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FCH-Knatsch: Fan-Experte der DFL sieht Hoffnung für Problemlösung

Vorerst sind die Gespräche zwischen Vereinsführung und der organisierten Fanszene gescheitert. Thomas Schneider, Leiter der Abteilung Fanangelegenheiten bei der DFL, sieht dennoch Hoffnung.

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Wie geht es nach dem gescheiterten Fandialog weiter?  Foto: 

Der von der FCH-Vereinsführung initiierte Fandialog  musste ergebnislos abgebrochen werden. Dabei sah Thomas Schneider, Leiter Abteilung Fanangelegenheiten bei der Deutschen Fußballliga (DFL), am Mittwochabend vor Ort gute Ansätze. Im Interview erzählt der gelernte Erziehungswissenschaftler von seinen Eindrücken und wie es weitergehen könnte.

Herr Schneider, war es überraschend, dass der Fandialog ergebnislos abgebrochen wurde?

Thomas Schneider: Nein, bei solchen Settings ist es nicht unüblich, wenn Diskussionen auf hohem Niveau eskalieren. Weil es Emotionen pur sind. Man kann sich dann auch nicht wirklich verständigen und neigt dann dazu, persönlich zu werden oder als Gruppe zu sprechen. Durch eine stringentere Moderation kann man das auffangen. Dazu muss man Spielregeln festlegen, an die sich alle halten müssen. Das ist aber nicht so einfach.

Was waren Ihre Eindrücke?

Man hat gemerkt, dass alle eine Leidenschaft teilen: Fußball. Das ist der größte gemeinsame Nenner. Und man sucht bei Konflikten den kleinsten gemeinsamen Nenner. Deswegen fand ich den Beitrag von Marc Schnatterer so hervorragend. Er hat das soziale mit dem sportlichen verknüpft und deutlich gemacht, worauf es in den 90 Minuten im Stadion ankommt. Das man da ein Stück eine magische Gemeinschaft wird, weil das den sportlichen Erfolg leichter macht. Das war eigentlich ein großartiges Schlusswort.

Da hatte man das Gefühl, dass beide Seiten einen Schritt auf einander zugehen. Dann ist es wieder gekippt?

Das war das typische, weil dann Missverständnisse entstanden. Es war eigentlich alles gesagt. Aber nicht von jedem. Manches wurde danach wiederholt. Man verlangt dann fast schon ultimativ eine gewisse Aussage und will Worte dem anderen in den Mund legen. Und dann scheitert Kommunikation. Das war klassisch zu beobachten. Ab dem Augenblick soll einer eben diesen einen Satz sagen – und den sagt er nicht. Weil er sich nicht erpressen lassen will vor Publikum diesen Satz zu sagen. Und obwohl es inhaltlich genauso zum Ausdruck gebracht wurde: die Hausverbote werden ausgesetzt, kam es dann nicht mehr so rüber. Die Botschaft kommt nicht beim Empfänger an.

Also ein klassisches Sender-Empfänger-Problem?

Ja, und das in Verbindung mit so einer hochemotionalen Situation, in der sich jeder als Opfer sieht. Und dann ist es schwer zu sagen: Okay, ich geh jetzt mal aus meiner Opferrolle raus und mache ein Angebot. Das ist so ein Point-of-no-return gewesen. Das war nicht mehr zu stoppen. Das ist bei solchen Settings immer die Gefahr.

Warum gab es von Vereinsseite am Mittwoch keine Entscheidung?

Entscheider und diejenigen, die von Entscheidungen betroffen sind, das war am Schluss die Konstellation. Darauf spitzte sich alles zu. Die Gemeinschaft organisierte sich auf der Tribüne und signalisierte: Wir sind Teil Eurer Entscheidungen. Es arbeiten aber viel mehr Menschen daran, die über Vereinszugehörigkeit oder -ausschluss nachdenken. Es ist eine eigene unabhängige Vereinsgerichtsbarkeit sozusagen. Da kann hier nicht über alle Köpfe etwas entschieden werden.

Am Ende wurde den Vereins-Verantwortlichen ein Ultimatum gestellt?

Ich glaube, das war auch das Gefühl, das sich bei den Entscheidern eingestellt hat. Durch die teilweise extrem empathischen und emotionalen Beiträge. Wo Emotionen über den Verstand gewinnen, dann wird es für alle Beteiligten schwer. Jeder will sein Gesicht wahren. Und in solchen zugespitzten Situationen kriegt man das in so einem großen Setting nicht mehr hin.

War das Ende ein besonderes?

Es gibt da keine Stereotypen. In dem Augenblick ist ein Gruppengeist da, man achtet aufeinander. Es ist wie bei einer Mannschaft. Das haben wir auch im Fußball schon gehabt. Als Kevin-Prince Boateng in Italien rassistisch beschimpft worden ist, ist die Mannschaft mit vom Feld gegangen. Dann bilden sich Gemeinschaften. Auch hier hat sich eine Gemeinschaft gebildet. Auch von Leuten, die jetzt nicht unbedingt ultranah sind oder ultrafreundlich sind. Aber dann entsteht eine Gemengenlage. Das hat mit Emotionen zu tun. Deswegen spielen die Emotionen in dem Augenblick eine größere Rolle als der Verstand. Es sind ja schlaue Leute, die argumentiert haben. Aber das ist ja das faszinierende, dass selbst hochintelligente Menschen in solchen Situationen von ihren Emotionen sozusagen gesteuert werden. Und das war für mich so ein Merkmal. Wenn man sich das von außen anschaut, geht es eigentlich um wenig. Aber für die Beteiligten ging's um wahnsinnig viel. Dieses wahnsinnig viele lässt sich kaum in Worte fassen, obwohl es versucht wird. Und da beginnen Missverständnisse tiefere Gräben aufzureißen.

Wie kann's denn weitergehen?

Wie geht das Sprichwort: In jedem Scheitern . . . Das war vielleicht mal nötig. Vielleicht war das ein reinigendes Gewitter. Und vielleicht werden alle Beteiligten eines Tages zurückblicken und sagen: Das war ein wichtiger Abend, weil wir es uns da gesagt haben. Manche Sachen müssen auch mal raus. Was man auf beiden Seiten leisten muss ist, dass man nicht ständig zurückschaut und über die Kränkungen, die man erlebt hat Rechnungen aufmacht. Nach dem Motto: Du hast damals dies und das zu mir gesagt.

Alle werden etwas Abstand gewinnen müssen zu dieser Veranstaltung. Das Gesprächsangebot liegt auf dem Tisch. Vielleicht ist dann der Rauch verzogen. Dass man sieht, wir haben alle nichts davon, wenn wir auf Konfrontationskurs gehen. Natürlich wird am Schluss ein Paket vorzuschlagen sein, das jeder Seite ein Zähneknirschen abverlangt. Es kann ja nicht sein, dass eine Seite als Gewinner rausgeht.

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