beiden Fällen gilt: Einsatz morgen fraglich.

Frank Schmidt nahm bei der Pressekonferenz auch Stellung zur Fan-Problematik:

Im Rahmen der Pressekonferenz zum Spiel des 1. FC Heidenheim am Sonntag beim VfL Bochum (13.30 Uhr) nahm Trainer Frank Schmidt auch zum stark angespannten Verhältnis des Vereins gegenüber einem Teil seiner Fans Stellung. Wie ausführlich berichtet, war am Mittwochabend ein Fandialog im Stadion gescheitert, weil die aktive Fanszene die Veranstaltung nach hitzigem Verlauf vorzeitig verlassen hatte.

Der FCH wohnte mit komplettem Zweitliga-Kader dem Treffen bei, „weil wir uns als Einheit definieren“, wie Schmidt sagte. Der Trainer fand es schade, dass die Zusammenkunft am Ende eskalierte: „Unser Kapitän Marc Schnatterer hat aus meiner Sicht das Beste gesagt: Wir sollten uns alle zusammenreißen und mehr Respekt im Umgang miteinander aufbringen.“

Der FCH-Coach erinnerte daran, was der Verein in den letzten Jahren für seine Fans und Zuschauer geleistet habe: „Das ist mir an diesem Abend zu kurz gekommen.“ Über das Ausmaß einer Strafe könne man grundsätzlich diskutieren, aber es gebe Regeln im Leben, die man beachten sollte.

„Jeder sollte mal in den Spiegel schauen und überprüfen: Wie gehen wir miteinander um?“, forderte Schmidt, der hofft, dass sich die Wogen wieder glätten lassen: „Der Zusammenhalt hat uns stark gemacht hat.“ Der Trainer glaubt, dass sein Team mit guten Ergebnissen „einen positiven emotionalen Schub für alle“ bewirken kann. Jeder einzelne sollte sich zurücknehmen und überlegen, „wie wir diese Problematik besser bewältigen können.“

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1. FC Heidenheim

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